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Rocker-Produkte im Supermarkt
Hells-Angels-Bier "81" sorgt für Wirbel

Wer sind die Hells Angels?
Wer sind die Hells Angels? FOTO: AP
Hannover (RPO). In Duisburg läuft derzeit ein Mordprozess gegen ein Mitglied der Rockergruppe Hells Angels. Zahlreiche Politiker fordern ein Verbot der Vereinigung. Jetzt machen die Hells Angels neue und unerwartete Schlagzeilen. Grund dafür ist die Getränkemarke "Original 81", die kurzzeitig in einigen großen Supermärkten verkauft wurde. Von Dana Schülbe

Eine rote Flamme lodert auf den Flaschen mit dem schwarzen Etikett, umrandet von goldenen Sternen. "Beer 81 support" ist darauf zu lesen. Doch nicht nur Gerstensaft bietet die "Original 81 Vertriebsgesellschaft" an. Auch Hochprozentiges wie Wodka oder Rum ist zu haben, ebenso Sekt oder Likör.

Den Namen für die Getränkelinie erklärt die Gesellschaft auf ihrer Webseite gleich selbst. Die Zahlen stehen für die entsprechenden Buchstaben im Alphabet - also die 8 für das H und die 1 für das A. Das stehe als Abkürzung für den Motorradclub Hells Angels. Auch wirbt der Chef der Hannover-Sektion der Hells Angels, Frank H., laut einem Berich des NDR ganz offen mit dem Produkt. So habe er die Produkte bereitwillig bei einer Weihnachtsfeier im Dezember 2009 vor einem Fernsehteam präsentiert.

Empörung beim BDK

Seit Februar stand die Getränkelinie auch in einigen Regalen von vier Real-Supermärkten im Raum Hannover. Mit dem Slogan "Neu bei Real" wurde damit geworben. Nun ist  allerdings Schluss. Die Kette verbannte die Marke wieder aus den Regalen.

Denn dass die Getränke dort zu haben waren, hatte für Empörung beim stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Bernd Carstensen aus Kiel, gesorgt. "Wenn die 'Hells Angels' mit ihren Produkten bereits den Schritt in die großen  Supermarktketten geschafft haben, dann ist ihnen der Schritt aus der Schattenwirtschaft gelungen", sagte er dem NDR.

Dass die Getränke von Einzelhändlern verkauft werden, dagegen ist rein rechtlich nichts einzuwenden, weiß Carstensen. Trotzdem sieht er laut NDR eine bedrohliche Entwicklung, da bundesweit Rockergruppen von den Spezialabteilungen für organisierte Kriminalität beobachtet würden.

"Wir wissen, dass bundesweit überall Ermittlungsverfahren laufen, in denen Mitglieder der 'Hells Angels' auf strafrechtliche Relevanz überprüft werden", sagte er dem Sender. Dass sollten seiner Ansicht nach die Unternehmer wissen, wenn sie solche Produkte in ihr Sortiment aufnehmen würden. Er fordert Distanz.

Auch das Landeskriminalamt Niedersachsen zeigt sich besorgt. "Es ist befremdlich, wenn einerseits von Mitgliedern schwerste Straftaten begangen werden, andererseits mit dem Label 'Original 81' Geld erwirtschaftet wird", sagte Sprecher Frank Federau der "Bild"-Zeitung.

Frank H. von der Sektion Hannover dagegen sagte dem Blatt: "Original 81 war zwar meine Idee, hat aber mit den Hells Angels sonst nichts zu tun. Das ist eine Hetzkampagne gegen uns. Es wird keiner gezwungen, die Produkte zu kaufen."

Rund 190 Anbieter

Auf ihrer Internetseite hat die "Original 81 Vertriebsgesellschaft" aufgelistet, wer ihre Produkte inzwischen im Sortiment hat. Von Kiosken über Tankstellen, Gastronomie bis zum Getränkehandel reicht die Liste - rund 190 Anbieter in der Zahl, viele davon in Niedersachsen.

Und um wirksam für das Produkt zu werben, bietet der Vertrieb auch Werbematerial für die Kneipe an. Das reicht vom Kühlschrank mit entsprechendem Flammenaufdruck über Schürzen bis hin zu Whiskygläsern. Auch Feuerzeuge sind zu haben, sogar eine eigene Zigarettenmarke - in schwarzer oder weißer Verpackung - gibt es.

Real jedenfalls hat auf die Kritik Carstensens reagiert. "Erst vergangene Woche haben wir von der Verbindung der 'Original 81 Vertriebsgesellschaft' zu den Hells Angels erfahren und die Produkte umgehend aus dem Sortiment genommen", sagte Real-Sprecher Markus Jablonski der "Hannoverschen Allgemeinen". Aufgenommen worden sei das Sortiment auf Wunsch einzelner Kunden.

 
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