Donald Klein war 16 Monate im Gefängnis: Genscher vermittelte bei Freilassung von Iran-Häftling
zuletzt aktualisiert: 13.03.2007 - 17:46München/Mainz (RPO). Der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher hat entscheidend an der Freilassung des im Iran inhaftierten Deutschen Donald Klein mitgewirkt. Klein wird den Iran wohl erst in einigen Tagen verlassen können, weil noch einige Formalitäten zu klären sind. Seine Freunde und Bekannten in der Heimat fiebern dem Wiedersehen entgegen.
Genscher habe sich auf Einladung seines früheren Ministerkollegen Ali Akbar Welajati Anfang März in Teheran aufgehalten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".
Während seiner Reise, die eng mit dem Auswärtigen Amt in Berlin abgestimmt gewesen sei, habe Genscher einen Brief von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) überbracht, mit dem Appell, Klein freizulassen. Genschers Büro habe die Informationen bestätigt. Welajati arbeitet heute als außenpolitischer Berater des geistlichen Führers Ayatollah Chamenei.
Es sollte nur ein harmloser Angeltrip werden: Als Donald Klein am 29. November 2005 in der Meerenge von Hormus zusammen mit seinem französischen Freund Stéphane Lherbier zu einem Segeltörn aufbrach, konnte er nicht ahnen, was für ein Alptraum auf ihn zukommen sollte. Die beiden Männer gerieten bei ihrem Ausflug in iranische Hoheitsgewässer und wurden festgenommen. Erst nach fast 16 Monaten Haft, zuletzt im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis, kam der Bildhauer aus dem pfälzischen Lambsheim jetzt endlich frei. Seine Frau Karin ist überglücklich.
Das Haus der Kleins in der 6.300 Einwohner zählenden Gemeinde nordwestlich von Ludwigshafen scheint am Tag nach der Freilassung am Dienstag verwaist: Die Rollläden bleiben unten, keine Menschenseele ist zu sehen, und auf dem Anrufbeantworter ertönt Karin Klein mit den Worten: "Guten Tag, hier ist die Bildhauerei Donald Klein in Lambsheim. Da ich für unsere Kunden unterwegs bin, ist das Büro zurzeit nicht besetzt."
Gerüchten zufolge dürfte sie eher schon auf dem Weg zu ihrem Mann nach Teheran gewesen sein. Noch befindet sich der 53-jährige Klein in der Obhut der dortigen deutschen Botschaft. Bis zu seiner in den nächsten Tagen erwarteten Rückkehr sind noch einige Formalitäten zu klären. Vor allem das iranische Ausreisevisum lässt angesichts des iranischen Neujahrsfests zunächst noch auf sich warten.
Festlicher Empfang im Angler-Vereinsheim
Wenn Klein schließlich nach 468 Tagen Haft nach Hause kommt, will ihm Lambsheim einen festlichen Empfang bereiten. "Wir überlegen, im Vereinsheim der Sportangler ein Wiedersehensfest zu feiern, doch zuerst müssen wir die Familie Klein fragen, ob sie das überhaupt möchte", betont Bürgermeister Erich Eisenbarth.
Er selbst sei erleichtert über die Freilassung, habe aber bisher noch nicht mit Kleins Frau sprechen können. "Sie geht nicht mehr ans Telefon", sagt Eisenbarth. "Vielleicht schottet sie sich vor der Öffentlichkeit ab, oder sie ist bereits auf dem Weg nach Teheran", spekuliert auch der Bürgermeister. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte Karin Klein am Montagabend noch am Telefon über die Ereignisse in Teheran informiert.
Wie Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Kurt Beck und Anwalt Klaus Kübler freut sich auch die Lambsheimer Verwaltungsangestellte Christine Gärtner-Thon über die glückliche Wendung. "Bei mir hat Donald Klein kurz vor seiner Reise in den Nahen Osten noch seinen Angelschein pflichtgemäß erneuern lassen. So gewissenhaft war er. Und deshalb glaube ich niemals, dass er sich auf iranisches Hoheitsgebiet verirrt hat", sagt sie.
Große Zufriedenheit herrscht auch am Lambsheimer See, wo der Anglerverein sein Domizil hat. Der Vereinsvorsitzende Horst Christmann hatte am Montagabend gegen 18.40 Uhr von Kleins Entlassung erfahren und umgehend den gesamten Vorstand informiert. "Er hat am Telefon sogar geweint vor Freude", erinnert sich Christmanns Stellvertreter Franz Groß. Und der Vereinsvorsitzende selbst freut sich: "Das ist für mich ein Glückstag, besser als ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl." Jeder im Ort sei froh, dass jetzt der Leidensweg des Bildhauers und seiner Familie endlich vorbei sei.
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