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Germanwings-Maschine
Video soll die Sekunden vor dem Absturz zeigen

Ermittlungen im Fall Andreas L.
Ermittlungen im Fall Andreas L. FOTO: Federico Gambarini
Düsseldorf/Pontoise. Eine Woche nach dem Flugzeugabsturz werden die Einzelteile der Maschine in Labors in Kleinstarbeit analysiert. Auch Teile der Cockpit-Tür werden untersucht. Unterdessen ist am Dienstag ein angebliches Handy-Video aus dem Todesflieger aufgetaucht. Von D. Hüwel, S. Kunigkeit, D. Richters und C. Schwerdtfeger

Der Kontrast zum Chaos des Trümmerfeldes in den Alpen könnte kaum größer sein. In einem Laborraum hinter einer Luftschleuse füllt ein Mann im Schutzanzug mit den immer gleichen Handbewegungen Flüssigkeit aus Pipetten in Röhrchen. Wissenschaftliche Routinearbeit, die dafür sorgen soll, dass die Hinterbliebenen des Germanwings-Absturzes ihre Toten begraben können.

Im Kriminalinstitut der französischen Gendarmerie in Pontoise analysieren Experten die DNA der Leichenteile, die am Unglücksort gefunden wurden. Die Ermittler haben die Bergung der Opfer beendet. Am Absturzort gebe es keine Leichen mehr, teilte die Gendarmerie am Dienstag mit. Die Experten hoffen, alle Passagiere ausfindig machen zu können. Dies sei aber angesichts der Wucht des Aufpralls unklar.

Bei dem wohl absichtlich durch den Copiloten herbeigeführten Absturz der Germanwings-Maschine waren vor einer Woche 150 Menschen ums Leben gekommen. Das Flugzeug war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. Die meisten Todesopfer stammen aus NRW, darunter auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus dem westfälischen Haltern am See. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der Pilot zum Zeitpunkt der Katastrophe aus dem Cockpit ausgesperrt war.

Fotos: Gedenkgottesdienst in Digne-les-Bains FOTO: dpa, mpc

Ein Passagier hat offenbar die letzten Sekunden bis zum Absturz mit seinem Handy gefilmt. Von den Szenen an Bord während des Sinkfluges soll eine kurze Filmsequenz existieren. Die "Bild" und ein französisches Magazin konnten sich die Aufnahmen nach eigenen Angaben ansehen.

Demnach sollen auf dem Video mehrfach laute Schreie und Rufe in verschiedenen Sprachen zu hören sein. Gegen Ende der Aufnahme soll zu erkennen sein, wie ein Teil des Flugzeugs einen Berg berührt. Das Video soll Gegenstand der Ermittlungen sein. Es wurde offenbar auf dem noch lesbaren Speicherchip des Handys gefunden.

Der Vertreter der Gendarmerie, Jean-Marc Ménichini, bestritt die Angaben in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN. Die Ermittler hätten die am Absturzort gefundenen Handys noch nicht ausgewertet. Die Geräte würden im Zuge weiterer Untersuchungen an ein spezialisiertes Institut in Rosny-sous-Bois bei Paris geschickt.

Germanwings-Absturz: Trauergottesdienst in Düsseldorf FOTO: Bretz, Andreas

Der Copilot soll zuvor den Sinkflug eingeleitet haben. Die französische Untersuchungsbehörde BEA bemüht sich nach eigenen Angaben um "eine genaue technische Beschreibung des Flugverlaufes". Dazu stützt sie sich auf eine Analyse der Aufnahmen des gefundenen Stimmenrekorders und andere bekannte Flugdaten. Nach der zweiten Blackbox, dem Flugdatenschreiber, wird noch gesucht.

Bei der Analyse des Absturzes konzentriert sich BEA auch auf die Funktionsweise der Cockpit-Tür. Sie sei "von besonderem Interesse", teilte die Einrichtung für die Sicherheit der zivilen Luftfahrt in Paris mit. Die "Logik der Verriegelungssysteme" solle analysiert werden. Auch die Verfahren beim Betreten und Verlassen des Cockpits würden untersucht, um Schwachstellen zu erkennen, die zu der Katastrophe geführt haben könnten.

Fotos: Absturz: So gefährlich ist die Bergung der Leichen FOTO: afp, ACP/tsc

Die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf hält daran fest, keine Zwischenergebnisse zu verkünden. Das geschehe mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Angehörigen, insbesondere auch der Angehörigen des Copiloten Andreas L., sagte der ermittelnde Staatsanwalt Christoph Kumpa. Er verwies darauf, dass bisher nicht alle Zeugen vernehmungsfähig seien und bat um Geduld. Es lägen mehrere Krankenakten verschiedener Ärzte vor, bei denen L. in Behandlung gewesen sei und die unterschiedliche Diagnosen gestellt hätten. Außerdem müsse der beschlagnahmte Computer ausgewertet werden. Es lägen schriftliche Hinweise vor, hinzu kämen Zeugenaussagen. "Das alles muss mir vorliegen und abgeglichen werden, bevor ich es bewerten kann", sagt Kumpa.

Unterdessen verwies die NRW-Staatskanzlei darauf, dass die Entschädigungsfrage in diesem Fall - anders als nach der Loveparade-Katastrophe 2010 in Duisburg - eindeutiger sei: Es sei davon auszugehen, dass Germanwings die Angehörigen angemessen entschädigen werde, hieß es auf Anfrage unserer Redaktion. "Vor diesem Hintergrund sehen wir derzeit keine Notwendigkeit weiterer Hilfen durch das Land", teilte die Staatskanzlei mit.

Für die jetzt zu Tode gekommenen Schüler übernehme die Unfallkasse NRW die Überführungskosten. Außerdem sorge die Unfallkasse ebenso wie die Trauma-Ambulanz der beiden Landschaftsverbände für die psychologische Betreuung der Hinterbliebenen.

Quelle: RP
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