Bombay: Gocher Paar starben in Café
VON JÜRGEN LOOSEN - zuletzt aktualisiert: 03.12.2008 - 07:40Bombay/Goch (RP). Das beim Terror-Anschlag in der indischen Metropole Bombay ums Leben gekommene Rentner-Ehepaar aus dem niederrheinischen Örtchen Pfalzdorf bei Goch (wir berichteten gestern) ist nur durch einen tragischen Zufall in die Schusslinie der Gewalttäter geraten – und zwar nicht im Luxus-Hotel „Taj Mahal“, in dem auch der deutsche Medien-Unternehmer Ralph Burkei aus München starb, sondern in dem Touristen-Café „Leopold‘s Café & Bar“.
Urlauber hatten schon ausgecheckt
Wie gestern einige Freunde des 68 Jahre alt gewordenen pensionierten Luftwaffen-Oberstleutnants Jürgen S. und seiner Gattin Daphne unserer Zeitung erzählten, hatten die beiden pensionierten Weltenbummler ihren Indien-Urlaub nämlich eigentlich schon beendet. Sie hatten das Hotel bereits verlassen und wollten die Koffer am Flughafen abliefern, um in der Nacht nach Düsseldorf heim zu kehren. Wegen der langen Wartezeit am Airport entschieden sich die Niederrheiner aber, noch einmal mit dem Taxi in die Stadt zurückzufahren. Sie wollten sich mit einem Kaffee in dem bei Touristen beliebten Café „Leopold‘s Restaurant“ vom Urlaub im Geburtsland der Engländerin Daphne, die als Tochter eines britischen Offiziers in Indien geboren worden war, verabschieden.
Genau in den Minuten, als sie an einem Tisch im Café Platz genommen hatten, schlugen die Attentäter mit unglaublicher Brutalität zu, stürmten schwer bewaffnet das Lokal und erschossen alle Europäer und Amerikaner. In dem Kugelhagel wurde auch der ehemalige Oberstleutnant der Luftwaffen-Radarstation im niederrheinischen Uedem, der von Bundeswehrfreunden als „besonders umsichtig und auf Sicherheit bedacht“ geschildert wird, von mehreren Schüssen getroffen. Auch seine Ehefrau, die bis vor fünf Jahren als Lehrerin für Callanetics und Aerobic in einem Freizeitcenter beschäftigt war, wurde getroffen. Beide erlagen wohl noch im Lokal ihren Verletzungen.
Freund benachrichtigte den Sohn
Am nächsten Tag wartete ein Freund aus dem Bundeswehr-Pensionärskreis vergeblich am Flughafen Düsseldorf und alarmierte den in Süddeutschland lebenden einzigen Sohn des Paars. Aber auch der hatte keine Verbindung mehr zu seinen Eltern und konnte auch über das Auswärtige Amt nichts in Erfahrung bringen. Bekannt wurde das Schicksal der Pfalzdorfer erst, als der in Florida lebende britische Bruder von Daphne auf dem amerikanischen Nachrichtensender CNN Bilder seiner toten Schwester und seines Schwagers sah und seinem Neffen die traurige Botschaft überbrachte.
Wann das Ehepaar nach Deutschland überführt wird, ist weiter ungewiss.
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