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Nach Anschlag in Manchester
Sicherheitskonzept bei "Rock am Ring" soll verschärft werden

GNTM-Finale 2017: Arena in Oberhausen verspricht "größtmöglichen Schutz"
Camping-Gelände bei "Rock am Ring" (Archiv) FOTO: dpa, tfr hpl
Düsseldorf. Veranstalter in Deutschland ziehen unterschiedliche Konsequenzen aus dem Anschlag in Manchester: Die Arena in Oberhausen sieht vor dem GNTM-Finale keinen Grund, ihr Sicherheitskonzept zu überarbeiten. Für "Rock am Ring" sollen die Maßnahmen hingegen verschärft werden. Von Markus Werning und Vera Kämper

Die vorgesehenen Maßnahmen für das Finale von "Germany's Next Topmodel" am kommenden Donnerstag seien "schon auf einem hohen Standard", sagte ein Sprecher der Arena in Oberhausen auf Anfrage unserer Redaktion. Nach dem Anschlag in Manchester gebe es keinen Grund, sie zu überarbeiten. "Wir haben volles Vertrauen in unser Sicherheitskonzept."

Bei dem Terroranschlag am Montagabend wurde in Manchester das Publikum eines Popkonzerts angegriffen. 22 Menschen wurden getötet, 59 weitere wurden verletzt. Die Polizei nahm unterdessen in Chorlton, einem Stadtteil von Manchester, einen 23-Jährigen fest, der mit der Tat in Verbindung stehen soll. Die Terrororganisation Islamischer Staat reklamierte den Anschlag für sich. (Verfolgen Sie hier die Ereignisse im Liveblog.)

Der Sprecher der Arena in Oberhausen erklärte, Besucher und Mitarbeiter würden "in einem größtmöglichen Umfang" vor möglichen Anschlägen geschützt. Auch GNTM-Sender ProSieben versicherte: "Es gibt ein umfangreiches Sicherheitskonzept zum Finale." Sie könne aber keine näheren Angaben machen, weil sie sonst das Konzept verrate, sagte eine Sprecherin des Senders.

"100-prozentige Sicherheit kann es niemals geben"

"Allerdings ist auch völlig klar, dass es eine 100-prozentige Sicherheit niemals geben kann. Weder bei dem Besuch einer Veranstaltungshalle, eines Weihnachtsmarkts oder einem sonstigen Gang in die Öffentlichkeit", ergänzte der Arena-Sprecher. Er erinnerte aber daran, dass "der Anschlag in Manchester nicht in der Arena, sondern vor der Arena in einem öffentlichen Bereich stattgefunden" habe.

Am Donnerstag wird in Oberhausen "Germany's next Topmodel" gekürt. 2015 war das Finale nach einer Bombendrohung abgebrochen worden – während der Live-Sendung aus der SAP-Arena in Mannheim. Die Halle wurde anschließend vorsichtshalber evakuiert. Die Bombendrohung stellte sich aber als Fehlalarm heraus.

Obama und Merkel auf dem Kirchentag

Die Veranstalter des evangelischen Kirchentags wollen ihr Sicherheitskonzept ebenfalls nicht überarbeiten, da es bereits für die Herausforderungen der Hauptstadt entwickelt und mit Blick auf den Kirchentag im vergangenen Jahr angepasst worden sei. "Berlin ist natürlich anders als Stuttgart. Berlin ist eine Großstadt, in der es bereits zu einem Anschlag gekommen ist", sagte ein Sprecher des Kirchentages unserer Redaktion. Im Dezember war der islamistische Terrorist  Anis Amri mit einem LKW auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast, zwölf Menschen wurden getötet. "Deshalb haben wir bereits Sondermaßnahmen wie Taschenkontrollen eingeplant."

Man stehe jedoch in ständigem Austausch mit den Sicherheitsbehörden in Berlin: "Uns wurde mitgeteilt, dass es derzeit keine Anzeichen für eine aktuelle Terrorgefahr gibt", sagte der Sprecher. "Aber wir bleiben natürlich in engem Kontakt." Der Kirchentag erwartet am Donnerstag hohen Besuch: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama wird um 11 Uhr am Brandenburger Tor mit Kanzlerin Angela Merkel über Demokratie sprechen, eine öffentliche, frei zugängliche Veranstaltung. Obama selbst bringe zur Veranstaltung zusätzlich seinen eigenen Personenschutz mit, sagte der Sprecher weiter.

Ähnlich klingt die Reaktion des Deutschen Fußball-Bunds: Der DFB wird seine Sicherheitsvorkehrungen zum Pokalfinale am kommenden Samstag in Berlin nicht erhöhen: Diese befänden sich "seit vielen Jahren auf einem sehr hohen Niveau, auch im internationalen Vergleich", hieß es aus der DFB-Pressestelle. Man stimme sich ganzjährig mit den Berliner Behörden, der Polizei sowie den Sicherheits- und Ordnungsdiensten ab. "In diesen permanenten Austausch fließt selbstverständlich auch die Bewertung der Finalpaarung und die generelle Sicherheitslage in Deutschland ein." In der Halbzeitpause tritt Schlagerstar Helene Fischer auf.

Auch die Veranstalter der Grugahalle betonten auf Anfrage, dass sie ihr Sicherheitskonzept kontinuierlich mit den Behörden abstimmten.

Metalldetektoren bei Depeche-Mode-Konzerten

Der Konzert- und Festivalveranstalter  "Live Nation" (unter anderem "Rock am Ring") kündigte dagegen an, dass "wir die bereits bestehenden Maßnahmen zum Schutz unserer Veranstaltungen angesichts der latenten Bedrohung in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und der Polizei weiter anpassen". Besucher von Konzerten und Festivals wurden gebeten, "auf nicht unbedingt erforderliche Gegenstände, Utensilien und Behältnisse aller Art zu verzichten". "Live Nation" empfahl außerdem, früher zu den Konzerten und Festivals zu kommen, weil intensive Körperkontrollen geplant seien.

Die Firma organisiert unter anderem das Zwillingsfestival "Rock am Ring" und "Rock im Park". Sie sollte auch das Konzert von Ariana Grande in Frankfurt veranstalten, das für den 3. Juni geplant war. Angaben dazu machte "Live Nation" am Dienstag nicht. 

Am Montag, also vor dem Anschlag in Manchester, hatte das Unternehmen bereits "verstärkte Sicherheitsmaßnahmen" bei allen Konzerten der Gruppe "Depeche Mode" in Deutschland angekündigt. "So werden Metalldetektoren eingesetzt und Bodychecks vorgenommen." Das Mitbringen von größeren Taschen, Handtaschen, Rucksäcke sowie Helmen sei verboten. "Damenhandtaschen bis zu einer Größe von DIN A4 werden nach händischer Überprüfung zugelassen."

Kontrollen vor Udo-Lindenberg-Konzert

Auch in Düsseldorf wurde der Anschlag aufmerksam verfolgt. "Der Terrorakt zeigt, dass wir mit unserer Wachsamkeit, unserem Einsatz für die Unversehrtheit unserer Veranstaltungsgäste nicht nachlassen dürfen", sagt Hilmar Guckert, Geschäftsführer der Düsseldorfer Congress & Event Gesellschaft, die das ISS Dome betreibt. Besucher des Udo-Lindenberg-Konzerts am Mittwoch zum Beispiel "müssen sich auf umfangreiche Kontrollen einstellen", ergänzte Sicherheitsmanager Ralf Zimme. Taschen über DIN-A4-Größe seien in der Halle nicht erlaubt. 

"Die Anschläge der vergangenen Monate und Jahre führen zu immer neuen Bewertungen und Modifikationen in unseren Vorgehensweisen", sagte Zimme weiter. Die Sicherheitskonzepte würden "ständig angepasst".

Veranstalter prüfen weitere Schritte

Auch die Veranstalter des "Moers Festival" prüfen nach eigenen Angaben zusätzliche Kontrollen der Besucher. Zwar habe sich die Bedrohungslage für die Veranstaltung am Niederrhein nicht geändert, sagte Festival-Geschäftsführer Claus Arndt. Nach einem Ereignis wie dem Anschlag in Manchester denke man aber zwangsläufig darüber nach, ob weitere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich seien. Die Veranstalter würden aber nicht in Aktionismus verfallen, sondern in Ruhe mit den Sicherheitsbehörden vor Ort über die notwendigen Schritte sprechen. Das Festival findet vom 2. bis zum 5. Juni statt.

Dagegen ließ der Veranstalter des Festivals "Ruhr in Love" zunächst offen, ob die Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden. Erst wenn die Hintergründe des Anschlags in Manchester aufgeklärt seien, "werden wir gemeinsam mit den hier zuständigen Sicherheitsbehörden analysieren, ob sich daraus für uns Konsequenzen ableiten", teilte das Unternehmen I-Motion auf Anfrage unserer Redaktion mit. "Alles andere wäre purer Aktionismus, der niemandem helfen würde, geschweige denn irgendetwas verhindern würde", sagte Geschäftsführer Oliver Vordemvenne. "Ruhr in Love" findet am 1. Juli im OlgaPark in Oberhausen statt. 

Ähnlich äußerte sich der Veranstalter des Festivals "Parookaville" vom 21. bis zum 23. Juli in Weeze. Mitveranstalter Bernd Dicks teilte mit: "Selbstverständlich werden wir zu gegebener Zeit die dann vorliegenden Fakten sichten und bewerten, wie wir es in der Vergangenheit immer getan haben, um ein höchstmögliches Maß an Sicherheit unserer Veranstaltung zu gewährleisten."

 
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