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  Foto: AP, AP
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Mord an 50-Jährigen in München: Geschäftsmann bezahlt Zivilcourage mit Leben

VON RALF ISERMANN, AFP - zuletzt aktualisiert: 13.09.2009 - 15:43

München (RPO). Wäre alles gut gegangen, hätte er sich einen Preis für Zivilcourage verdient: Als Beschützer von Kindern, dessen Verhalten sich durch Verantwortungsbewusstsein auszeichnet. Doch das vorbildliche Einschreiten eines 50-jährigen Münchners gegen zwei 17 und 18 Jahre alte Jugendliche führte zum Gewaltrausch. Die politische Debatte ist entbrannt.

Das Drama um den Geschäftsmann begann am Samstag gegen 15.45 Uhr am S-Bahnhof Donnersberger Brücke in München. Dort bekam er mit, wie drei Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren auf vier Teenager einredeten. Die Älteren wollten von den 13- bis 15-Jährigen Geld erpressen, um etwa 15 Euro soll es gegangen sein. Der Mann, über dessen Identität sich die Polizei mit Rücksicht auf die Angehörigen ausschweigt, ging dazwischen. Er wies die Erpresser zurecht, bot den Teenagern Schutz an und alarmierte die Polizei.

Doch als zehn Minuten später eine Streife am S-Bahnhof Donnersberger Brücke ankam, saßen sowohl zwei der drei Angreifer als auch der Geschäftsmann und die Teenager schon in der S7 Richtung Wolfratshausen. Der 50-Jährige hatte den verängstigten Kindern angeboten, sie unter seinen Schutz zu nehmen und bis zu seinem Zielbahnhof Solln mitzunehmen.

Als die S-Bahn nach zehnminütiger Fahrt in Solln ankam, eskalierte die Situation, wie Zeugen später der Polizei berichteten. Zunächst versuchten der 17- und der 18-Jährige, die vier Kinder anzugreifen, was der 50-Jährige abwehren konnte. Dann nahmen sie sich den Verteidiger vor. Zuerst prügelten sie mit Fäusten so lange auf ihn ein, bis er zu Boden ging. Dann schlugen und traten sie vor den Augen von vier entsetzten Kindern auf ihr wehrloses Opfer ein. "Die haben den gestiefelt", sagte ein Polizist - durch die Tritte gegen den Kopf verlor der Mann noch auf dem Bahnsteig das Bewusstsein. Wenige Stunden später starb der 50-Jährige im Krankenhaus.

Gegenüber der Polizei verweigerten die zwei Jugendlichen jede Aussage. Beide sind vorbestraft, haben bereits Anwälte und kennen ihre Rechte. Doch nach stundenlangen Zeugenvernehmungen ist Staatsanwalt Laurent Lafleur sicher, dass das einzige Motiv der beiden Rache für das mutige Einschreiten des Geschäftsmanns war. Wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen beantragte Lafleur deshalb Haftbefehl.

Am Nachmittag nahm die Polizei einen dritten Verdächtigen fest. Der 17-Jährige sei zwar offenbar nicht bei dem tödlichen Angriff auf den 50-Jährigen dabei gewesen, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem "Münchner Merkur". Er sei aber an der vorangegangenen Auseinandersetzung im Zug beteiligt gewesen.

Jenseits des persönlichen Dramas für den Mann und seine Familie zeigte sich rasch, dass dieser Fall eine weitere Dimension hat. Direkt am Sonntagvormittag schaltete sich Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) ein. Merk sagte zwar: "Heute möchte ich keine überstürzten Forderungen verkünden".

Dennoch forderte die derzeit von Wahlkampfveranstaltung zu Wahlkampfveranstaltung reisende Ministerin, auch an S-Bahnhöfen die Videoüberwachung so auszubauen, wie es in U-Bahnen inzwischen üblich ist. Und außerdem sollten 18- bis 21-Jährige grundsätzlich wie Erwachsene bestraft werden - derzeit können sie auch nach dem milderen Jugendstrafrecht bestraft werden.

Wird auch dieser Fall damit ein Wahlkampfthema? Ende 2007 hatte die Attacke der Münchner U-Bahnschläger, die kurz vor Weihnachten einen Rentner fast zu Tode getreten hatten, dem hessischen Landtagswahlkampf im Endspurt Schärfe gebracht. Vorsorglich wies Staatsanwalt Lafleur deshalb darauf hin, dass es anders als damals diesmal keinen Migrationshintergrund gibt - beide Täter sind gebürtige Münchner.

Schwer wiegt für die Ermittler das verheerende Signal des Falls auf ihre Präventionsprogramme. Denn der Geschäftsmann verhielt sich genau so, wie es den Menschen in Kursen zur Zivilcourage beigebracht wird: Er war besonnen, zurückhaltend, alarmierte direkt die Polizei - und musste dennoch sterben. Polizeisprecher Wolfgang Wenger sagte: "Das Schlimmste, was jetzt passieren könnte, ist, dass die Botschaft heißt, misch' dich nicht mehr ein. Wir sagen ganz klar: Misch' dich ein." Doch der Rückschlag für den zähen Kampf um mehr Zivilcourage ist unübersehbar.

Quelle: AFP/fb

 
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