Kritiker gab es schon immer: Geimpft wird seit 1796
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 16.11.2009 - 21:14Düsseldorf (RP). Die Zahl der Infektionen mit dem Virus H1N1 nehmen rasant zu. Eine Impfung kann schützen. Doch Kritiker warnen vor den Nebenwirkungen. Die Ablehnung eines Impfschutzes und die Kritik am Verfahren ist dabei fast so alt wie die Impfstoffe, die Vakzine, selbst.
Für die Impfgegner ist es Wasser auf die Mühlen: Die Zahl der negativen Reaktionen auf das Vakzin Pandemrix nimmt zu. Das liegt indes auch daran, dass sich immer mehr Menschen impfen lassen. Trotzdem fühlen sich die Impfgegner in ihrer Meinung bestätigt. Und die gibt es schon fast so lange wie es Impfungen gibt: Der britische Landarzt Edward Jenner führte 1796 die erste Impfung weltweit durch, als er Lymphe aus den Geschwüren der für Menschen harmlosen Kuhpocken entnahm und sie einem acht Jahre alten Jungen injizierte. Das Kind war daraufhin immun gegen die sehr viel gefährlichere Variante der Pocken, die Menschen heimsuchte.
Pockenimpfung machte den Anfang
Fast 30 Prozent der Erkrankten starben im 18. Jahrhundert an der Infektion. Die Überlebenden waren oft von schweren Pockennarben gekennzeichnet. Nach Jenners Erfolg aber begann die erste große Impfkampagne. Zunächst in Großbritannien, bald aber auch in ganz Europa und den USA. Die Zahl der Pocken-Infektionen ging danach drastisch zurück.
Doch bald schon wurde dieser oft hoheitlich angeordnete "Impfwahn" kritisiert. Die Immunisierung sei ein gefährlicher Eingriff und würde öfter krank machen als heilen. Dieses Argument hatte damals einen realen Hintergrund: Bei dieser aus heutiger Sicht primitiven Form der Impfung konnten tatsächlich viele andere Krankheitserreger übertragen werden. Insbesondere wenn der behandelnde Arzt das Verfahren nicht gut genug beherrschte.
Es war ein Verdienst der Impfgegner von damals, dass die Impfungen und Methoden erheblich verbessert und dadurch sicherer wurden. Nach Jenners Erfolg ließ zudem die Idee der Immunisierung Wissenschaftler nicht mehr los: Man dachte, auf diesem Weg allen Krankheiten Einhalt gebieten zu können. Der Franzose Louis Pasteur entwickelte um 1864 zunächst die Keimtheorie, Robert Koch gelang der Nachweis des Tuberkulose-Erregers. 1880 wurde ein Impfstoff gegen Cholera hergestellt, 1884 gegen Tollwut, dann gegen Diphtherie und Tetanus und in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts folgte die Polio-Schutzimpfung.
Impfmüdigkeit macht sich breit
Wie vielen Menschen so das Leben gerettet wurde, lässt sich kaum abschätzen. Doch heute ist es undenkbar, dass fast ein Drittel aller Kinder vor dem fünften Geburtstag an einer Infektion sterben. Eine Statistik, die vor 100 Jahren in den USA noch galt. Die Zahl vieler Erkrankungen gingen durch die Impfkampagnen in Europa und Nordamerika drastisch zurück. Doch das hatte einen gegenteiligen Effekt: Je weniger Menschen sich infizierten, desto geringer wurde die Angst vor Infektionen.
Stattdessen wuchsen die Zweifel an Sinn der Impfungen, wie die US-Mediziner Alexandra Stern und Howard Makel in ihrer Arbeit über die Geschichte der Vakzine feststellten. Dabei profitieren die Gegner von der Impfung der breiten Masse: Wenn sich 85 bis 95 Prozent der Bevölkerung beispielsweise gegen Grippe immunisieren lassen, kann sich der Erreger kaum ausbreiten. Dadurch werden auch die geschützt, die sich nicht haben impfen lassen. Sie sehen das aber als Bestätigung ihrer Ablehnung.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







