Zwickauer Trio NSU: GSG 9 nimmt Terror-Helfer in Düsseldorf fest
zuletzt aktualisiert: 01.02.2012 - 10:53Düsseldorf (RPO). Einsatzkräfte der GSG9 haben in Düsseldorf einen weiteren mutmaßlichen Helfer der terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen. Der Zugriff erfolgte im Stadtteil Oberbilk. Der 31-Jährige soll dem Terror-Trio unter anderem eine Waffe besorgt haben. Carsten S. arbeitete nach Informationen unserer Redaktion als Berater für die Düsseldorfer Aids-Hilfe. Wir berichten laufend aktuell.
Vorwurf: Beihilfe zum Mord Gegen Carsten S. liegt ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof (BGH) vor. Der Verdächtige soll das Neonazi-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aktiv unterstützt haben. Ihm wird Beihilfe in sechs Mordfällen und bei einem versuchten Mord geleistet haben. Zeitweilig war er den Ermittlungen zufolge der einzige Helfer, der unmittelbaren Kontakt zur Zwickauer Zelle hatte, die sich Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) nannte.
GSG9 stürmte die Wohnung Die Festnahme erfolgte am Vormittag durch Spezialkräfte der GSG 9 in einer Wohnung im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk. Mit einer Ramme durchbrachen die Polizisten die Tür im dritten Obergeschoss. Ermittler des Bundeskriminalamts und Landeskriminalamts durchsuchten anschließend die Wohnung des Verdächtigen. Augenzeugen konnten beobachten, wie sie kistenweise Material aus der Tür des Wohnhauses trugen.
Enge Bindung an das Terror-Trio Zeitweilig soll er der Einzige aus dem rechtsextremistischen Umfeld des NSU gewesen sein, der unmittelbaren Kontakt zur Zwickauer Zelle hatte. Laut Bundesanwaltschaft soll S. dem Trio 2002 oder 2003 eine Schusswaffe nebst Munition beschafft haben.
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Dabei soll Carsten S. eng mit einem Mann zusammengearbeitet haben, der schon seit längerem im Visier der Ermittler steht: dem bekennenden und zeitweise auch in der NPD aktiven Ralf Wohlleben. Den Ermittlungen zufolge besorgte Carsten S. erst Waffe und Munition in Jena, anschließend gab er sie an Wohlleben weiter, der wiederum einen Kurier mit dem Transport zu den NSU-Mitgliedern nach Zwickau beuaftragt haben soll.
Angesichts seiner engen persönlichen und ideologischen Bindung zu den Mitgliedern der Gruppierung Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt habe er die Verwendung der Waffe bei rechtsextrem motivierten Morden billigend in Kauf genommen, wirft ihm nun die Staatsanwaltschaft vor. Unklar sei noch, ob die Waffe tatsächlich für einen der Morde eingesetzt wurde.
Carsten S. - kein Unbekannter Carsten S. ist kein völlig neuer Name im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die NSU. Mittlerweile hat sich Carsten S. angeblich vom Rechtsextremismus losgesagt. In NRW soll er nicht mehr im rechtsextremen Umfeld aktiv geworden sein.
Carsten S. arbeitete nach Informationen unserer Redaktion als Berater für die Düsseldorfer Aids-Hilfe. Dort soll bekannt gewesen sein, dass es sich bei ihm um einen Aussteiger aus der rechten Szene handelt. Daraus machte Carsten S. nie einen Hehl. Mitarbeiter beschrieben ihn als angenehmen Kollegen. Unter anderem arbeitete er für das sogenannte Schwule Überfall-Telefon und beriet Homosexuelle, die von Opfer von Mobbing, Stalking oder Gewalt wurden.
Erst in der vergangenen Woche hatte sich S. über seinen Anwalt an die Presse gewandt. Er sei im Jahre 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen, heißt es in seiner Erklärung. "Seitdem habe ich mich davon distanziert und verabscheue jegliche Art von rechtem, rassistischem und extremistischem Gedankengut. Auch hatte ich nach 2000 keinen Kontakt mehr zur rechten Szene."
Die Bundesanwaltschaft sieht dies anders. Nach den bisherigen Erkenntnissen war der Beschuldigte in den Jahren 1999 und 2000 im rechtsextremistischen "Thüringer Heimatschutz" aktiv und unterhielt bis zum Jahr 2003 Kontakte in rechtsradikale Kreise. Waffe und Munition für das Terror-Trio soll er erst 2001 oder 2002 besorgt haben. Noch am Mittwoch erwartet ihn der Ermittlungsrichter in Karslruhe.
Wurzeln in Thüringen Ursprünglich stammt er der Bundesanwaltschaft zufolge aus Thüringen. Dort soll er in den Jahren 1999 und 2000 im rechtsextremistischen "Thüringer Heimatschutz" aktiv gewesen sein. 2003 sei er aus Thüringen nach NRW umgezogen. Zeitweise lebte er Medienberichten zufolge in Hürth bei Köln, später arbeitsbedingt in Düsseldorf.
Mittlerweile führt die Bundesanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen elf mutmaßliche Unterstützer der Gruppe. Vier von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, dazu kommt Beate Zschäpe als einziges überlebendes Mitglied des Zwickauer Trios.
Neben zehn Morden sollen zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle auf das Konto der Neonazi-Zelle gehen. Die beiden Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich Anfang November selbst getötet, als ihnen nach einem Bankraub die Festnahme drohte.
Bislang kein Zusammenhang zum "Wehrhahn-Anschlag"
Der Sprengstoffanschlag am S-Bahnhof in Düsseldorf wurde und wird, wie viele andere bislang ungeklärte Straftaten mit möglicherweise fremdenfeindlichem Hintergrund, überprüft. Bislang gibt es aber keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem "NSU". Was den heute in Düsseldorf festgenommenen 31-jährigen Beschuldigten angeht, ergibt sich der Tatvorwurf aus der Pressemitteilung der Generalbundesanwaltschaft vom heutigen Tag. Zureichende Anhaltspunkte für seine unmittelbare Beteiligung an einer der terroristischen Straftaten des "NSU" sind bislang nicht ersichtlich. Ferner ergaben sich bisher keine Anhaltspunkte, dass der Mann im Zusammenhang mit den Geschehnissen vom 27. Juli 2000 stehen könnte.
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