Hildesheim: Heilpraktikerin gab falschen Ratschlag: Baby verdurstet
zuletzt aktualisiert: 23.12.2006 - 12:41Hildesheim (RPO). Ein Baby im Landkreis Hildesheim ist offenbar verdurstet, weil eine Heilpraktikerin den Eltern falsche Ratschläge gegeben hat. Sie forderte die Mutter einem Medienbericht zufolge auf, das Kind seltener zu stillen. Daraufhin bekam es zu wenig Flüssigkeit. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen die Heilpraktikerin und die Eltern des Kindes.
Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen die Heilpraktikerin und die Eltern des Mädchens wegen Tötung durch Unterlassen, schreibt die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Offenbar handele es sich aber nicht um einen Fall von Kindesvernachlässigung. Erst am Freitag war bekannt geworden, dass in Erding bei München ein Säugling an Mangelernährung gestorben war.
"Die Eltern sind offenbar von einer Heilpraktikerin über die Ernährung des Kindes falsch informiert worden", sagte Staatsanwalt Bernd Seemann der "Hildesheimer Allgemeinen" laut einem Bericht. Demnach fuhren die Eltern offenbar bereits am vergangenen Dienstag mit dem Kind in ein Krankenhaus in Hannover, wo nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Nach Informationen der beiden Blätter hatte die Mutter den falschen Rat befolgt, die Stillzeit zu reduzieren. Dadurch habe das Kind zu wenig Flüssigkeit bekommen.
Acht Tage vor dem Tod waren die Eltern den Berichten zufolge mit ihrer Tochter noch bei einer der Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt gewesen. "Anschließend ist es dann zu dem Fehler bei der Ernährung gekommen", wurde der Staatsanwalt in den Zeitungen zitiert. Die Familie lebt demnach in bürgerlichen Verhältnissen. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass das Kind vernachlässigt worden sei.
Den Berichten zufolge befindet sich das zwei Jahre alte Geschwisterkind des kleinen Mädchens in einer guten Verfassung. Das habe ein Besuch des zuständigen Jugendamtes vom Landkreis Hildesheim ergeben.
Die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) erklärte, Kinderschutz sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. "Der neuerliche Fall ist sehr tragisch", erklärte sie. In seiner Dimension sei er aber anscheinend nicht mit anderen Fällen von Kindesvernachlässigung zu vergleichen. Behörden, Ärzte und das direkte Lebensumfeld der Betroffenen müssten wachsam sein.
Unterschiedliche Angaben gab es zum Alter des Mädchens: Laut "Hannoverscher Allgemeiner Zeitung" war es etwa ein Jahr alt, die "Hildesheimer Allgemeine" schreibt von einem Alter von sieben Wochen. Die Staatsanwaltschaft war am Samstag zunächst nicht zu erreichen. Die Polizei gab zu dem Fall keine Auskünfte.
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