Pharmakonzern: Grünenthal-Gesellschafter trifft erstmals Contergangeschädigte
zuletzt aktualisiert: 10.12.2007 - 18:06Aachen (RPO). Der geschäftsführende Gesellschafter des früheren Contergan-Herstellers Grünenthal, Sebastian Wirtz, hat sich erstmals mit dem Bundesverband Contergangeschädigter zusammengesetzt. Das Treffen sollte dem Kennenlernen dienen. Es soll außerden Grundlage für weitere Gespräche sein.
Neben der Verbandsvorsitzenden Margit Hudelmaier nahmen weitere Vertreter des Vereins an dem Gespräch teil, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Contergan wurde ab 1957 als Schlafmittel verkauft. Drei Jahre später fiel auf, dass immer häufiger Kinder mit missgebildeten Organen und Gliedmaßen geboren wurden.
"Für mich war das ein sehr bewegendes Gespräch. Ich habe großen Respekt vor den Betroffenen und bin tief beeindruckt, wie sie ihre derzeitige Lebenssituation meistern und schildern", sagte Wirtz. Die Contergan-Tragödie berühre seine Familie und ihn selbst sehr. "Ich bedauere - wie meine ganze Familie - von ganzem Herzen, was vor 50 Jahren geschehen ist", erklärte der 37-Jährige. "Auch wenn ich zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht geboren war, möchte ich jetzt als Familienmitglied der dritten Generation versuchen, gemeinsam mit den Betroffenen die Contergan-Tragödie aufzuarbeiten."
Grünenthal hatte das Medikament im November 1961 vom Markt genommen. Bis dahin kamen in Deutschland etwa 5000 teilweise schwer missgebildete Kinder zur Welt. Etwa 2800 davon leben noch. Nach dem Skandal verpflichtete sich Grünenthal, gut 100 Millionen Mark zur Entschädigung bereitzustellen. Das Geld ist inzwischen aufgebraucht. Die Betroffenen erhalten heute vom Staat monatliche Renten bis zu 545 Euro.
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