"Eichmann-Gehorsam" schade dem Anliegen Jesu: Hasenhüttl attackiert katholische Bischöfe
zuletzt aktualisiert: 26.07.2003 - 12:23Saarbrücken (rpo). Mit harscher Kritik an den katholischen Bischöfen hat Theologie-Professor Gotthold Hasenhüttl auf seine Suspendierung als Priester reagiert. Ein blinder "Eichmann-Gehorsam" schade dem Anliegen Christi, sagte der 69-Jährige in einem Zeitungsinterview.
Die deutschen Bischöfe verlangten als Vorgesetzte von ihren Priestern einen "Eichmann-Gehorsam", sagte Hasenhüttl der "Saarbrücker Zeitung" (Samstagausgabe). Dieser blinde Gehorsam schade dem Anliegen Jesu Christi. Der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann hatte sich, als er vor einem Gericht in Israel zur Rechenschaft gezogen wurde, darauf berufen, die Befehle zur Judenvernichtung im Gehorsam ausgeführt zu haben.
Bischöfe gebrauchten die Eucharistie, um sich von den Protestanten abzugrenzen, sagte Hasenhüttl weiter. So lange die Ökumene nichts koste, werde sie propagiert. Wenn man allerdings Ernst mache, komme gleich ein bischöfliches Verbot. Den Kirchen-Oberen gehe es um den Erhalt ihrer Macht.
Der 69-jährige Hasenhüttl war vergangene Woche vom Trierer Bischof Reinhard Marx als Priester suspendiert worden, weil er am Rande des Ökumenischen Kirchentages in Berlin in einem katholischen Gottesdienst Protestanten zum Abendmahl eingeladen hatte. Außerdem sollte ihm die Lehrerlaubnis entzogen werden. Hasenhüttl legte jedoch Widerspruch beim Vatikan ein, womit das Dekret des Trierer Bischofs bis zu seiner Überprüfung aufgeschoben ist.
Mehrere kirchenkritische Gruppen kündigten unterdessen eine Unterschriftenaktion für Hasenhüttl an. Zu den Initiatoren gehört auch der Priester Hermann Münzel, der vor drei Jahren selbst vom damaligen Trierer Bischof Hermann Josef Spital vom Dienst suspendiert worden war, weil er einen ökumenischen Abendmahls-Gottesdienst mit Katholiken und Protestanten zelebriert hatte. Münzel hatte damals allerdings sein Handeln bedauert. Hasenhüttl will dagegen keine Abbitte leisten.
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