Er lebte im Ruhrgebiet: Guantanamo-Insasse will zurück nach Deutschland
zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 19:36San Juan (RPO). Der Mauretanier Mohamedou Ould Slahi ist Häftling im berüchtigten Gefängnis von Guantanamo. Er ist allem Anschein nach gefoltert worden. Der Verdächtige galt den Amerikanern Medienberichten zufolge lange als wichtige Figur im internationalen Terrorismus. Jetzt kann er auf seine Abschiebung nach Deutschland hoffen.
Slahi will einem Bericht des "Spiegel" zufolge im Fall seiner Freilassung nach Deutschland zurückkehren. Dies habe der 39-jährige Mauretanier, der von 1988 bis 1999 in Duisburg und Essen lebte und studierte, seinem Bruder Yahdih Ould Slahi in einem einstündigen Telefonat aus Guantanamo gesagt, berichtete das Magazin am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Er habe darin mehrfach betont, Deutschland sei sein "Wunschziel Nummer eins", sagte Yahdih Ould Slahi, der in Düsseldorf als Computertechniker arbeitet. Das Telefongespräch kam den Angaben zufolge auf Vermittlung des Roten Kreuzes zustande.
Mohamedou Slahi galt laut "Spiegel" in Guantanamo als einer der "wichtigsten Fälle". Ex-US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe seine Akte gekannt und persönlich verfügt, ihn mit allen Mitteln auszufragen. Nach Zeugenaussagen habe Slahi in Deutschland Rekruten für den Heiligen Krieg geworben und in Ausbildungslager nach Afghanistan vermittelt, darunter auch den späteren 9/11-Anführer Mohammed Atta sowie zwei seiner Mitverschwörer.
Nachdem Slahi "speziellen Vernehmungstechniken" wie Schlafentzug, Dauerlärm, sexuellen Erniedrigungen sowie Drohungen gegen seine Mutter ausgesetzt worden war, machte er den Angaben zufolge umfangreiche Aussagen. Ein US-Dokument aus Guantanamo bezeichne ihn als "ergiebigste Einzelquelle". Slahi widerrief später und schrieb in einem Brief, er habe nach der Folter zu jedem Vorwurf der Ermittler "ja" gesagt. Er gehört zu jenen 60 bis 70 Häftlingen, für die die US-Regierung mit Blick auf die geplante Schließung von Guantanamo bislang keine Lösung gefunden hat.
US-Präsident Barack Obama schafft es nicht, das Gefangenenlager Guantanamo wie erhofft im Januar zu schließen. Das liegt auch daran, dass es ihm nicht gelingt, andere Länder zur Aufnahme von Häftlingen zu bewegen.
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