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Fahndung Michalski Panorama 091201
  Foto: ddp, ddp
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Komplize Michalski gefasst: Heckhoff packt zu Fluchtdetails aus

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 01.12.2009 - 07:14

Köln (RPO). Michael Heckhoff hat ausgepackt. In der "Bild"-Zeitung berichtet der Ausbrecher nur einen Tag nach seiner Festnahme über die spektakuläre Flucht - zum Unmut der Behörden. Unterdessen wurde sein Komplize Peter Paul Michalski in Schermbeck gefasst.

Am Sonntag fasste die Polizei den flüchtigen Schwerverbrecher Michael Heckhoff. Bereits am Dienstag wartet die "Bild"-Zeitung mit einer Schlagzeile auf: "Ausbrecher packt aus." Heckhoff schildert in dem Blatt ausgiebig die Details seiner Flucht und die anschließende Odyssee durch das Ruhrgebiet. Wie Heckhoffs Schilderungen an die Medien gelangen konnten, ist noch unklar.

Die Behörden sind angesichts des Artikels verstimmt. "Wir müssen derzeit davon ausgehen, dass in dem Artikel Informationen verarbeitet sind, die unbefugt an die Bild-Zeitung gelangten", heißt es in einem Statement von Dienstagmorgen. Nun wird ein "entsprechendes Ermittlungsverfahren" eingeleitet, um das Leck aufzuspüren.

Die Tatsache, dass die Schilderungen Heckhoffs überhaupt an die Öffentlichkeit gelangten, ist für die Behörden offenbar äußerst ärgerlich. Offenbar handelt es sich um Auszüge aus den Vernehmungsprotokollen. Deren Inhalt ist pikant, denn sie offenbaren Sicherheitslücken in der Justizvollzugsanstalt Aachen. Demnach haben beide Männer eine Pistole von einem Mitarbeiter der JVA gekauft, mit dem sie einen Wärter und einen Pförtner bedroht hatten. Bislang hieß es, beide Täter hätten ein Messer als Waffe benutzt. Den Schlüssel, mit dem sie mehrere verschlossene Türen öffneten, hatten sie sich laut Heckhoff in der Gefängnis-Schlosserei angefertigt. Das Muster dafür habe ihnen ein Wärter gegeben.

In einem für sie günstigen Augenblick ergriff das Duo die Chance zur Flucht. Mit einem zufällig vorbeikommenden Taxi fuhren sie in eine Gaststätte, wo sie einen neuen Wagen bestellten. Anschließend ging es auf den Kölner Weihnachtsmarkt. Die erste Nacht in der Freiheit verbrachten sie frierend unter einer Brücke. Am nächsten Morgen sprach Michalski in der Stadt ein Mädchen an, mit dessen Auto sie dann nach Essen fuhren.

Irrfahrt durch das Ruhrgebiet

Am Baldeneysee im Süden der Ruhrmetropole wäre das Ausbrecherduo der Polizei fast ins Netz gegangen. Doch die SEK-Beamten entdecken die Flüchtigen nicht in ihrem Versteck - hinter zwei Schubkarren. Schließlich machten Michalski und Heckhoff die Villa mit dem älteren Ehepaar aus, das sie später als Geiseln nahmen.

Einen Tag später fuhren sie mit den Leuten durch das Ruhrgebiet und landeten schließlich in Mülheim. Es folgte die Nacht in dem leerstehenden Iduna-Hochhaus und die unblutige Festnahme Heckhoffs am nächsten Morgen. "Wir hatten ja gar keinen Plan", zitiert das Blatt Heckhoff. Michalski konnte sich absetzen.

Von dem 46-Jährigen fehlt weiterhin jede Spur. Am Montag konzentrierte sich die Suche auf den Raum Ostwestfalen. Nachdem der Flüchtige zunächst in Bielefeld vermutet wurde, wollten zwei Zeugen den Mann in Gütersloh gesehen haben. Die daraufhin gestartete Suchaktion verlief aber erfolglos. 

Es wird jedoch erwartet, dass Michalski in nächster Zeit eine Apotheke aufsuchen wird, da er auf schmerzstillende Medikamente angewiesen ist. Derweil weitet die Polizei ihren Suchschwerpunkt aus. Gesucht werde nicht nur im Raum Ostwestfalen, sondern bundesweit, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei am Dienstagmorgen.

Heckhoff bietet sich als Vermittler an     

Unterdessen hat Heckhoff nach Angaben seines Anwalts Michalski gebeten, sich der Polizei zu stellen, "bevor Schlimmeres passiert". Nach ZDF-Angaben hat er sich den Behörden als Vermittler angeboten. Dies habe der Anwalt des 50-Jährigen dem Sender bestätigt. Danach könnte Heckhoff beispielsweise helfen, die Lage zu deeskalieren, wenn Michalski sich vor einer drohenden Verhaftung mit Geiseln verschanzt haben könnte. In der "Bild" sagte Heckhoff noch: "Der Paul könnte nie einem etwas tun." Tatsächlich lief die Festnahme Michalskis offenbar ohne Gegenwehr ab.

Das Fluchtmotiv hingegen ist klarer. Vor allem die "hoffnungslose Situation" habe ihn zum Ausbruch bewegt, erklärte Heckhoff. "Der Ausbruch war eine Trotzreaktion auf die Vollzugsumstände im Knast". Zuletzt hatte ihm die Leiterin der JVA den Ausgang gestrichen, den er in anderen Gefängnissen hatte. Die Veröffentlichung des Berichts und die Kritik an der JVA dürfte eine neue Debatte über die Gefängnisse in NRW anstoßen. 


 
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