Beck schließt fremdenfeindlichen Anschlag aus: "Größtes Brandereignis nach dem Krieg"
zuletzt aktualisiert: 04.02.2008 - 15:24Ludwigshafen (RPO). Auch am Tag nach dem Brand eines Hauses in Ludwigshafen sucht die Feuerwehr weiter nach Opfern. Die Oberbürgermeisterin Eva Lohse spricht von dem "größten Brandereignis in der Geschichte Ludwigshafens nach dem Krieg". Laut Kurt Beck ist das Feuer nicht auf ein Verschulden Dritter rückzuführen.
Damit lasse sich auch ein fremdenfeindlicher Anschlag auf das von zwei türkischen Familien bewohnte Haus ausschließen, so der SPD-Politiker. Dort machte sich Beck, der dafür den traditionellen Besuch des Mainzer Rosenmontagszugs absagte, selbst ein Bild von der Feuerkatastrophe. Bei dem Brand am Sonntag sind mindestens neun Menschen ums Leben gekommen, darunter vermutlich fünf Kinder. Rund 60 Personen wurden verletzt.
Auch am Tag nach dem großen Feuer ziehen noch dicke Rauchschwaden aus drei Fenstern des Eckhauses am Danziger Platz 32 in Ludwigshafen. Über dem verkohlten Dachstuhl des einsturzgefährdeten Hauses befinden sich zwei Feuerwehrleute in einer Gondel und suchen nach weiteren Toten. Oberbürgermeisterin Eva Lohse sprach von dem "größten Brandereignis in der Geschichte Ludwigshafen nach dem Krieg".
Um 16.21 am Sonntag war die erste Brandmeldung an die Feuerwehr gegangen. Das Inferno, das mindestens neun türkische Hausbewohner das Leben kostete, war da schon in vollem Gange.
Es muss rasend schnell gegangen sein. Bereits "unmittelbar nach Brandausbruch" habe das Haus in Flammen gestanden, sagte Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) am Montag in Ludwigshafen. Sie sprach von dem "größten Brandereignis in der Geschichte Ludwigshafen nach dem Krieg". Die Alarmierung sei "unmittelbar nach dem Fastnachtsumzug der Stadt" eingegangen, berichtete Lohse.
Die Zahl der Opfer könne sich noch erhöhen. Wegen der Einsturzgefahr hätten die Rettungskräfte das vierstöckige Haus noch nicht vollständig durchsuchen können, sagte Lohse. "Es ist daher nicht definitiv gesichert, dass es bei den derzeit neun Toten bleibt", sagte die Oberbürgermeisterin. Den Karneval in Ludwigshafen erklärte sie für beendet. Alle weiteren Faschingsfeiern seien bereits abgesagt.
Die Ursache für das Feuer ist noch nicht bekannt. Lohse sagte, es sei derzeit auch unklar, "wie es so schnell brennen konnte". Sie selbst sei kurz nach der Nachricht vom Brand vor Ort gewesen. Dort hätten sich dramatische Szenen abgespielt. Polizeibeamte hätten Kinder aufgefangen, "die aus dem 3. Stock geworfen wurden".
Alle Toten wurden im 3. Obergeschoss gefunden. Eine Frau starb den Angaben zufolge an einer Sprungverletzung. Zur Frage, ob ein Brandanschlag auszuschließen sei, wollten sich weder Lohse noch Feuerwehr und Polizei äußern. Der leitende Notarzt Albrecht Reinecke berichtete, ein Kind habe erzählt, "es hätte einen lauten Knall gegeben". Inzwischen hat eine 50-köpfige Sonderkommission die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.
Das Haus wird nach Angaben der Feuerwehr ausschließlich von Menschen türkischer Nationalität bewohnt. Insgesamt seien dort 24 Bewohner polizeilich gemeldet, die sich auf drei Familien aufteilten. Auch die Toten, darunter fünf Kinder im Alter zwischen 1 und 16 Jahren, sind den Angaben zufolge allesamt Türken. Im Erdgeschoss befand sich ein türkischer Kulturverein. Auf der Pressekonferenz wurde bestätigt, dass das Haus mal ein Skinhead-Treff war - allerdings vor 15 Jahren.
Den Angaben zufolge sei der Faschingsumzug am Sonntag direkt vor dem Haus entlanggezogen. Viele Bewohner hätten den Zug von ihren Wohnungsfenstern aus verfolgt und zusätzlich noch Besucher gehabt, die wegen der guten Sicht von dort das karnevalistische Treiben beobachtet hätten.
Am Montag wurden nach Angaben der Rettungskräfte noch immer 20 Verletzte in Krankenhäusern behandelt. Drei von ihnen erlitten schwere Verletzungen, 17 sind leicht verletzt. Lebensgefahr bestand für keinen Verletzten mehr.
Am Mittag traf der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) in Ludwigshafen ein, um seine Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen. Er hatte zuvor seine Teilnahme am Mainzer Rosenmontagszug abgesagt.
Lohse sprach von einer "unendlichen Katastrophe" und "Bildern des Erschreckens", die man so schnell nicht vergessen werde. Im Rathaus wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt. Die Stadt richtete ein Spendenkonto für Opfer und Angehörige der Brandkatastrophe ein.
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