Eskalationen bei Anti-Rechts-Demo: Hamburg: Schlimmste Mai-Krawalle seit Jahren
zuletzt aktualisiert: 01.05.2008 - 23:05Hamburg (RPO). Von einer Welle der Gewalt wurde Hamburg am 1. Mai überrollt: Linksautonome setzten Autos in Brand, warfen mit Steinen und griffen Polizisten an. Die Behörden sprechen von den schlimmsten Mai-Krawallen seit Jahren. Auch in Berlin gab es Ausschreitungen, allerdings erst am späten Abend.
In Hamburg gab es den ganzen Tag über Eskalationen. Gegen die Randalierer setzten die Beamten Wasserwerfer ein. Es gab mehrere Festnahmen. Einige Polizisten seien verletzt worden, hieß es. Zudem seien Polizeifahrzeuge umgeworfen und in Brand gesteckt worden. Schlimmere Krawalle habe es in Hamburg seit Jahren nicht gegeben, so die Polizei am Abend.
Autos, Mülltonnen und Papierkörbe im Hamburger Stadtteil Barmbek gingen in Flammen auf. Pflastersteine und Gehwegplatten wurden von Mitgliedern des linken Spektrums aus den Straßen gerissen. Nach Angaben von Augenzeugen wurden vermummte Gegendemonstranten zwischenzeitlich von der Polizei eingekesselt.
Nach Informationen des NDR wurden von Teilnehmern der NPD-Demonstration auch Journalisten angegriffen, darunter ein Kamerateam des Senders. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften aus mehreren Bundesländern im Einsatz, konnte aber ein Aufeinandertreffen von NPD-Anhängern und Linken nicht verhindern. An einigen Stellen kam es zu Schlägereien zwischen rechten und linken Gruppen.
Polizei mit Großaufgebot im Einsatz
So sei es teils zu direkten Zusammenstößen zwischen Rechten und Linken gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Reisebusse der Rechten, mit denen mit denen Sympathisanten aus dem ganzen Bundesgebiet nach Hamburg kamen, wurden demoliert. Vermummte bauten Barrikaden aus Baumaterial sowie Straßenschildern und zündeten sie an. Zudem geriet ein ganzes Reifenlager in Brand. Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Protestzug.
Auch nach dem offiziellen Ende der Gegendemonstration zogen nach Schätzungen der Polizei etwa 4000 meist vermummte Linksautonome in Gruppen durch die Straßen und griffen immer wieder Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen an. Diese setzten Wasserwerfer ein. Die Lage entspannte sich laut Polizei erst am Abend etwas, als der Neonazi-Aufmarsch beendet wurde und die Rechtsradikalen abzogen. Bereits in der Nacht zuvor war es nach einer Walpurgisnacht-Demonstration von etwa 1000 Linksautonomen zu Krawallen gekommen.
Die Sicherheitskräfte waren mit einem Großaufgebot aus mehreren Bundesländern im Einsatz. An dem Aufmarsch der Rechtsextremisten beteiligten sich laut Polizei rund 1100 Personen. Zu dem Protest gegen die NPD-Veranstaltung hatte ein Hamburger "Bündnis gegen Rechts" aufgerufen. Die Veranstalter sprachen von etwa 10.000 Teilnehmern, die Polizei von rund 7000 Personen. Sogar aus Berlin waren Demonstranten angereist.
Am Abend beruhigte sich die Lage wieder, flammte kurz vor 23 Uhr aber noch ein letztes Mal auf, als es erneut Angriffe auf Polizeibeamte gab, wie eine Polizeisprecherin sagte. Laut Polizei gab es wieder Festnahmen, eine Zahl konnte die Sprecherin aber zunächst nicht nennen.
NPD-Verbot gefordert
Unterdessen kam es in Nürnberg es am Rande einer NPD-Kundgebung ebenfalls zu Rangeleien. Hier standen sich insgesamt 9000 Gegendemonstranten und 1500 Rechtsextremisten gegenüber. Unter dem Motto "Sozial geht nur national" hatten NPD-Anhänger aus ganz Deutschland nach Nürnberg eingeladen; Redner bei der Kundgebung war unter anderen der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Stadt Nürnberg scharf kritisiert, weil sie die Veranstaltung genehmigt hatte.
Die Polizei hatte die Demonstrationsstrecke der Rechtsextremisten mit Gittern abgeschirmt. Hinter den Absperrgittern begleiteten rund 4000 Gegendemonstranten aus der linken und autonomen Szene die NPD-Kundgebung mit lauten Pfeifkonzerten und "Nazi raus"-Rufen. Auf einer weiteren Gegenveranstaltung unter dem Motto "Gemeinsam gegen Rechtsradikale" forderte der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) erneut ein Verbot der NPD. "Es kann überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass die NPD eine verfassungswidrige Partei ist", sagte er vor rund 5000 Zuschauern. Insgesamt wurden 40 Personen festgenommen.
Späte Ausschreitungen in Berlin
Während die Krawalle in Hamburg und Nürnberg am Abend weitgehend nachließen, kam es in Berlin nach anfänglicher Ruhe doch noch zu den befürchteten Ausschreitungen: Augenzeugenberichten zufolge wurde das Auto von Polizeipräsident Dieter Glietsch am Lausitzer Platz angegriffen. Es seien Flaschen geflogen, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei setzte Pfefferspray gegen die Angreifer ein. Der U-Bahnhof Kottbusser Tor wurde geschlossen.
Der von einem Bündnis linker Gruppen organisierte Aufzug führte durch das Myfest, wo Tausende friedlich feierten. Zunächst war alles friedlich verlaufen. Insgesamt waren bei den Feiern und Demonstrationen in Berlin den Angaben zufolge rund 4700 Beamte im Einsatz, darunter Einsatzkräfte aus Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.
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