Giftig und krebserregend: Greenpeace: Händler in Süddeutschland verkaufen illegale Pestizide
zuletzt aktualisiert: 28.11.2006 - 19:00Berlin (RPO). Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft Händlern in Süddeutschland vor, verbotene Pestizide zu verkaufen. Abnehmer seien Bauern, die die Mittel illegal auf Obst und Gemüse verspritzten. Die Pestizide sind nach Angaben von Greenpeace giftig, krebserregend und könnten die Fortpflanzung und das Hormonsystem schädigen.
"Die Kunden der Gifthändler sind skrupellose Bauern, die die Pestizide illegal auf Obst oder Gemüse verspritzen", sagte Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace, am Dienstag in Berlin. Vier Anbieter gehörten zum Raiffeisen-Verband. Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) wies derweil den Vorwurf zurück, sein Ministerium habe Hinweise auf den Verkauf von verbotenen Pestiziden ignoriert.
Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) bestätigte, dass es sich um vier eigenständige Unternehmen handele, die Mitglied im DRV seien. Diese Firmen "werden das Fehlverhalten konsequent verfolgen und ahnden", betonte DRV-Generalsekretär Rolf Meyer in Berlin. Er wies "jegliche pauschalen Schuldzuweisungen" zurück. Krautter kritisierte dagegen, dass Raiffeisen "massiv in die kriminellen Machenschaften verstrickt sei".
Greenpeace habe seinem Ministerium erst am Mittag den konkreten Sachverhalt ihrer Untersuchung mitgeteilt, sagte Hauk. Daraufhin seien umgehend die zuständigen Behörden informiert worden. Die einzelnen Fälle müssten aufgeklärt werden. Er sehe dies nicht als "Kavaliersdelikt". Allerdings sehe das Land keinen Anlass, mit nicht-staatlichen Organisationen bei staatlichen Kontrollen zusammenzuarbeiten. Hauk warnte vor Panikmache. Nach Angaben von Greenpeace hatte das Ministerium bereits zuvor eine Zusammenarbeit abgelehnt. Das Problem sei schon lange bekannt gewesen.
Die 38 von Greenpeace sicher gestellten Spritzmittelpackungen enthielten elf in Deutschland und drei auch EU-weit verbotene Wirkstoffe. Die Umweltorganisation hat nach eigenen Angaben gegen die elf Händler Anzeige wegen Verstoßes gegen das Pflanzenschutzgesetz und des Verdachts auf Steuerhinterziehung erstattet. Martin Hofstetter von Greenpeace sagte, bei der großen Zahl aufgedeckter Fälle im südwestdeutschen Raum handele es sich vermutlich nur um die "Spitze des Eisbergs". Die Umweltschützer gehen davon aus, dass es das Problem auch in Norddeutschland und den neuen Bundesländern gebe.
Die Händler hätten an Umweltschützer insgesamt etwa 100 Kilogramm Pestizide wie Bifenthrin, Malathion und Diethion, die entweder in Deutschland nie zugelassen waren oder seit vielen Jahren verboten seien, verkauft. Krautter betonte: "Wir sind entsetzt, dass es ganze Händler-Netzwerke gibt, die stark giftige, krebserregende, die Fortpflanzung und das Hormonsystem schädigende Mittel vertreiben." Rückstände solcher Mittel würden immer wieder von Greenpeace und Kontrollbehörden in Lebensmitteln deutscher Herkunft nachgewiesen.
Greenpeace will die eingekauften Pestizide am Freitag Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) übergeben. Die Umweltschutzorganisation fordert verstärkte Kontrollen und wirksame Strafen beim Verkauf oder Einsatz illegaler Spritzmittel wie der Entzug der Handels- beziehungsweise Produktionserlaubnis oder die Streichung von Agrarsubventionen.
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