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Umfrage an Hochschulen
Glauben muslimische Studenten wirklich nicht an die Evolution?

Umfrage an Hochschulen: Glauben muslimische Studenten wirklich nicht an die Evolution?
Muslima im Unterricht (Symbolbild). FOTO: dpa
Gießen. Eine Studie der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung sorgt für Aufregung in den sozialen Medien: Demnach sollen muslimische Lehramtsstudenten die Evolutionslehre mehrheitlich ablehnen. Doch stimmt das wirklich?

Rund 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten (und -studentinnen) in Deutschland sollen der Studie zufolge die Evolutionstheorie ablehnen, fast 60 Prozent bestreiten, dass sich der Mensch vor Millionen Jahren aus affenartigen Vorfahren entwickelte. Das teilte die zur religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung gehördende Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) am Montag auf ihrer Internetseite mit.

Nachricht verbreitet sich rasch in den sozialen Netzwerken 

Michael Schmidt-Salomon, der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, bewertete das Ergebis als "katastrophal". "Wenn mehr als zwei Drittel der Muslime, die später einmal in den deutschen Schuldienst gehen sollen, zentrale Aussagen der Evolutionstheorie ablehnen, ist dies eine bildungspolitische Katastrophe, die wir nicht hinnehmen dürfen", lässt sich Salomon auf der Internetseite der Stiftung zitieren.

Wer religiös so voreingenommen sei, dass er nicht einmal die "hunderttausendfach belegte Tatsache der Evolution" akzeptieren könne, habe den akademischen Grad nicht verdient, so der Vorstandssprecher weiter. 

Auswertung lässt Zweifel zu

Doch bei genauerem Hinsehen liegen Zweifel an der Belastbarkeit der Daten nahe. So sind die Umfrageergebnisse nicht etwa aktuell; sie sind vielmehr bis zu neun Jahre alt. So befragten Forscher 2007 Lehramts-Erstsemester aller Fächer in Dortmund und in Ankara. 2009 wurde die Datengrundlage mit Antworten von Lehramtsstudenten der Unis Hildesheim, Siegen und Dortmund ergänzt.

Nun seien die Daten neu analysiert worden, heißt es bei den Forschern. Dabei sei der Zusammenhang zwischen Religionszugehörigkeit und Akzeptanz der Evolution noch einmal neu ermittelt worden. Nach Religionszugehörigkeit hatte die Erhebung jedoch auch schon 2007 und 2009 unterschieden.  

Problematisch ist möglicherweise auch die Zahl der befragten Studierenden. Die Antworten von 1045 Personen wurden laut fowid bei der Untersuchung im Jahr 2009 ausgewertet. Evangelisch waren den Daten zufolge 408 befragte Studenten, weitere 411 katholisch, 119 Personen gehörten keiner Konfession an, 27 rechneten sich einer freikirchlichen Organisation zu. Übrig blieben lediglich 39 Muslime - auf deren Antworten stützt sich die Angabe, wonach  rund 70 Prozent der muslimischen Lehramts-Studierenden in Deutschland die Evolutionslehre ablehnen. 

Verfechter des "Evolutionären Humanismus"

Die 2004 gegründete religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung wurde öffentlich vor allem für ihren Namensgeber Giordano Bruno kritisiert. Der italienische Priester Giordano Bruno gilt unter Historikern als Judenhasser und Frauenfeind.

Die Stiftung hat sich nach eigener Auffassung der Lehre des evolutionären Humanismus nach dem britischen Philosoph und Biologen Julian Huxley verschrieben, die eine Ethik jenseits  von Religion bieten soll.  

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