Altkanzler sitzt im Rollstuhl: Helmut Schmidt spricht über seine Schmerzen
zuletzt aktualisiert: 06.11.2009 - 08:00Berlin (RPO). Altkanzler Helmut Schmidt (90) bewegt sich fast nur noch im Rollstuhl vorwärts. Das Gehen am Stock sei ihm zu schmerzhaft geworden, sagte Schmidt einer Zeitung in einem Interview. Auf eine Frage nach seinem Befinden nach monatelanger Krankheit antwortete er: "das Lebensalter eingerechnet einigermaßen gut."
Der 90-Jährige sagte der "Bild"-Zeitung zu den Spekulationen über seinen Gesundheitszustand: "Ich saß hier am Schreibtisch und dachte mir, frei nach Mark Twain: Die Gerüchte über meinen Tod sind recht übertrieben."
Er habe an "vielerlei Geschichten" gelitten, "darunter eine äußerst schmerzhafte Gürtelrose im Gesicht. Zeitweise konnte ich nichts mehr sehen. Dazu kamen Probleme mit der Niere, der Hüfte." Seit einigen Wochen sei er nur noch im Rollstuhl unterwegs, weil ihm das Gehen am Stock zu schmerzhaft geworden sei, so Schmidt. Er könne damit mittlerweile sogar Pirouetten drehen.
Der angesehene SPD-Politiker und Mit-Herausgeber der Wochenzeitung die Zeit äußerte sich auch zum 20-jährigen Jahrestag des Mauerfalls am 9. November. Ost und West sind seine Ansicht nach noch immer nicht zusammengewachsen. "Der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen", sagte Schmidt dem Blatt. Er selbst habe den 9. November 1989 vor dem Fernseher verbracht: "Dort sah ich, wie die schreckliche Teilung Deutschlands friedlich, ohne einen Schuss, überwunden wurde - und mir kamen die Tränen."
Tags darauf seien bereits die ersten Schmidt-Fans aus der DDR in Hamburg angekommen, erinnert sich Schmidt: "Da war unser Haus belagert von DDR-Bürgern, die sich mit ihrem Trabbi durchgekämpft hatten bis nach Hamburg-Langenhorn, um zu sehen, wo diese Schmidts wohnen." Er selbst habe damals nicht damit gerechnet, dass die Wiedervereinigung zu seinen Lebzeiten geschehen könnte.
Schmidt hob die Leistung Helmut Kohls als Kanzler der Einheit hervor: "Diese Chance hätte jeder gern gehabt - ob Willy Brandt, Helmut Schmidt oder eben Helmut Kohl! Wichtig war, dann auch im entscheidenden Moment das Richtige zu tun."
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