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Gina-Lisa Lohfink
Dschungel-Pläne haben nichts mit dem Prozess zu tun

Der dritte Verhandlungstag im Lohfink-Prozess
Der dritte Verhandlungstag im Lohfink-Prozess FOTO: dpa, wk tmk
Meinung | Düsseldorf. Vor Gericht kämpft Ex-Topmodelkandidatin Gina-Lisa Lohfink um ihre Glaubwürdigkeit. Da ist das Gerücht um ihre Dschungelcamp-Teilnahme Munition für ihre Gegner. Dabei sollte genau das keine Rolle spielen.  Von Franziska Hein

Kaum ist das Gerücht um eine mögliche Dschungelcamp-Teilnahme von Gina-Lisa Lohfink in der Welt, überschüttet das Netz sie mit Häme. Viele Kommentare sind gehässig und geschmacklos, zielen darauf ab, dass Lohfink die Bekanntheit durch den Gerichtsprozess nutze, um ihre Karriere als TV-Sternchen zu fördern.  

Der Hohn ist ein Resultat zahlreicher Vorurteile, die die Öffentlichkeit gegen Lohfink hegt. Dabei ist ihre Teilnahme bei dem RTL-Format nicht einmal offiziell bestätigt.  

Die Reaktionen zeigen vor allem, dass Gina-Lisa Lohfink ein Glaubwürdigkeitsproblem hat: Ihre augenblickliche Bekanntheit verdankt sie einem Gerichtsverfahren, das derzeit vor einem Berliner Amtsgericht gegen sie geführt wird. Sie steht vor Gericht, weil sie zwei Männer fälschlich beschuldigt haben soll, sie mit K.o.-Tropfen betäubt und anschließend vergewaltigt zu haben. Lohfink beteuert jedoch immer wieder, zum Sex genötigt worden zu sein. Fälle wie der von Gina-Lisa Lohfink sind Alltag in deutschen Gerichtssälen. Es kommt häufig vor, dass Aussage gegen Aussage steht. 

Anders als für Juristen scheint für Teile der Öffentlichkeit schon klar, dass Lohfink gelogen hat. Ihre Gegner halten es anscheinend nicht für möglich, dass eine Frau mit ihrem Image, die auch für sehr freizügige Auftritte bekannt ist, Opfer einer Vergewaltigung werden kann. Ihre Unterstützer sagen jedoch: Nur weil sich das Erotikmodel vorher und nachher immer wieder freiwillig ausgezogen hat und sich ein freizügiges Image zugelegt hat, muss die Vergewaltigung nicht erfunden sein. Diese Haltung hat auch die politische Debatte über die Reform des Sexualstrafrechts angetrieben, die unter dem Schlagwort "Nein heißt Nein" geführt wurde: Nein heißt nein - egal, was die betreffende Person vorher gesagt oder getan hat. 

Ihre Kritiker kreiden Lohfink die mögliche Teilnahme am Dschungelcamp 2017 an, als sei dies der Beweis für ihre Lügen. Dabei macht Lohfink nur ihren Job. Eine Teilnahme würde zur Marke "Gina-Lisa" passen. Mit Auftritten im Privat-TV hat Lohfink ihr Geld verdient und wird es vermutlich auch in Zukunft verdienen. Das ist ihr Geschäftsmodell. Und das ist ebenfalls Teil des Geschäftsmodells von RTL. Darüber kann man sich aufregen. Es bringt aber nichts. 

Das Dschungelcamp hat nichts mit dem Prozess gegen Lohfink zu tun

Das alles hat nichts mit dem Prozess gegen Lohfink zu tun. Sollte sie Dschungelcamp-Kandidatin sein, änderte das nichts an der Möglichkeit, dass sie Opfer eines Sexualverbrechens geworden ist. Die inszenierte Realität des Fernsehens hat mit der Realität vor Gericht nichts gemein. Selbst wenn Lohfink von dieser Inszenierung finanziell profitieren sollte, hat sie ein Recht auf ein faires Urteil. Das Image darf im Gerichtssaal keine Rolle spielen, ganz gleich, wie befangen die Öffentlichkeit ist. Was sie beruflich, möglicherweise auch im Dschungelcamp, tut – ist irrelevant.

(heif)
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