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Streit in München
Grüne: "Trümmerfrauen waren Alt-Nazis"

München. Zwei Landtagsabgeordnete der Grünen haben in München ein Denkmal für Trümmerfrauen verhüllt. Aufschrift: "Den Richtigen ein Denkmal. Nicht den Alt-Nazis." Die Empörung ist groß. Von Ulli Tückmantel

Der Stein des Anstoßes ist knapp 1,80 Meter hoch und steht seit Mai in der Münchner Altstadt auf dem Marstallplatz. Er soll, so ist auf ihm zu lesen, "Dank und Anerkennung" für die Trümmerfrauen und die Aufbaugeneration in München nach 1945 zum Ausdruck bringen. Den Grünen-Landtagsabgeordneten Sepp Dürr und Katharina Schulze ist er jedoch ein Dorn im Auge. Am vergangenen Donnerstag stülpten sie einen braunen Sack über den Gedenkstein. Aufschrift: "Den Richtigen ein Denkmal. Nicht den Alt-Nazis." Viele Münchner sind empört.

Staatsminister Ludwig Spaenle, zugleich Münchens CSU-Chef, der die Aufstellung des Steins möglich gemacht hatte, nannte die Aktion gegenüber Münchner Medien "geschmacklos und plump" und zeigte sich entsetzt. Selbst ein Grünen-Stadtrat kommentierte die Aktion seiner Parteifreunde per Twitter: "Was für eine schwachsinnige Aktion! Rechthaberei um jeden Preis." In einem offenen Brief legte er nach: "Wer nur das Bild sieht, wie Ihr ein Banner über das Denkmal zieht, das pauschal von Alt-Nazis spricht, wird sich fragen, wen Ihr damit meint. Eine ganze Generation?"

Münchener sind empört

In Leserforen und auf Facebook kritisierten etliche Münchner die Aktion der Grünen-Landtagsabgeordneten. Sie ziehe das Andenken ihrer Eltern und Großeltern in den Schmutz und verunglimpfe die Leistung der Aufbaugeneration, die unter anderem dem fast legendären Aufruf "Rama dama" (Hochdeutsch: Aufräumen tun wir) des damaligen Münchner SPD-Oberbürgermeisters Thomas Wimmer (1887–1964) gefolgt seien.

In vielen Städten wird die Leistung der Trümmerfrauen seit Jahren mit öffentlichen Denkmälern gewürdigt. Allein in Berlin, wo nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 30 000 und 60 000 Frauen mit ihren bloßen Händen den Schutt des Krieges von den Straßen schafften und für den Wiederaufbau Mörtel- und Putzreste von den Ziegelsteinen schlugen, gibt es mindestens 16 Erinnerungsstätten.

In München lehnte die rot-grüne Ratsmehrheit die Errichtung eines Denkmals lange ab. Ihre Argumentation, die von Historikern des Stadtarchivs unterstützt wurde: In München habe es gar keine Trümmerfrauen im eigentlichen Sinn gegeben. "Nach Informationen des Stadtarchivs waren an den Aufräumarbeiten unter den 1500 Personen in München 1300 Männer und zu 90 Prozent ehemalige aktive Mitglieder in NS-Organisationen beteiligt", so Denkmal-Verhüllerin Katharina Schulze.

"Aufräumarbeiten in München sind nicht vergleichbar"

Und: "Die Aufräumarbeiten in München sind nicht vergleichbar mit dem bewundernswerten Einsatz der Trümmerfrauen in anderen deutschen Städten." Daher habe der Stadtrat die immer wieder beantragte Aufstellung eines Denkmals gleich viermal abgelehnt. Dass der Verein mit dem sperrigen Namen "Dank und Gedenken der Aufbaugeneration, insbesondere der Trümmerfrauen e.V." dennoch zu seinem Ziel kam, hängt mit den Eigentumsverhältnissen am Marstallplatz zusammen: Das Gelände gehört nicht der Stadt, sondern dem Freistaat Bayern.

Bei der CSU-Landesregierung fand der Verein Gehör. Um Kritiker zu besänftigen, erhielt der Stein den Zusatz: "Im Wissen um die Verantwortung". CSU-Oberbürgermeisterkandidat Josef Schmid findet die ganze Kritik überzogen: Natürlich wolle man keine Nazis ehren, aber es gebe keine Kollektivschuld des deutschen Volkes. Und die Aufbauarbeit der Zivilbevölkerung müsse gewürdigt werden. Die Grünen fordern die Entfernung des Steins.

Quelle: RP
 
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