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Nach Absturz von Flug 4U9525
Wie über die Sicherheit an Bord diskutiert wird

Germanwings-Flug 4U9525: Wie über die Sicherheit an Bord diskutiert wird
Blick ins Cockpit eines Airbus A320. FOTO: dpa, sv
Düsseldorf. Die bisherigen Erkenntnisse zum Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich haben eine Debatte über mehr Flugsicherheit ausgelöst. Viele Airlines, auch die deutschen, führen eine Zwei-Personen-Regel in Cockpits ein. Diskutiert wird zudem über vermehrte psychologische Tests für Piloten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie könnte eine Zwei-Personen-Regel in Cockpits aussehen?

Ab sofort gilt für alle deutschen Airlines die Zwei-Personen-Regel. Kein Pilot soll sich also mehr allein im Cockpit aufhalten dürfen, wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft bereits am Donnerstag mitgeteilt hat. Auch bei der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA wird überlegt, eine solche Vorschrift herauszugeben. Der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer sagte: "Es darf niemals mehr eine Situation geben, wo im Cockpit nur eine Person sitzt." Es müsse eine verpflichtende weltweite Regelung für alle Airlines geben.

Was sagen die Gewerkschaften?

Zu der Zwei-Personen-Regel sagte der Chef der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation Ufo, Nicoley Baublies: "Wenn diese Vorgabe zu einem höheren Sicherheitsempfinden der Gäste führt, ist das ein positiver Effekt. Dann sollte das auch gemacht werden." Für notwendig hält er eine solche Regel aber nicht. Zudem hätte das Auswirkungen auf den Service an Bord. "Denn besonders auf kurzen Flügen ist es derzeit schon schwierig, alle Aufgaben an Bord zu erfüllen", sagte Baublies.

Die Vereinigung Cockpit begrüßt unterdessen die Entscheidung deutscher Airlines für die Zwei-Personen-Regel. "Wir dürfen jetzt aber keinen Generalverdacht gegenüber allen Besatzungsmitgliedern aufkommen lassen", sagte Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit.

Soll es nun mehr psychologische Tests für Piloten geben?

Die Entscheidung darüber liegt bei den Airlines und den flugmedizinischen Zentren. Sie sind dafür verantwortlich, die Piloten für flugtauglich zu erklären. Eine neue gesetzliche Regelung ist nicht geplant.

Ufo-Chef Baublies zeigte sich offen für eine Neuregelung. "Die Experten müssen sich jetzt genau anschauen, ob auch ein psychologischer Teil beim medizinischen Check für Piloten eingebaut wird", sagte Baublies. Sollten sie zu dem Ergebnis kommen, dass dieser notwendig sei, solle das auch umgesetzt werden. Eine Veranlassung dazu sehe er derzeit aber nicht.

Auf europäischer Ebene ist man ähnlich vorsichtig. Herbert Reul (CDU), Vizechef des EU-Verkehrsausschusses, sagte: "Es könnte sein, dass wir neben dem jährlichen medizinischen Test einen Extra-Psycho-Test für Piloten brauchen."

Wie kann sichergestellt werden, dass nur psychisch gesunde Piloten fliegen dürfen?

An der Regelung, dass Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber die Art ihrer Erkrankung grundsätzlich nicht mitteilen müssen, wird man nicht rütteln. Sie betrifft das Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer. Allerdings können die Arbeitgeber Mitarbeiter, die Verantwortung für Menschenleben übernehmen, auf ihre Tauglichkeit prüfen. Das heißt, die Verantwortung für solche Tests liegt bei den Unternehmen und den Aufsichtsbehörden. Tests können vom Gesetzgeber aber vorgeschrieben werden. Ein Lufthansa-Sprecher sagte, dass man nun eine Verschärfung der Eignungsprüfungen für die Pilotenausbildung erwäge.

Welche anderen technischen Maßnahmen werden diskutiert?

Der CDU-Verkehrspolitiker und Internetexperte Thomas Jarzombek fordert eine bessere internetbasierte Flugzeug-Bodenkontrolle, zu der auch Webcams in Flugzeugen gehören. "Wenn Flugzeuge künftig mit Internet ausgerüstet sind, sollten wir einen Kommunikationskanal zur Bodenkontrolle außerhalb des Cockpits einrichten", sagte Jarzombek. Die Bodenkontrolle solle per Online-Kamera ins Flugzeug schauen können. "Auch die Bodenkontrolle muss künftig in der Lage sein, Cockpit-Türen über das Internet von außen zu öffnen", sagte der Bundestagsabgeordnete.

Zudem schlug Jarzombek eine Änderung im Bereich der Flugsicherheit vor. "Wir brauchen unbedingt einen zweiten Spezialcode, mit dem sichergestellt wird, dass die Piloten die Cockpit-Tür jederzeit von außen öffnen können, wenn sie von innen blockiert ist." Die Katastrophe müsse dazu führen, "dass wir Verkehrspolitiker das gesamte Regelwerk der Flugsicherheit überprüfen und für die Zukunft an vielen Stellschrauben verändern".

Welche Vorschriften haben die Bahn und Busunternehmen?

Die Deutsche Bahn bittet ihre Lokführer alle drei Jahre zu einem medizinischen Test, der auch psychologische Elemente enthält. Ab einem Alter von 55 Jahren müssen Lokführer jährlich zum Test, bestätigte eine Sprecherin. Für Busfahrer gilt: Alle fünf Jahre müssten sie ihren Führerschein verlängern lassen und sich dabei einem Medizintest unterziehen. Die Bahn und der Verband Deutscher Busunternehmen betonen, die Regeln hätten sich bewährt. Verschärfungen seien nicht geplant.

(jd/mar/maxi/tor/qua)
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