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Messerattacke an S-Bahnhof Grafing
Keine Hinweise auf islamistischen Hintergrund

Tödlicher Messerangriff in Grafing bei München
Tödlicher Messerangriff in Grafing bei München FOTO: dpa, kne fpt
Ebersberg. Nach der Messerattacke an einem S-Bahnhof in Grafing gehen die Ermittler nicht mehr von einem islamistischen Hintergrund aus. Der Angreifer soll psychische Probleme haben. Der Mann hatte am frühen Morgen vier Menschen verletzt, eines der Opfer starb.

In einer Pressekonferenz mit der Vizepräsidentin des Bayerischen Landeskriminalamtes, Petra Sandles, und dem zuständigen Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich wurde erklärt, dass der Angreifer ein 27-jähriger Mann aus dem Raum Gießen ist. Er sei bislang polizeilich unbekannt gewesen.

An der Schuldfähigkeit gibt es Heidenreich zufolge Zweifel. Die Aussagen des Mannes bei den bisherigen Vernehmungen seien "verwirrend" gewesen. Ermittler berichteten, der Festgenommene zeige sich bei den Vernehmungen bisher völlig unkooperativ. Er soll am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Schneller Zugriff der Polizei

Um 4.52 Uhr sei der erste Notruf einer männlichen Person eingegangen. Mehrere Polizeiwagen seien auf den Weg geschickt worden, ein erster Wagen sei 5.04 Uhr vor Ort gewesen. Um 5.07 Uhr habe der Täter sich widerstandslos festnehmen lassen. Er hatte das Messer den Angaben zufolge noch im Gürtel. Der Täter habe keine Schuhe getragen. Ermittler sagten, der Festgenommene zeige sich bei den Vernehmungen bisher völlig unkooperativ. 

56-Jähriger starb im Krankenhaus

Der Angreifer hatte zuvor wahllos um sich gestochen und dabei vier Menschen zum Teil schwer verletzt. Alle Opfer sind Deutsche. Ein Mann starb kurze Zeit nach dem Angriff an den Folgen seiner schweren Verletzungen im Krankenhaus. Bei dem Opfer handelt sich um einen 56-Jährigen aus Wasserburg im Landkreis Rosenheim.

"Der Täter hat Äußerungen am Tatort getätigt, die auf eine politische Motivation schließen lassen", sagte Heidenreich. Daher war geprüft worden, ob es sich um eine Tat mit islamistischem Hintergrund handeln könnte. Hinweise darauf gibt es laut Heidenreich aber nicht.

Weder aus dem Staatsschutzbereich noch von Nachrichtendiensten gebe es Hinweise darauf, dass der Täter "in irgendeiner Form" Bezüge zu islamistischen, salafistischen Gruppierungen oder Personen gehabt habe, teilte auch Kriminaldirektor Lothar Köhler vom bayerischen Landeskriminalamt mit.

Derweil sieht der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt keine Möglichkeit, die Bevölkerung gänzlich vor Messerattacken wie der in Grafing zu schützen. "Wir können nicht auf jeden Bahnhof rund um die Uhr Polizisten stellen", sagte Wendt unserer Redaktion. Im Fall von Grafing lobte er die Arbeit der Polizei: "Der Täter ist schnell festgenommen und verhört worden. Besser geht es nicht", sagte Wendt.

(csi/felt/tak/das/afp/dpa)
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