Unterwegs in den Alpen: Herkunft geklärt: Wilder Bär hat jetzt einen Namen
zuletzt aktualisiert: 30.05.2006 - 10:57München/Innsbruck (rpo). Seit Wochen treibt ein wilder Bär in den deutschen und österreischen Alpen mehr oder weniger sein Unwesen. Derzeit wird spekuliert, dass der braune Riese schon wieder in Deutschland ist. Experten gelang es jetzt, den Namen sowie die Herkunft des Tieres eindeutig zu klären.
Es handle sich bei dem Tier um "JJ1", sagte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums am Dienstag . Diese Bezeichnung setze sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Mutter "Jurka" sowie des Vaters "Joze" zusammen. Die Eins bedeute, dass das Tier das Erstgeborene ist. Die Tiere stammen den Angaben zufolge aus dem Adamello-Brenta-Naturpark in Südtirol, wo sie im EU-Förderprogramm "LIFE" wieder angesiedelt wurden.
Zunächst gab es Spekulationen darüber, es könne sich um "JJ2" handeln, einen Bären, der ebenfalls bereits auffällig geworden ist. Dieser habe im schweizerischen Nauders vor einiger Zeit sein Unwesen getrieben. Eichhorn sagte, auch das Muttertier verhalte sich auffällig. "Jurka" sei zwar nicht bösartig, zähle aber in Italien zu den Problembären. "JJ1" habe sein Jagdverhalten von der Mutter gelernt.
Die Identität des Tieres gab lange Rätsel auf. Experten sammelten sogar Kotproben des Tieres, um einen genetischen Fingerabdruck erstellen zu können.
Diskussion über wilde Tiere geht weiter
In Bayern geht die Diskussion über den Umgang mit einwandernden Wildtieren unvermindert weiter. Der Bund Naturschutz forderte von der Politik einen Plan, wie mit wiederkehrenden Tierarten verfahren werden soll. Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) sprach sich für ein alpenweit einheitliches Vorgehen im Umgang mit Bären aus. Die Umweltschutzorganisation WWF bekräftigte, bei dem Tier handele es sich um einen so genannten Problembären, der schnellstens eingefangen werden müsse.
Nach Polizeiangaben hatte ein Bauer am Sonntag die Behörden verständigt, dass er im Bereich der Schlagalm im Gebiet Fügenberg zwei tote Ziegen gefunden habe. Ein weibliches Tier habe unmittelbar neben der Alm, der Ziegenbock rund 50 Meter von der Alm entfernt auf einer Wiese gelegen. Von dem Kitz fehlte den Angaben zufolge jede Spur. Die Behörden gingen davon aus, dass es ebenfalls vom Bären getötet wurde.
Der für die Region zuständige Bärenexperte habe die toten Tiere untersucht und bestätigt, dass sie von einem Bären gerissen wurden. Die Alm ist nachts nicht bewohnt. Den Bär selbst hat niemand gesehen.
In der Nacht zum Montag verständigte ein Tiroler Taxifahrer die Polizei, nachdem er einen Bären im Raum Pertisau nahe des Achensees gesehen hatte. Das Tier sei etwa 50 Meter von dem Taxi entfernt auf die Fahrbahn gelaufen und anschließend im Wald verschwunden. Die Wahrscheinlichkeit ist nach Expertenangaben sehr groß, dass es sich dabei um das seit Tagen gesuchte Tier handelte.
Schnappauf teilte mit, der "verhaltensauffällige junge Braunbär" mache "die Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden Koordinierung offensichtlich". WWF-Sprecher Jörn Ehlers sagte, man sei dem Tier nach wie vor auf der Spur. Problematisch sei nach wie vor die hohe Aktivität des Tieres.
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