Fall Mannichl: Hass auf die Polizei bei Neonazis
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 24.12.2008 - 11:48Passau (RP). Die Ermittlungen im Fall des Attentats auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl dauern an. Nach Ansicht des Chefs der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, werden die Ermittlungen Erschreckendes über die Neonazi-Szene und das Ausmaß der dort herrschenden Gewalt zu Tage befördern. Mittlerweile herrsche dort regelrecht ein Hass auf die Polizei.
Das Ehepaar, das unter dem Verdacht der Beihilfe zum Mordversuch am Passauer Polizeichef festgenommen worden war, ist inzwischen wieder frei. Nach Angaben der Polizei besteht gegen den 33-jährigen Mann und die 22-jährige Frau, die der rechtsextremistischen Szene Münchens angehören, kein dringender Tatverdacht mehr. Die Ermittlungen hätten das Alibi des Paares „eher bestätigt“.
Vor mehr als einer Woche war Alois Mannichl an seiner Haustür von einem mutmaßlichen Neonazi niedergestochen worden. Der Polizeichef war mehrfach entschieden gegen Neonazis vorgegangen. Als Mannichl am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen worden war, betonte er, seinen Kampf fortzusetzen: „Ich lasse mich von den Rechtsradikalen nicht klein kriegen. Sie werden es nicht schaffen.“
Die Fahndung läuft
Nach dem Täter wird weiter in ganz Deutschland sowie in Österreich und in Tschechien gefahndet. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf der rechtsextremen Szene Bayerns. Im Visier der Polizei ist eine Gruppe von Personen, die sich zum Tatzeitpunkt in Fürstenzell aufgehalten haben soll. Auch ein Autofahrer, der am Tattag gegen 17 Uhr in Fürstenzell Richtung Marktplatz unterwegs war, wird als Zeuge gesucht. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, äußerte sich zuversichtlich über die Ermittlungsarbeiten. „Ich bin optimistisch, dass die Straftat aufgeklärt wird. Das ist nur eine Frage der Zeit“, sagte Freiberg unserer Redaktion. In Fällen, in denen ein Kollege betroffen sei, gebe es stets ein besonders hohes Engagement der Ermittler. Dies treffe aber auch auf andere dramatische Fälle wie Vergewaltigung und Kinderpornographie zu.
Der Gewerkschaftschef vermutet, dass die Ermittlungen das Ausmaß rechter Gewalt an die Öffentlichkeit bringen werden: „Wenn der Hintergrund dieser Tat ermittelt wird, wird der Schrecken umso größer sein, was in der rechten Szene für eine Brutalität herrscht und was sich dort insgesamt angestaut hat.“ Dort sei mittlerweile „Hass gegen die Polizei vorhanden“.
Neue Debatte um NPD-Verbot
Die Messerattacke gegen den Passauer Polizeipräsidenten hatte eine neue Debatte um ein NPD-Verbot ausgelöst. Die bayerische FDP-Fraktionschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, äußerte sich skeptisch: „Auch wenn man die Verfassungsfeindlichkeit der NPD nicht bezweifelt, bleibt fraglich, ob deren gerichtsfester Nachweis gelingt.“ Die FDP-Politikerin forderte einen „Strategiewechsel“ beim Vorgehen gegen den Rechtsextremismus. Die SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, bezeichnete die Diskussion als oberflächlich und reflexhaft. Die Ursachen der Gewalt blieben unberührt. Die NPD hat unterdessen für den 3. Januar eine Kundgebung in Passau angekündigt.
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