Nur der Westen blieb verschont: Heftige Unwetter wüteten über Deutschland
zuletzt aktualisiert: 16.06.2007 - 13:08Frankfurt/Main (RPO). Tornadoverdächtige Sturmböen, starke Regenfälle - weite Teile Deutschlands wurde in der Nacht zu Samstag wieder von heftigen Unwettern heimgesucht. Dächer wurden abgedeckt, Keller und Straßen überflutet, mancherorts fiel die Regenmenge eines ganzen Monats. Nur der Westen blieb verschont.
In Oberbayern wurden laut Polizei Dächer abgedeckt und Keller überflutet, auf der A 8 mussten Schneeräumer eine Hagelkörnerdecke beseitigen. In der Nähe von Bremen gab es heftige Sturmböen, die sich laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sogar als Tornado herausstellen könnten. Teilweise fiel innerhalb weniger Stunden das gesamte Regensoll eines Monats. Lediglich der Westen des Landes blieb verschont.
Auslöser der schweren Unwetter, die vor allem im Osten, aber auch im Norden und Südosten wüteten, war eine Kaltfront, die bis zum Samstag Deutschland überquerte und die schwül-heiße Luft nach Polen abdrängte. Da der Westen Deutschlands am Freitagabend bereits in der kühleren Luftmasse hinter der Kaltfront lag, blieb diese Region von Unwettern verschont.
Dafür ergoss sich über die restlichen Landesteile starker Dauerregen mit teilweise mehr als 50 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. In Klingenthal-Kamerun im Erzgebirge maß der DWD von Freitagmorgen bis Samstagmorgen 86,5 Liter Regen, allein 64 Liter davon fielen in der Nacht.
In Königsmoor zwischen Hamburg und Bremen wurden 74,7 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. In Westertimke bei Bremen könnte es laut DWD zudem einen Tornado gegeben haben, die Daten müssten aber erst noch ausgewertet werden. Auch die Polizei in Oberbayern sprach vom "Verdacht einer tornadoähnlichen Entwicklung" in Babensham, wo schwere Sturmböen zehn Hausdächer abdeckte. Dabei entstand Sachschaden in Höhe von 750.000 Euro.
Die Bahnstrecke Rosenheim-München war im Bereich Soyen wegen umgestürzter Bäume bis zum Samstagvormittag gesperrt. Auf der A 8 München - Salzburg kam es im Bereich Holzkirchen auf Grund starken Regens und Hagels zu erheblichen Behinderungen, die Autobahnmeisterei musste eine dicke Schicht Hagelkörner mit Schneeräumfahrzeugen entfernen.
In den nächsten Tagen ist laut DWD wegen der deutlich frischeren Atlantikluft die Gefahr schwerer Unwetter und ergiebiger Regenfälle erst einmal deutlich vermindert. Wenn überhaupt, kommt es bei Temperaturen zwischen 21 und 27 Grad nur noch zu "normalen" Gewittern. Ab Dienstag schaufelt allerdings ein kräftiges Tief vor der Küste Westeuropas erneut schwül-heiße Mittelmeerluft nach Deutschland, so dass sich ab der Wochenmitte erneut "eine lupenreine Unwetterlage" andeutet.
Danach rechnen die Meteorologen nach den bisherigen Computermodellen mit einer grundlegenden Änderung der Großwetterlage: Ab dem kalendarischen Sommerbeginn kommen die Luftmassen wohl nicht mehr aus den subtropischen Regionen, sondern zunehmend aus den polaren Breiten. Das bedeutet: Es wird kühl und unbeständig.
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