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Umstrittene Auktion in München
Görings Unterhose wird versteigert

Gegenstände von Adolf Hitler und Hermann Görings werden versteigert
Unterhosen, Röntgenbilder, Uniformjacken: Persönliche Gegenstände von Adolf Hitler (links) und Hermann Göring werden versteigert. FOTO: dpa / Fine Art Images
München. Bei einer umstrittenen Auktion werden am Samstag in München Devotionalien von NS-Größen wie Adolf Hitler und Hermann Göring versteigert. Münchens Oberbürgermeister fordert, dass die Veranstaltung abgesagt wird. Von Patrick Guyton

Die Stadt München steht vor einer gruselig anmutenden Versteigerung: An diesem Samstag sollen persönliche Gegenstände von NS-Größen wie Adolf Hitler und Hermann Göring in großem Stil und für zum Teil horrende Summen unter den Hammer kommen. Dazu zählt etwa eine Uniformjacke, die angeblich von Hitler stammt, der Startpreis liegt bei 30.000 Euro.

Weiter ist unter den 169 Versteigerungstiteln eine Messinghülse, in der Hermann Göring die Zyankali-Kapsel versteckt haben soll, mit der er sich am 15. Oktober 1945 kurz vor seiner Hinrichtung nach den Nürnberger Prozessen umgebracht hatte. Auch wird, so der Katalog des Auktionshauses Hermann Historica, eine "kräftige Unterhose" von Göring versteigert – Bundweite 114 Zentimeter, 500 Euro – , sowie verschiedene Teile der Stricke, mit denen NS-Größen wie Joachim von Ribbentrop, Julius Streicher oder Wilhelm Frick nach den Nürnberg-Urteilen gehängt worden waren (je 500 Euro). Angeboten werden auch der Richterhammer sowie Röntgenaufnahmen von Adolf Hitler und Untersuchungsberichte nach dem Attentat vom 20. Juli 1944. "Hitler und die Nazi-Granden – ein Blick in den Abgrund des Bösen" heißt der Katalog.

Charlotte Knobloch hält Vorgang für "geschmacklos"

Mittlerweile regt sich Kritik an der Devotionalien-Versteigerung. Charlotte Knobloch hält den Vorgang für "geschmacklos". Es bestehe die Gefahr, so die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, "dass die Gegenstände zu Trophäen für Neonazis und andere Antisemiten werden". Knobloch fordert eine rechtliche Prüfung, inwieweit die Auktion verboten werden kann. Bei der Kultusgemeinde hieß es, es müsse auch geprüft werden, "ob das unserer politischen Kultur entspricht" – nicht zuletzt angesichts von Hitlergruß und Reichskriegsflagge auf Fanmeilen bei der Fußball-Europameisterschaft.

Die Grünen-Landtagspolitikerin Katharina Schulze warnt: "So etwas zieht die rechte Szene an." Die Gegenstände dienten "der Verherrlichung der NS-Zeit und des Personenkultes". Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) appelliert an Hermann Historica, "die Auktion abzusagen und sich der Verantwortung, die eine Versteigerung derartiger Devotionalien mit sich bringt, bewusst zu werden". Auch das bayerische Wissenschaftsministerium sieht das Geschehen äußerst kritisch. "Das befriedigt eher die Sensationsgier, als dass es einem wissenschaftlichen Interesse dient", sagt ein Sprecher des Ministers Ludwig Spaenle (CSU).

Auf ein solches Interesse beruft sich aber das Auktionshaus. "Hermann Historica lehnt alle neonazistischen und nationalsozialistischen Strömungen strikt ab", heißt es in einer Mitteilung. Das Angebot richtet sich angeblich hauptsächlich an Museen und wissenschaftliche Einrichtungen. Potentielle Käufer müssen versichern, dass sie Gegenstände nur zu Zwecken der Wissenschaft, Forschung oder Lehre ersteigern. Den Handel mit NS-Devotionalien aus anderen Gründen verbietet das Strafgesetzbuch.

Aus einer Sammlung eines 2007 verstorbenen Mediziners

"Eine solche Versicherung ist natürlich Quatsch und nur der Rechtslage geschuldet", sagt hingegen Albert Feiber. Er ist beim Münchner Institut für Zeitgeschichte beschäftigt und verantwortlich für das Dokumentationszentrum Obersalzberg, wo Hitler und die NS-Führungsclique eine große Residenz hatten. "Für viele Käufer geht davon eine unverhohlene Faszination aus", so Feiber. Beim Handel mit Dingen dieser Art gebe es "eine Untergrundszene". Zu der Kundschaft gehörten auch "Scheichs und reiche US-Amerikaner".

Die Gegenstände der Münchner Auktion stammen laut Hermann Historica aus der Sammlung des 2007 verstorbenen US-Mediziners John K. Lattimer, dessen Tochter sie zur Versteigerung freigab. Lattimer war als junger Arzt bei den Nürnberger Prozessen für die medizinische Betreuung der Angeklagten zuständig. Offenbar hat er da ziemlich viel mitgehen lassen.

Hermann Historica ist bemüht, dass nicht zu viele Informationen von der Versteigerung an die Öffentlichkeit gelangen. Das Haus gewährt Journalisten keinen Zugang zur Vorbesichtigung und zur Auktion. Auch das Fotografieren und Filmen ist nicht gestattet, Hermann Historica werde "gegen widerrechtliche Veröffentlichungen vorgehen".

Quelle: RP
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