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Gustl Mollath geht es schlecht
"Die Apokalypse lag neben mir im Bett"

Mollaths Kampf gegen die Justiz
Mollaths Kampf gegen die Justiz FOTO: dpa, Daniel Karmann
München. Sein Fall erregte deutschlandweit Aufsehen: Gustl Mollath, der Mann, der vor vier Monaten aus der Psychiatrie entlassen wurde. In einem Interview spricht er über die Schwierigkeiten in seinem neuen Leben und wie ihn die harte Zeit in seinen Träumen verfolgt. Von Dana Schülbe

Er muss sich noch gedulden, bis die Justiz seinen Fall neu aufrollt. Voraussichtlich im Frühjahr will ihn das Landgericht Regensburg verhandeln. Bis dahin lebt der Nürnberger aber in Freiheit – nach sieben Jahren Zwangspsychiatrie. Doch so richtig genießen kann er das neue Leben nicht, wie er jetzt im Interview mit Focus Online erzählt.

"Ich lebe mehr schlecht als recht. Um nicht zu sagen: beschissen", sagte Mollath der Webseite bei einer Buchpräsentation in München. Jeden Tag müsse er schauen, wo er übernachten könne. Das sei mal hier, mal dort, manchmal auch ein Kloster. "Ginge es nach unserem sogenannten deutschen Rechts- und Sozialstaat, würde ich heute unter der Brücke sitzen", erklärt er.

Träume von "Horrorfratzen"

Er erzählt, dass er sich auf seine Entlassung ja nicht vorbereiten habe können, dass man ihn förmlich auf die Straße gesetzt habe – "ohne Ausweis, ohne Hab und Gut. Nur mit den Kleidern, die ich am Leib trug." "Dass ich nicht obdachlos bin", fügt er noch hinzu, "liegt in jedem Fall nicht an der Hilfe des Staates." Doch den Glauben in den Staat dürfte er ohnehin verloren haben nach allem, was ihm widerfahren ist.

Über Jahre hinweg hatten im Psychiater attestiert, unter "gefährlichen Wahnvorstellungen" zu leiden. Aufgekommen waren die Zweifel an seiner psychischen Gesundheit, als er auf Schwarzgeldgeschäfte bei der HypoVereinsbank hinwies – dort, wo seine Frau gearbeitet hatte. Erst als 2012 ein Revisionsbericht der Bank auftauchte, der einige der von Mollath behaupteten Schwarzgeld-Geschäfte belegte, fand der Mann, der in die Psychiatrie zwangseingewiesen worden war, Gehör.

Inzwischen lebt er nun wieder vier Monate in Freiheit. Die Zeit in der Anstalt vergessen kann er aber noch lange nicht. "Meine Nächte enden bereits nach drei bis fünf Stunden Schlaf, weil ich gegen drei oder vier Uhr morgens aufwache", sagt er in dem Interview mit Focus Online. "Genau in der Zeit also, in der die Wärterinnen der Psychiatrie Nacht für Nacht die Zimmer ausgeleuchtet haben. Da standen dann nachts plötzlich schlecht aussehende, überfressene Damen im eigenen Zimmer. So eine Horrorfratze vor dem eigenen Gesicht – davon träumt man."

"Ich habe meine Frau wirklich geliebt"

Auch über seine Ex-Frau spricht er in dem Interview, sagt, dass sie schon eine ganze Weile keinen Kontakt hätten, was ihm ganz recht sei. "Ich habe meine Frau wirklich geliebt", sagt er. Deshalb habe er auch Angst um sie gehabt, als er von den Schwarzgeld-Geschäften erfahren habe, in die sie nach seiner Aussage verwickelt gewesen sein soll.

"Doch meine Frau hat mich immer nur als 'Weltverbesserer' beschimpft", so Mollath. Als sie ihm am Ende angeboten habe, 500.000 Euro von seinem eigenen Geld zu behalten, wenn er den Mund halte, da habe sich für ihn herausgestellt, "dass ein Leben lang eine Apokalypse neben mir im Bett lag".

(das)
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