Prozess gegen mutmaßlichen Kinderschänder in Dresden: Geständnis hinter verschlossenen Türen
zuletzt aktualisiert: 09.12.2008 - 12:28Dresden (RPO). Vor Gericht steht ein Mann, der per Massengentest als Kinderschänder überführt wurde. Die Öffentlichkeit ist in dem Prozess kurz nach Verlesung der Anklageschrift ausgeschlossen worden. Die Jugendkammer des Dresdner Landgerichts unter Vorsitz von Richterin Michaela Kessler begründete dies am Dienstag mit den schutzwürdigen Interessen der Opfer und des Angeklagten.
Sie folgte damit einem Antrag der Verteidigung. Der 33-jährige Angeklagte kündigte zuvor über seinen Anwalt ein umfassendes und "sehr ausführliches" Geständnis an. Der Mann hatte bereits nach seiner Festnahme die Taten gestanden.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Lastwagenfahrer aus Dresden vor, Ende 2005 und Anfang 2006 zwei neun und elf Jahre alte Mädchen entführt, vergewaltigt und ausgesetzt zu haben. Die Polizei war ihm mit Hilfe des größten DNA-Reihentests in der deutschen Kriminalgeschichte auf die Spur gekommen. Dabei gaben bis zur Festnahme im Frühsommer mehr als 14.000 Männer in und um Dresden freiwillig Speichelproben ab, darunter auch der Angeklagte. Notfalls sollten bis zu 130.000 Männer darum gebeten werden.
Den Massengentest hatte die Polizei Mitte 2006 gestartet, weil sie bei der Fahndung nicht weiterkam und ein weiteres Verbrechen befürchtet wurde. Der Triebtäter hatte in beiden Fällen verwertbare DNA-Spuren zurückgelassen. Zudem waren sich die Ermittler aufgrund der Angaben der beiden Opfer sicher, dass es sich um einen Ortskundigen handelt. Der Anklage zufolge überfiel er die ihm völlig unbekannten Kinder auf offener Straße. Er habe sich in beiden Fällen entschlossen, "bei nächster Gelegenheit" ein Mädchen zu entführen.
Täter drohte, Mädchen zu töten
Als die Kinder um Hilfe riefen, hielt er ihnen den Mund zu. Die Elfjährige brachte er nur wenige Meter vor deren elterlicher Wohnung in seine Gewalt und hielt ihr dazu einen Schraubendreher an den Hals. Wie es hieß, stieß er die Mädchen in beiden Fällen in sein Auto, verriegelte die Türen und drohte damit, sie umzubringen, sollten sie sich widersetzen. Mit den verängstigten Kindern fuhr er zu abgelegenen Waldstücken außerhalb von Dresden und missbrauchte sie dort.
Nach den Taten setzte er die Mädchen jeweils am Straßenrand aus. Die Neunjährige musste wegen der erlittenen Verletzungen mehrere Tage stationär behandelt werden.
Verantworten muss sich der bislang nicht einschlägig Vorbestrafte wegen schweren Kindesmissbrauchs, Vergewaltigung und Körperverletzung. Der Angeklagte zeigte während der Verlesung der Anklageschrift keine äußere Regung. Wegen der eindeutigen Beweislage wird ein kurzer Prozess erwartet. Geladen sind lediglich zwei Zeugen aus dem Landeskriminalamt (LKA), die am Nachmittag vernommen werden sollen.
Vor den Plädoyers, die für Mittwoch erwartet werden, wird auch noch der psychiatrische Sachverständige seine Stellungnahme abgeben. Nach seinem vorläufigen Gutachten ist der Angeklagte voll schuldfähig. Das Urteil soll am Donnerstag gesprochen werden.
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