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Nachrichtenprotokoll
Zentrale Trauerfeier im Kölner Dom

Germanwings: Zentrale Trauerfeier im Kölner Dom
Der Kölner Dom. Hier findet die zentrale Trauerfeier statt. FOTO: dpa
Exklusiv | Düsseldorf. Drei Tage nach dem Absturz von Germanwings-Flug 4U9525 werden die Hintergründe der Tat nur langsam etwas klarer. Auch über den Co-Piloten kommen Details nur langsam ans Licht. Der Termin für die zentrale Trauerfeier steht fest. Die Entwicklungen des Tages im Nachrichtenprotokoll. Von J. Conrady, R. Moya, D. Schülbe und C. Sieben
  • Co-Pilot soll eineinhalb Jahre in Behandlung gewesen sein
  • Co-Pilot war am Absturztag krankgeschrieben
  • Keine steigende Zahl von Stornierungen
  • Trauerfeier im Kölner Dom

+++ 21 .35 Uhr: Die zentrale Gedenkfeier für die Opfer des Germanwings-Absturzes soll nach Informationen unserer Redaktion am 17. April stattfinden. Die Feier soll um 12 Uhr im Kölner Dom beginnen. Bereits am Freitag gab es Gedenkgottesdienste in Düsseldorf und in Haltern für die 150 Toten.

+++ 20 Uhr: Hinterbliebene der Opfer des Germanwings-Absturzes sollen nach Unternehmensangaben eine finanzielle Überbrückungshilfe bekommen. Eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte am Freitag einen entsprechenden "Tagesspiegel"-Bericht. "Lufthansa zahlt bis zu 50.000 Euro pro Passagier zur Deckung unmittelbarer Ausgaben", zitierte die Zeitung einen Germanwings-Sprecher.

+++ 19.36 Uhr: Andreas L. kannte die Absturzregion Berichten zufolge gut. Dies sagten Mitglieder seines Fliegervereins. "Andreas hat an einem Training in Alpes-de-Haute-Provence mit meiner Nichte, die eine gute Freundin von ihm war, teilgenommen", sagte ein Vereinsmitglied der Zeitung "Le Parisien". Er sei besessen von den Alpen gewesen.

+++ 18.34 Uhr: In der St. Lambertus-Basilika in Düsseldorf wird an diesem Abend den Opfern des Flugzeugabsturzes in Frankreich gedacht. Zum Gottesdienst sind bereits Oberbürgermeister Thomas Geisel mit seinem Referent Fabian Zachel erschienen, Verkehrsdezernent Stephan Keller sowie Bürgermeister Friedrich Conzen. Die Kirche ist bereits gefüllt. Gekommen sind auch die Bürgermeister Karen-Jungen und Klaudia Zepuntke.

+++ 18.00 Uhr: Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine treten bei der Fluggesellschaft kaum mehr Passagiere von ihren Flügen zurück als sonst. Die Zahl der Stornierungen sei nicht signifikant gestiegen, teilte ein Germanwings-Sprecher am Freitag auf Anfrage mit. Auch Air Berlin, Condor, Lufthansa und TuiFly verzeichnen nach dem Absturz des Fluges 4U 9525 nicht mehr Stornierungen, wie das Handelsblatt (Online-Ausgabe) berichtet. Allerdings seien die Nachfragen besorgter Fluggäste gestiegen.

+++ 17.50 Uhr: Nach Informationen von "Focus Online" bestellte Andreas L. wenige Wochen vor seinem Tod noch zwei neue Audi-Fahrzeuge. Einer sei für sich gedacht gewesen, der andere für seine Freundin.

+++ 17.04 Uhr: Germanwings lag nach eigenen Angaben keine Krankschreibung des Copiloten vor. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor mitgeteilt, dass der 27-Jährige am Unglückstag eigentlich krankgeschrieben war. Wenn der Copilot die Krankschreibung nicht von sich aus beim Arbeitgeber eingereicht habe, habe Germanwings davon keine Kenntnis bekommen können, sagte ein Sprecher am Freitag. Das sei wie bei anderen Berufen auch.

+++ 16.14 Uhr: Das Verfahren der Staatsanwaltschaft in Marseille nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich läuft unverändert. Die Ermittlungen seien bisher nicht zum Vorwurf der vorsätzlichen Tötung erweitert worden, sagte der zuständige Staatsanwalt Brice Robin der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Nach dem Unglück hatte die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet.

+++ 15.20 Uhr: Nach Informationen unserer Redaktion war der Co-Pilot nicht wegen eines seelischen, sondern wegen eines körperlichen Leidens zur Abklärung in der Uni-Klinik.

+++ 15.16 Uhr: Das Universitätsklinikum Düsseldorf teilt mit, dass der Co-Pilot im Februar 2015 und zuletzt am 10. März 2015 als Patient im Universitätsklinikum Düsseldorf vorstellig geworden ist. Es handelte sich um diagnostische Abklärungen. Einzelheiten unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht, stellt die Klinik klar. Die Krankenakten werden heute der ermittelnden Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben.
"Wir möchten unsere Betroffenheit, unser Entsetzen und unsere Fassungslosigkeit über das Unglück zum Ausdruck bringen. Wir werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nachdrücklich und vorbehaltlos unterstützen. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der in den Tod gerissenen Opfer der Flugzeugkatastrophe", sagt Prof. Dr. Klaus Höffken, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKD.

+++ 14.48 Uhr: In der Debatte über eine mögliche psychische Erkrankung des Germanwings-Piloten Andreas L., der den Absturz der Passagiermaschine am Dienstag vorsätzlich herbeigeführt haben soll, lehnt die Lufthansa eine eigene Verantwortung ab und verweist stattdessen auf das Luftfahrtbundesamt (LBA). Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty sagte unserer Redaktion: "Die Beurteilung der flugmedizinischen Tauglichkeit von Piloten liegt nicht bei der jeweiligen Fluggesellschaft, sondern beim Luftfahrtbundesamt."

+++ 14.33 Uhr: Der Vorsitzende der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation, Nicoley Baublies, hat sich offen für eine Neuregelung der Medizin-Checks für Piloten gezeigt. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Baublies: "Die Experten müssen sich jetzt genau anschauen, ob auch ein psychologischer Teil beim medizinischen Check für Piloten einbaut wird." Sollten sie zu dem Ergebnis kommen, dass dieser notwendig sei, sollte das auch umgesetzt werden. "Allerdings sehen wir dafür aus Ufo-Sicht derzeit keinerlei Veranlassung dafür." Die Anforderungen bei der Piloten-Auswahl seien schon heute extrem hoch. "Die Kollegen in der Kabine gehen deshalb auch nicht mit einem schlechten Gefühl an Bord. Bei dem Vorfall vom Dienstag handelt es sich nach jetzigem Kenntnisstand um einen Einzelfall", sagte Baublies.

+++ 13.49 Uhr: Der CDU-Verkehrspolitiker Thomas Jarzombek hat eine bessere internetbasierte Flugzeug-Bodenkontrolle gefordert, zu der auch Web-Cams in den Flugzeugen gehören. "Wenn Flugzeuge künftig mit Internet ausgerüstet sind, sollten wir einen Kommunikationskanal zur Bodenkontrolle außerhalb des Cockpits einrichten", sagte Jarzombek unserer Redaktion. "Die Bodenkontrolle sollte durch Internet-Kameras ins Flugzeug schauen können", sagte der Düsseldorfer CDU-Bundestagsabgeordnete. "Auch die Bodenkontrolle muss künftig in der Lage sein, Cockpit-Türen über das Internet von außen zu öffnen", sagte Jarzombek. Zudem schlug Jarzombek einen zweiten Spezialcode für Cockpit-Türen vor. "Wir brauchen unbedingt einen zweiten Spezialcode, mit dem sichergestellt wird, dass die Piloten die Cockpit-Tür jederzeit von außen öffnen können, wenn sie von innen blockiert ist", sagte Jarzombek. "Die Katastrophe muss dazu führen, dass wir Verkehrspolitiker das gesamte Regelwerk der Flugsicherheit überprüfen und für die Zukunft an vielen Stellschrauben drehen."  

+++ 13.46 Uhr: EU-Behörden über neue Empfehlungen für die Besetzung des Cockpits nach. EU-Mitarbeiter erklärten am Freitag in Brüssel, sie berieten mit der Branche und den nationalen Regierungen darüber. Derzeit würden kurzfristige Maßnahmen geprüft, hieß es. "Wir sprechen über die Zahl der Personen im Cockpit." Es werde ermittelt, ob neue Empfehlungen angemessen und machbar seien.

+++ 13.28 Uhr: Die deutschen Airlines führen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein. Die deutschen Fluggesellschaften unter dem Dach des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hätten sich diesbezüglich beraten und mit dem Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur und dem Luftfahrt-Bundesamt abgestimmt, heißt es in einer Mitteilung. 

+++ 13.06 Uhr: Wegen des Absturzes droht dem Mutterkonzern Lufthansa eine Schadenersatzzahlung in zweistelliger Millionenhöhe. "Die Lufthansa wird den Angehörigen der Opfer Schadenersatz in insgesamt niedriger zweistelliger Millionenhöhe zahlen müssen", sagte Elmar Giemulla, Professor für Luftfahrtrecht an der TU Berlin, unserer Redaktion. 

+++ 12.34 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat in der Wohnung des Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine auch eine zerrissene Krankschreibung für den Absturztag gefunden. Das teilte die Behörde in einer Pressemitteilung mit.

+++ 12.33 Uhr: Der Bürgermeister von Montabaur, der Heimatstadt des Co-Piloten, hat sich entsetzt über die Katastrophe und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe gezeigt. "Wir hier in Montabaur sind tief betroffen", sagte Edmund Schaaf (CDU). Der Absturz sei eine "schreckliche Tragödie". Zu den Vorwürfen gegen Andreas L., er habe das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht, "können und wollen wir keine Stellungnahme abgeben", hob Schaaf hervor. Er verwies dazu auf die Ermittlungsbehörden.

+++ 12.02 Uhr: Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will sich noch heute zum Stand der Ermittlungen äußern. Die Düsseldorfer Polizei kündigte für die Behörde eine schriftliche Mitteilung an. Britische Medienberichte über einen "entscheidenden Fund" in den Unterlagen des Germanwings-Copiloten stufte die Polizei als sprachliches Missverständnis ein. Einem englischen Journalisten habe man wie zuvor deutschen Journalisten bestätigt, dass bei den Durchsuchungen "Beweismittel sichergestellt" worden seien. Dies sei aber nach deutschem Verständnis neutral für alle beschlagnahmten Gegenstände gemeint, nicht im Sinne eines entscheidenden Beweises. Berichte vom Fund eines Abschiedsbriefes wurden ebenfalls zurückgewiesen: "Niemand hat irgendetwas von einem Abschiedsbrief gesagt", sagte ein Polizeisprecher. "Die Sachen müssen erst ausgewertet werden."

+++ 11.57 Uhr: Angehörige der Absturzopfer sind derweil in der Nacht wieder in Düsseldorf gelandet. Die Hinterbliebenen der Passagiere und der Crew seien getrennt mit Flugzeugen von Lufthansa sowie Germanwings zurückgekehrt, bestätigte ein Sprecher des Flughafens.

+++ 11.56 Uhr: Die Ermittler in der Nähe von Seyne-les-Alpes konzentrierten sich zudem auf die möglichst schnelle Identifizierung der 150 Opfer des Absturzes. Mehrere Familienangehörige hatten bei ihrem Besuch in der Unglücksregion am Donnerstag DNA-Proben abgegeben. Ein Sprecher der Polizei sagte vor Ort, zunächst würden die "biologischen Elemente" gesammelt und dann erst die Trümmer des A320. 

+++ 11.54 Uhr: Der französische Ministerpräsident Manuel Valls hat Lufthansa aufgefordert, alle Informationen über den Co-Piloten zur Verfügung zu stellen. Nur so könne man versuchen nachzuvollziehen, wie dieser Pilot dazu gekommen sei, diese schreckliche Tat auszuführen, sagte Valls dem französischen Sender iTele am Freitag. 

+++ 11.50 Uhr: Aus Rücksicht auf die Opfe fällt heute Abend die "heute-show" im Zweiten aus. Darauf haben sich Oliver Welke und das ZDF verständigt, wie der Sender mitteilte. "Die "heute-show" ist ein Wochenrückblick. Und auf diese Woche satirisch zurückzublicken, ist unserer Meinung nach nicht angebracht", wird Welke zitiert. Auch Jan Böhmermanns Satiresendung "Neo Magazin Royale" in der Nacht zum Samstag wurde aus dem Programm genommen. Es war zuvor auch bei ZDFneo nicht über den Sender gegangen. Allerdings ist es im Netz verfügbar.

+++ 11.02 Uhr: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat die geplanten Konsequenzen der großen deutschen Fluggesellschaften aus dem Germanwings-Absturz begrüßt. "Das Vier-Augen-Prinzip im Cockpit ist eine richtige Überlegung", sagte Dobrindt der Deutschen Presse-Agentur. 

+++ 11.01 Uhr: Der Vizepräsident des Deutschen Fliegerarztverbands, Uwe Beiderwellen, hält psychologische Tests bei jeder Routineuntersuchung von Piloten für überzogen. In der Regel müssten sie alle zwölf Monate zu einer körperlichen Untersuchung. "Das ist ein rein internistischer Check-up, wobei auf dem Fragebogen, den die Piloten vorher ausfüllen müssen, natürlich auch nach dem psychischen Befinden der Piloten gefragt wird", sagte Beiderwellen am Freitag dem SWR. Es sei schwierig, psychische Störungen vorherzusagen: Ein Pilot könne bei einem jährlichen Test völlig gesund und gut drauf sein; einen Monate später könne eine Trennung oder der Tod der Eltern die Situation ändern. "Und wie wollen Sie das vorhersagen, vier Wochen vorher?", fragte der Experte. 

+++ 10.50 Uhr: Der französische Pilotenverband SNPL will im Zusammenhang mit den Ermittlungen Anzeige wegen Verrats von Berufsgeheimnissen erstatten. Grund sind Berichte der "New York Times", die Informationen auf Basis des Stimmrekorders noch vor der Pressekonferenz des Staatsanwaltes verbreitet hatte. Das bedeute, dass es eine undichte Stelle gegeben habe, sagte der Präsident der Vereinigung, Eric Derivry. Deswegen habe der Verband beschlossen, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten.

+++ 10.40 Uhr: Inzwischen ist Bundespräsident Gauck in Haltern. Dort will er auch mit Angehörigen und Freunden der Opfer sprechen.

+++ 10.39 Uhr: Zum geplanten Betreuungszentrum sagte Germanwings in Köln, es solle an diesem Samstagin der Nähe des Absturzortes des Fluges 4U 9525 eröffnet werden. Derzeit würden noch Betreuer rekrutiert. "In diesen dunklen Stunden gilt unsere ganze Aufmerksamkeit der emotionalen Betreuung der Angehörigen und Freunde der Opfer von Flug 9525", erklärte Germanwings-Chef Thomas Winkelmann laut einer Mitteilung. "Das Leid, das diese Katastrophe verursacht hat, ist unermesslich. Dafür gibt es keine Worte und keinen Trost."

+++ 10.28 Uhr: Weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft wollten sich zu einem Bericht von "Spiegel Online" äußern, wonach in der Düsseldorfer Wohnung Hinweise auf eine psychische Erkrankung des 27-Jährigen gefunden worden seien. "Wir machen keine Zwischenangaben zum Stand der Ermittlungen", erklärte die Staatsanwaltschaft. "Wir haben verschiedene Dinge mitgenommen, und die werten wir jetzt aus", sagte ein Sprecher der Polizei Düsseldorf. Details nannte er nicht. 

+++ 10 Uhr: Germanwings zur Betreuung der Angehörigen in Frankreich:

+++ 9.54 Uhr: Bei der Suche nach der Absturzursache müssen nach den Worten von Premierminister Manuel Valls alle Optionen verfolgt werden. Derzeit deute alles auf einen Vorsatz hin, sagte der Regierungschef dem Sender iTele. "Im Prinzip kann aber keine Möglichkeit ausgeschlossen werden." Angehörige und Freunde der Opfer hätten ein Recht auf Wahrheit. Es sei Sache der Justiz, der deutschen Ermittler und auch von Lufthansa, alles aufzudecken.

+++ 9.47 Uhr: Der Bundesrat hat seine Sitzung am Morgen mit einer Gedenkminute für die Opfer des Absturzes begonnen. "Wir sind zutiefst betroffen und erschüttert über dieses tragische Unglück", sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) als Bundesratspräsident vor der Länderkammer. "Wir können den Schmerz der Angehörigen und Freunde nicht lindern, aber wir sind in Gedanken bei ihnen und fühlen mit."

+++ 9.40 Uhr: In Haltern wird es am Joseph-König-Gymnasium heute zwei Trauerfeiern für die ums Leben gekommenen Schüler und Lehrerinnen geben. Die Schüler der Stufen 8 bis 12 treffen sich um zehn Uhr in der Pfarrkirche St. Sixtus, für die jüngeren Schüler wird es nach Auskunft der Schulleitung eine Feier in der Schule geben. Bei beiden Feiern ist die Öffentlichkeit nicht zugelassen.  

+++ 9.32 Uhr: Inzwischen hat das Bundespräsidialamt bestätigt, dass Joachim Gauck am Vormittag Haltern besuchen wird.

+++ 9.30 Uhr: Auch die lettische Fluggesellschaft Air Baltic will eine Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen. Künftig darf kein Pilot während des Fluges mehr allein im Cockpit sein, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag im lettischen Fernsehen. "Wenn einer der Piloten die Kabine verlässt, wird einer der Flugbegleiter ins Cockpit gehen." Australien prüft ebenfalls die Regeln für die Cockpit-Besetzung. Die Regierung habe von den australischen Fluglinien Information zu ihren Abläufen im Cockpit angefordert, berichtete die Nachrichtenagentur AAP. Australien wolle sicherstellen, das Fliegen auch weiterhin die sicherste Transportmethode bleibe, sagte Regierungschef Tony Abbot. 

+++ 9.12 Uhr: Bei der Durchsuchung der Düsseldorfer Wohnung von Andreas L. seien "diverse Gegenstände und Papiere" beschlagnahmt worden, die nun ausgewertet werden müssten, sagte ein Sprecher der Polizei Düsseldorf am Freitag. Ob das letztlich den Beweis für die Hintergründe des Flugzeugabsturzes erbringen werde, "muss sich zeigen". Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, die in Deutschland die Ermittlungen in dem Fall führt, hatte bereits erklärt, die Auswertung der Beweismittel werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

+++ 9.10 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck besucht nach dpa-Informationen die Stadt Haltern. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus sicherer Quelle in Berlin erfuhr, wird das Staatsoberhaupt gegen 10 Uhr in der Stadt erwartet, um mit den Bürgern zu trauern und seine Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Er wird demnach von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) begleitet. 

+++ 8.47 Uhr: Der CDU-Verkehrsexperte Oliver Wittke hat sich für die Einführung eines "Vier-Augen-Prinzips" im Cockpit ausgesprochen und sieht dabei die EU in der Verantwortung. "Da sind jetzt die europäischen Behörden gefordert. Das können wir nicht im nationalen Alleingang regeln", sagte Wittke am Freitag im ARD-Morgenmagazin. Das Mitglied des Verkehrsausschusses begrüßte die Entscheidung, dass sich deutsche Luftfahrtunternehmen nach dem Absturz eines Germanwings-Flugzeugs mit 150 Toten zu einem "Vier-Augen-Prinzip" im Cockpit verpflichten wollen. Man müsse aus der schlimmen Tragödie lernen. 

+++ 8.36 Uhr: Nach Informationen des "Spiegel" haben die Ermittler Hinweise auf eine psychischische Erkrankung gefunden. Die Hinweise wurden dem Bericht zufolg bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung von Andreas L. in Düsseldorf gefunden. "Bild" berichtet unter Berufung auf Lufthansa-Kreise, L. sei während seiner Ausbildung an der Lufthansa Flight School im US-Bundesstaat Arizona zeitweise als "flugunfähig" gelistet worden. Er habe sich eineinhalb Jahre lang in psychiatrischer Behandlung befunden. 2009 sei bei ihm eine "abgeklungene schwere depressive Episode" diagnostiziert worden.

+++ 7.48 Uhr: Die Bergungsarbeiten am Ort des Airbus-Wracks in den französischen Alpen sind in den vierten Tag gegangen. Die ersten Hubschrauber starteten am Morgen in Richtung Tête de l'Estrop – hinter diesem Gipfel war die Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings am Dienstag zerschellt. Die Aufmerksamkeit der Einsatzkräfte gilt besonders der Suche nach dem zweiten Flugschreiber, der weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit vor dem Absturz liefern könnte. 

+++ 6.30 Uhr: Von dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ist indirekt auch Schlagersänger Jürgen Drews betroffen. "Ein Mädchen aus dem Freundeskreis meiner Tochter Joelina saß in der Germanwings-Maschine und ist verunglückt", sagte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". "Plötzlich sind solche Tragödien ganz nah, spielen sich nicht mehr irgendwo in Malaysia ab." Drews lebt mit seiner Familie rund zehn Kilometer von Haltern am See entfernt. Dort kamen auch die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen her, die zusammen mit den 150 Todesopfern ums Leben kamen. "Ich bin die Strecke schon unendlich oft geflogen", sagte Drews der Zeitung. "Da bekommt man wirklich Gänsehaut."

+++ 6.22 Uhr: Am Absturzort in den französischen Alpen geht am Freitag die Bergung der Opfer weiter. Über Nacht wurde die Suche eingestellt.

+++ 6.14 Uhr: Vor dem Hintergrund des Dramas um die in Frankreich abgestürzte Germanwings-Maschine hat die UNO regelmäßige medizinische Spezialtests von Piloten gefordert. Diese Untersuchungen müssten sowohl die psychische als auch die körperliche Fitness der Piloten prüfen, erklärte die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO).

+++ 6.10 Uhr: Nach den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft gegen den Co-Piloten des verunglückten Germanwings-Fluges suchen die Ermittler nach einem Motiv. "Wir haben keine Ahnung über den Grund", sagte der Staatsanwalt Brice Robin aus Marseille, nachdem er die Schlüsse der Ermittler präsentiert hatte, die sie aus den finalen Minuten vor dem Absturz gezogen hatten. Die Absicht des Kopiloten sei gewesen, "das Flugzeug zu zerstören". Terrorismus wird ausgeschlossen. Die Ermittlungen fokussieren sich auf das persönliche, familiäre und berufliche Umfeld des Mannes.

+++ 5.50 Uhr: Der ausgesperrte Pilot der verunglückten Germanwings-Maschine hat einem Bericht zufolge offenbar wenige Minuten vor dem Aufprall noch versucht, die Tür zum Cockpit mit einer Axt zu öffnen. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, nutzte er dafür eine an Bord befindliche Notfall-Axt, um in das geschlossene Cockpit zurückzugelangen. "Zu der Sicherheitsausrüstung eines A320 gehört auch eine Axt", sagte eine Germanwings-Sprecherin der Zeitung. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA waren die Cockpit-Türen in Flugzeugen massiv verstärkt und mit einem Code versehen worden, um unbefugtes Personal fernzuhalten. Bis dahin war es möglich, die Türen im Notfall mit der Axt einzuschlagen.

Lesen Sie hier das Nachrichtenprotokoll vom Donnerstag.

 

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