Niederrhein: Großrazzia im „Brösel’s“
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 09.06.2008 - 16:13Brüggen (RP). Kreisjugendamt und Polizei standen am frühen Samstagmorgen vor der Brüggener Diskothek. Etwa 50 Kräfteüberprüften rund 250 Gäste. 120 von ihnen waren minderjährig und überwiegend alkoholisiert.
Es ist eine geheime Kommandosache – so geheim, dass selbst die Gemeindeverwaltung Brüggen vorher nicht über den genauen Termin informiert ist. Am Samstag um 0.30 Uhr stehen – unbemerkt von den meisten Gästen – Polizeibeamte und Mitarbeiter von Kreis-Jugendamt und Drogenberatung vor der Groß-Diskothek „Brösel’s“ an der Borner Straße in Brüggen. Während die Mitarbeiter von Kreisjugend- und ordnungsamt die Personalien der zumeist jugendlichen Besucher überprüfen, sorgen Polizisten dafür, dass niemand das Lokal verlassen kann.
Mehrere Stunden dauert die Großrazzia, die es in dieser Form in einem Lokal im Kreis Viersen noch nicht gegeben hat. Etwa 250 Gäste werden überprüft. Rund 120 dürften sich zu dieser Zeit nicht mehr in der Diskothek aufhalten, weil sie noch nicht volljährig sind. Viele der Jugendlichen sind alkoholisiert. Die Jungen und Mädchen werden getrennt in bereit stehende Polizeibusse geführt. Viele der Minderjährigen weinen, versuchen über Handy ihre Eltern zu informieren.
Jugendschutz
Gesetz Nach 24 Uhr dürfen sich Jugendliche unter 18 Jahren nur in Begleitung von Erwachsenen in Lokalen aufhalten. Minderjährige dürfen generell keinen Alkohol ausgeschenkt bekommen.
Aktion Das Kreisjugendamt hat kürzlich einen Postkartenaktion gestartet, um Jugendliche gezielt auf die Gefahren von übermäßigem Alkoholkonsum aufmerksam zu machen. Informationen gibt es bei Silvia Buske vom Kreisjugendamt, Ruf: 02162 39 18 68.
Einige sind noch keine 15
Im Laufe der frühen Morgenstunden füllen sich die Parkplätze rund um die Diskothek. Alarmierte und besorgte Eltern treffen ein, um ihre Kinder abzuholen. Die Kinder – einige Mädchen sind jünger als 15 Jahre – werden von den Mitarbeitern des Kreisjugendamtes in die Obhut ihrer Erziehungsberechtigten gegeben. Silvia Buske, Jugendschutzbeauftragte der Kreisverwaltung, die den Einsatz koordiniert, informiert die Eltern. Sie erhalten demnächst Post um Kreisjugendamt. In dem Schreiben werden sie aufgefordert, stärker auf ihre Fürsorgepflicht zu achten. Strafen wird es wohl nicht geben.
Eltern, die nicht bis gegen vier Uhr – so lange dauert etwa der Einsatz im und am „Brösel’s“ – in Brüggen eintreffen, können ihre Kinder im Laufe des frühen Samstagmorgens bei der Kriminalpolizei am Mühlenberg in Dülken abholen. Die Reaktionen der Eltern sind unterschiedlich: Einige finden das Vorgehen der Behörde übertrieben, andere sehen ein, dass sie verstärkt auf ihre Kinder achten müssen.
„Die Kinder sind die eigentlichen Opfer“, kommentiert Kreispressesprecher Kaspar Müller-Bringmann die Ereignisse. Seit langem hat das Kreisjugendamt den Betreiber der Diskothek, Jörg Johannböke, unter Verdacht, massiv gegen Jugendschutzbestimmungen zu verstoßen. „Der Betreiber muss nachhaltig dafür sorgen, dass die Auflagen des Jugendschutzes eingehalten werden“, sagt Müller-Bringmann.
Nun ist die Gemeinde Brüggen am Zuge. Sie muss rechtliche Schritte gegen Johannböke prüfen. Schlimmstenfalls kann dem Diskotheken-Betreiber die Konzession entzogen werden.
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