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Harald Höppner will endlich helfen
Der Mann, der Jauch zum Schweigen brachte

Harald Höppner will mit dem Boot Sea-Watch Flüchtlinge retten
Harald Höppner will mit dem Boot Sea-Watch Flüchtlinge retten FOTO: dpa, mch fdt lof
Düsseldorf. Harald Höppner hat am Sonntag bei Günther Jauch für einen besonderen TV-Moment gesorgt. Eine ganze Talkshow hielt inne. Der Familienvater aus Brandenburg zeigte damit, wie er versucht, mit einfachen Ideen etwas Großes zu bewirken. Nun ist sein Fischkutter in See gestochen, um Flüchtlingen im Mittelmeer zu helfen. Von Philipp Stempel

"Sea-Watch", so hat Harald Höppner sein aus freier Initiative entstandenes Projekt genannt. Mit einem kleinen Fischkutter will er drei Monate lang im Mittelmeer kreuzen und endlich etwas tun gegen Not und Elend der Flüchtlinge. Am Sonntag ist das etwa 20 Meter lange und aufwendig in Stand gesetzte Boot aufgebrochen und hat Kurs genommen auf Malta. Drei Monate lang soll es in der dortigen Region patrouillieren. 

Bei Jauch hatte Höppner am Sonntagabend einen bemerkenswerten Auftritt. Fast eine Stunde lang hatte die Runde hitzig über politische Optionen im europäischen Flüchtlingsdilemma diskutiert. Höppner hingegen ist offensichtlich ein Typ, dem das lange Reden nicht besonders liegt. Kaum von Jauch angesprochen, durchbrach er unabgesprochen den Fahrplan der Regie und setzte gegen den Widerstand des Moderators eine Schweigeminute zum Gedenken an die Toten der Flüchtlingstragödie durch (hier die Mitschrift des Abends).  "Respekt und Hut ab vor so viel Courage", lautet jetzt einer der vielen Kommentare auf der Facebookseite von Sea-Watch.

Entwaffnende Einfachheit

Studiogast Harald Höppner setzt sich gegen Günther Jauch durch FOTO: Screenshot ARD

Schon zuvor berichteten einige Medien über ihn und sein Projekt. Jetzt aber steht der 42-Jährige mehr denn je im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auch weil er in der Talkshow erkennen ließ, dass er mit ganzem Herzen bei der Sache ist. "Dieses Drama, das sich im Mittelmeer abgespielt hat, das uns jeden Tag im Fernsehen vorgeführt wird, das ist unerträglich", erklärte sich Höppner bei Jauch.

Und eben weil er es nicht ertragen kann zuzusehen, wie Menschen vor den Küsten Europas ertrinken, während Deutschland vor dem Fernseher sitzt, hat er im vergangenen Jahr einen hundert Jahre alten Fischkutter für 60.000 Euro gekauft und umgebaut, um damit ab Mai Menschen zu retten.

Entstanden ist die Idee in Absprache mit Freunden und Familie. In einem kleinen Einspieler bei Jauch erzählt Höppner in entwaffnender Einfachheit, was ihn dazu antrieb: "Wir haben versucht 'ne Lösung zu finden und die Lösung war dann letztendlich sehr einfach: Wir kaufen ein Schiff, statten es aus, suchen uns die richtigen Leute und fahren einfach los."

Fotos: Schiffe suchen nach Überlebenden im Mittelmeer FOTO: dpa, dc lb

Acht Leute in der Crew

Genauso sagt er das. "Wir fahren einfach los." Höppner ist sich darüber im Klaren, dass das idealistisch, ja sogar blauäugig klingt. Doch sein Projekt wächst seit Monaten. "Ich dachte anfangs auch, das sei unrealistisch", sagt Höppner in einem Interview. Dann aber habe er sehr schnell sehr viele Helfer und Unterstützer gefunden. Sowohl Spender als auch ehrenamtliche Mitarbeiter sind an seiner Seite.

Acht Leute sollen mit ihm an Bord der "Sea Watch Go-46" sein, bisher unentgeltlich, aus reiner Hilfsbereitschaft und Solidarität. Höppner selbst hat keine Ahnung vom Navigieren auf hoher See, mit Schiffen hat er noch nie näher zu tun gehabt. Das soll nun ein Skipper übernehmen, der es kann. Außerdem gehören zur Mannschaft ein Techniker, ein Mechaniker, Arzt, Sanitäter, ein Dolmetscher und ein Journalist, der möglichst täglich auf dem Sea-Watch-Blog von den Geschehnissen auf See berichten soll. Rettungsaktionen sollen im Stream übertragen werden.

Dabei ist Höppner sich darüber im Klaren, dass er mit seinem Kutter nicht in der Lage sein wird, Flüchtlinge aufzunehmen und an die Küste zu bringen. Ihm geht es um Erste Hilfe. An Bord hat er Rettungsinseln, die man nach Bedarf auf See einsetzen und damit Menschen vor dem Ertrinken retten kann. Zudem sind Rettungswesten, Wasser und Mittel für die Erstversorgung an Bord. Zeitgleich soll die Crew die italienische Küstenwache verständigen. "Selbst wenn es nur einen Menschen gibt, dem wir das Leben retten, hat sich die Sache schon mehr als gelohnt", sagt Höppner.

 
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