Erstes Interview nach dem Tod seiner Frau: Helmut Schmidt: "Keine Angst vor dem Tod"
zuletzt aktualisiert: 08.11.2010 - 09:15(RP). Seine Erschütterung hat er versucht zu verbergen. Als Altbundeskanzler Helmut Schmidt (91) am vergangenen Montag beim feierlichen Staatsakt vor den Augen der Öffentlichkeit von seiner Frau Loki Abschied nehmen musste, war ihm die tiefe Trauer ins Gesicht geschrieben. Immer wieder hob er die Hände vor das Gesicht – wie zum Schutz.
Doch nur zwei Tage später hat er seine Aufgabe als Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" wieder aufgenommen und ist in die Hamburger Redaktion gefahren. Dort sprach er in einem Interview mit "Zeit"-Herausgeber Giovanni di Lorenzo erstmals über seinen schweren Verlust. In diesem Gespräch zeigt er sich wieder als der gewohnt nüchterne Hanseat.
Er spüre zwar, dass sich viele Menschen in Deutschland nun Sorgen um ihn machten, doch sei das übertrieben. "Das Normale ist ja, dass man in diesem Alter längst auf den Friedhof gehört. Wir sind beide viel älter als der Durchschnitt geworden", so Schmidt. "Loki hatte keine Angst vorm Tode. Und ich habe auch keine Angst vor dem Tod."
Einen Tag nach der öffentlichen Trauerfeier hatte Schmidt die Asche seiner Frau im Grab seiner Familie auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf beigesetzt. Nur seine Tochter Susanne war bei ihm. Ein schlichter Marmorstein und zwei Rhododendron-Büsche stehen auf der Grabstelle.
Dass er seine Arbeit so kurz nach dem Begräbnis wieder aufnahm, kommentiert Schmidt ebenfalls gewohnt besonnen: "Das Leben geht weiter, und die Zeitung muss auch weitergehen."
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