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"Foodwatch" attackiert Bundesregierung: Heftiger Streit um Uran-Belastung

zuletzt aktualisiert: 05.08.2008 - 19:25

Frankfurt/Berlin (RPO). Ein Bericht über die Uran-Belastung des Trinkwassers hat einen heftigen Streit entfacht. Verbraucherschützer und das Bundesgesundheitsministerium liegen im Clinch. Die Organisation "Foodwatch" warf der Bundesregierung eine "schwerwiegende Verletzung der Fürsorgepflicht" vor.

Foto: AP, AP

Die Behörden müssten eigentlich eingreifen, wenn der Uran-Wert zehn Mikrogramm überschreite, sagte Geschäftsführer Thilo Bode am Dienstag bei N24. Das Ministerium wies den Vorwurf zurück: "Wir haben keinen Fehler gemacht. Für die Umsetzung der Trinkwasserverordnung sind die Kommunen verantwortlich", sagte Sprecher Klaus Vater der AP.

Man prüfe aber, ob ein bundesweit einheitlicher Uran-Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter eingeführt werden solle. Experten des Umweltbundesamtes warnten Verbraucher vor Panik.

Laut Foodwatch ist das Leitungswasser in manchen Regionen Deutschlands stark mit Uran belastet: In 150 von 8.000 Proben habe der Anteil des giftigen Schwermetalls über dem Leitwert des Umweltbundesamtes von zehn Mikrogramm gelegen.

Der höchste erhobene Wert wurde laut Statistik mit 39,9 Mikrogramm Uran pro Liter Wasser vom Gesundheitsamt im unterfränkischen Landkreis Haßberge für den Ort Maroldsweisach gemessen. Auch in einer Einzelversorgungsanlage in Lobenrot im Landkreis Esslingen bei Stuttgart sei die Belastung mit 33 Mikrogramm pro Liter besonders hoch gewesen.

Auch das Wasserwerk Reimershagen im Landkreis Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) gehört laut Foodwatch mit gemessenen 30,08 Mikrogramm in diese Kategorie. Die Organisation hat die Daten nach eigenen Angaben von den zuständigen Landesministerien angefordert, allein Hessen habe keine Informationen zur Verfügung gestellt.

Länder fordern einheitlichen Grenzwert

"Uran im Trinkwasser hat toxische Wirkung. Das schädigt die Nieren", sagte Foodwatch-Chef Bode. Nicht umsonst gebe es den Richtwert des Umweltbundesamtes von zehn Mikrogramm Uran pro Liter.

Die Bundesregierung habe es versäumt dafür zu sorgen, dass dieser Leitwert nicht überschritten werde. "Und das ist wirklich eine schwerwiegende Verletzung der Fürsorgepflicht des Staates", erklärte er.

Druck auf das Bundesgesundheitsministerium kommt auch aus den Ländern. Die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Margit Conrad (SPD) erklärte, ihr Land habe Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) bereits im März aufgefordert, einen einheitlichen Uran-Höchstwert festzusetzen.

"Die Verbraucher müssen sich beim Kauf von Mineralwasser in Zukunft darauf verlassen können, dass die Produkte in den Regalen europaweit einen einheitlichen Grenzwert aufweisen", sagte sie.

Unterstützung erhielt sie von der Sozialministerin Sachsen-Anhalts, Gerlinde Kuppe (SPD), die in der "Mitteldeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe) einen "harten Grenzwert" forderte. Sonst werde der Verbraucher verunsichert und die Unternehmen erlitten Imageverluste.

Laut Umweltbundesamt kein Grund zur Panik

Der Trinkwassertoxikologe des Umweltbundesamtes, Hermann Dieter, sagte der AP, eine Uran-Belastung des Trinkwassers sei bis zu zehn Mikrogramm Uran pro Liter unbedenklich. "Doch wer sein Leben lang einer höheren Belastung ausgesetzt ist, muss statistisch ab dem 70. Lebensjahr mit einer leichten Nierenschädigung rechnen", sagt Dieter. "Zur Panik besteht aber überhaupt kein Anlass", erklärte er.

Quelle: ap

 
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