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Brisanter V-Mann-Prozess
Half das bayerische LKA den Bandidos gegen die Hells Angels?

Half das bayerische LKA den Bandidos gegen die Hells Angels?
Drei der sechs angeklagten LKA-Beamten stehen im Sitzungssaal des Landgerichts Nürnberg-Fürth vor Prozessbeginn neben ihren Anwälten. FOTO: dpa, dka gfh
Nürnberg . Mitarbeiter des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) haben offenbar zugunsten der Bandidos aktiv in einen Krieg gegen die Hells Angels eingegriffen, falls die Anklage der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth zutrifft. Die Aufklärung der brisanten Affäre dürfte kompliziert werden, wie schon der Prozessauftakt zeigt.

In einem Pulk aus Verteidigern betreten die sechs Beschuldigten den Schwurgerichtssaal 600 des Nürnberger Landgerichts - Beamte, die nach außen Diskretion ausstrahlen in ihren sich ähnelnden dunklen Anzügen. An ihren Schreibtischen sitzen die Männer allerdings schon seit längerer Zeit nicht mehr: Sie sind allesamt suspendiert, weil sie unter dem Verdacht von Straftaten von der Strafvereitelung bis zum mittelbaren Diebstahl, Betrug und uneidlicher Falschaussage stehen.

Zum Prozessauftakt am Dienstag kommt noch nicht heraus, wie die Angeklagten zu den Vorwürfen stehen. Die beiden LKA-Beamte, die als Hauptverdächtige gelten, verweigern die Aussage zu der mit Details gespickten Anklage. "Das überrascht uns jetzt ein bisschen", sagt der Vorsitzende Richter. Noch bei einem Vorgespräch im Oktober sei eine umfassende Aussage angekündigt worden. Nun muss sich das Gericht neu sortieren, es will ab Mittwoch zunächst die vier mitbeschuldigten Beamten vernehmen - diese wollen aussagen.

Um Kopf und Kragen geredet

Die für die Polizistenehre bedrohliche Geschichte beginnt im Jahr 2011. Zwei der Angeklagten waren zu dieser Zeit die V-Mann-Führer eines Vertrauensmanns, der verdeckt auf die Bandidos angesetzt war. Und dieser informierte laut Anklageschrift die Beamten, dass die Bandidos in Dänemark Minibagger und Baugerät stehlen und in das Kosovo bringen wollten.

Dass ein V-Mann sich an solch einer Straftat beteiligt, klingt für eine Spitzeltätigkeit noch nachvollziehbar. Doch die Beamten ließen laut Staatsanwaltschaft alle Vorschriften außer Acht und schrieben auch Aufträge für den Mann zur Fahrt nach Dänemark, weshalb dieser glaubte, straflos stehlen zu dürfen.

Die ganze Sache flog auf, als die dänische Polizei den V-Mann erwischte. Es folgte ein Ermittlungsverfahren, in dem sich zunächst die V-Mann-Führer und dann auch weitere Polizisten um Kopf und Kragen redeten: Sie belogen laut Staatsanwaltschaft Polizisten, Staatsanwälte und sagten schließlich sogar vor Gericht falsch aus.

Die Anklageschrift ist so gespickt mit Einzelheiten, dass der Richter eigens für die Schöffen eine Übersicht erstellen ließ. Acht Taten sind darin aufgelistet - unter anderem auch eine direkte Beteiligung des LKA an einem Racheakt der Bandidos.

Tachobetrug als Entlastung?

In der Anklage heißt es dazu: "Auch wurden Kleinbusse für eine Fahrt der Bandidos nach Rumänien für eine geplante Racheaktion gegenüber Hells Angels auf Kosten des BLKA angemietet". In einem anderen Fall erhielt der V-Mann 740 Euro, um in Nürnberg den Tacho seines auf Kosten der Polizei geleasten Mercedes um fast 50.000 Kilometer zurückdrehen zu lassen.

Der Tachobetrug könnte allerdings in gewisser Weise entlastend ausgelegt werden. Denn auch die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der angeklagte LKA-Mann mit dem Auftrag vor allem der Staatskasse eine erhebliche Nachzahlung beim Autohändler ersparen wollte.

Bis März plant das Gericht aufzuklären, wie die sechs zum großen Teil in Leitungsaufgaben stehenden Beamten solch eine Affäre auslösen konnten. Erst nach dem Prozess wird sich weisen, ob sie überhaupt wieder in ihre Jobs zurückkehren können.

(csr/AFP)
 
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