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Germanwings-Flug am Mittwoch
Das ist der Kapitän, der ganz Deutschland rührte

Germanwings-Flug am Mittwoch: Dieser Kapitän rührte ganz Deutschland
Kapitän Woiton bei seiner Ansprache auf dem Flug von Hamburg nach Köln. FOTO: Screenshot WDR/ Aktuelle Stunde
Düsseldorf. Ein Germanwings-Kapitän wurde über Nacht zum Vorbild für Flugpersonal auf der ganzen Welt. Er hatte sich am Mittwoch vor dem Abflug seiner Maschine nach Köln an seine Passagiere gewandt und ihnen Mut gemacht. Jetzt kommt heraus: Sein Name ist Frank Woiton, und er ist auch schon mit Andreas L. geflogen. Von Tim Harpers

Frank Woiton ist ein erfahrener Pilot. Der Kapitän mit dem militärisch-strengen Kurzhaarschnitt und dem ernsten Gesichtsausdruck fliegt schon seit Jahren für die Lufthansa-Tochter Germanwings. Wetterbericht, Team-Briefing und technischer Check – der Ablauf vor dem Start ist für ihn längst zur Routine geworden. Normalerweise sitzt er im Cockpit und geht noch ein letztes Mal die Checkliste durch, wenn die Gäste an Bord kommen.  Am Mittwoch sah er sich jedoch gezwungen, es anders zu machen – einmal abzuweichen vom üblichen Ablauf.

Britta Englisch saß in der Maschine, die Woiton am Tag nach dem Unglück von Hamburg nach Köln steuern sollte, wie sie auf Facebook schrieb. Naturgemäß war die Frau mit einem mulmigen Bauchgefühl in das Flugzeug  gestiegen. Der Kapitän bewies in diesem Moment jedoch außergewöhnliches Einfühlungsvermögen und begrüßte jeden seiner Passagiere persönlich. In einer Anspache machte er seinen Gästen Mut und sicherte ihnen zu, sie sicher nach Hause zu bringen.

Britta Englisch verbreitete diese Geschichte dann via Facebook und machte den Flieger so über Nacht zum Helden für die Webgemeinde. Tausende Nutzer brachten in Kommentaren ihre Zustimmung zum Ausdruck.

FOTO: www.facebook.com/germanwings

Dass seine Aktion so hohe Wellen schlägt, erfuhr Woiton erst im Gespräch mit der "Welt". Der Vater von zwei Kindern hätte am Mittwoch eigentlich frei gehabt. Als er am Dienstagnachmittag aber mitbekam, dass mehrere Kollegen durch den Absturz so schwer belastet waren, dass sie nicht fliegen wollten, meldete er sich freiwillig: "Ich wollte die Kollegen entlasten", sagte er der Zeitung. Woiton hat die nötige Ruhe wegen seiner besonderen Ausbildung. Der Pilot flog bei der Marine Kampfjets, bevor er in die zivile Luftfahrt wechselte.

"An einem Tag wie diesem ist es wichtig, dass der Kapitän in der Tür steht", begründete er seine Entscheidung. "Ich habe darüber nachgedacht, 'was würde ich als Passagier jetzt gerne von dieser Crew hören?', und dann aus dem Stegreif das gesagt, was mir in den Sinn kam. Ich wollte, dass die Passagiere der Stimme aus dem Cockpit ein Gesicht zuordnen können, ihnen zeigen, dass ich auch ein Mensch bin."

Im Flugalltag ist die Katastrophe derzeit natürlich das alles bestimmende Thema. "Es war eine wahnsinnig bedrückte Stimmung in der Crew und unter den Passagieren", sagte Woiton der "Bild"-Zeitung. "Man konnte es in den Gesichtern lesen."

Sein außergewöhnliches Engagement hatte einen weiteren Hintergrund, von dem, als seine Geschichte um die Welt ging, noch niemand etwas ahnte. Er kannte den Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine. Er war selbst schon mit Andreas L. geflogen.

"Als ich mit ihm flog, erzählte er von seiner Ausbildung und wie glücklich er sei. Er sagte, dass er bald Langstrecke fliegen und Kapitän werden wollte. Er hat das Flugzeug sehr gut beherrscht, er hatte alles im Griff". Auffällig wirkte L. auf ihn nicht.

Er sei stolz, Pilot zu sein, sagte Woiton. "Gerade jetzt. Die Fluggäste und die Crew vertrauen mir ihr Leben an. Durch die unfassbare Tat dieses Mannes ist unendlich viel Vertrauen zerstört worden, das jetzt mühsam wieder aufgebaut werden muss."

 

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