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Krebserregender Schimmelpilz
Hochgiftiges Futtermittel nach NRW geliefert

Die wichtigsten Fakten zu Schimmelpilzen
Die wichtigsten Fakten zu Schimmelpilzen FOTO: dpa, Hans Wiedl
Hannover. Neuer Schock für die Landwirtschaft: Im Tierfutter für Schweine, Rinder und Geflügel ist ein krebserregendes Schimmelpilzgift gefunden worden. Tausende Tonnen von verseuchtem Mais wurden geliefert.

In ganz Deutschland sind tausende Tonnen des verseuchten Maises im Futter für die Nutztiere gelandet. Der größte Teil des mit einem krebserregenden Schimmelpilz vergifteten Futters gelangte an mehr als 3500 Höfe in Niedersachsen. Das teilte das Agrarministerium am Freitag in Hannover mit. Das Ministerium sieht gegenwärtig jedoch keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher.

Geringere Mengen des Futters mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 seien nach Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern gelangt, teilte das niedersächsische Ministerium mit. In NRW gibt es nach Angaben der Behörden bereits 15 Verdachtsfälle. Insgesamt kamen 45.000 Tonnen verseuchten Maises aus Serbien. Davon kamen 10.000 Tonnen über niedersächsische Futtermittelhersteller in Umlauf.

Verseuchtes Tierfutter soll nach ersten Erkenntnissen auch an 22 Putenmastbetriebe in Sachsen-Anhalt geliefert worden sein. Milchbetriebe sind dort nicht unter den Empfängern des Futters mit krebserregendem Schimmelpilzgift, wie das Agrarministerium am Freitag in Magdeburg mitteilte. Die betroffenen Firmen und die Futtermittelsilos seien vorsorglich gesperrt worden. Es werde geprüft, ob die entsprechende Futter-Charge tatsächlich in den Unternehmen angekommen ist und in welchem Umfang sie bereits verfüttert wurde,

Bund warnte schon im Oktober

Das Bundesverbraucherministerium hat die Länder bereits im Herbst wegen möglicher Belastungen von Mais mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin gewarnt. In den vergangenen Monaten sei EU- weit eine Reihe von Schnellwarnmeldungen zu erhöhten Aflatoxin- Gehalten in Mais aus verschiedenen EU-Staaten eingegangen, bestätigte ein Sprecher auf dpa-Anfrage am Freitag in Berlin. Das Ministerium habe daher im Oktober die für Futtermittelkontrollen zuständigen Länderbehörden und die Wirtschaft auf die Gefahr erhöhter Werte aus der Maisernte 2012 hingewiesen und um erhöhte Wachsamkeit gebeten.

Pferdefleisch- und Bio-Eier-Skandal

Das ist binnen weniger Wochen der dritte Lebensmittelskandal in Deutschland. Vor zwei Wochen war in Rindfleischprodukten europaweit Pferdefleisch entdeckt worden. Kurz darauf war bekanntgeworden, dass Millionen Eier als Freiland- und Bio-Eier verkauft worden sein sollen, obwohl die Produzenten die entsprechenden Richtlinien nicht einhielten.

Der Mais mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 wurde allein in Niedersachsen von 13 Herstellern zu Futter für Schweine, Rinder und Geflügel verarbeitet. Der zulässige Höchstwert von 0,02 Milligramm pro Kilo sei um mehr als das Zehnfache überschritten worden. Schon geringe Überschreitungen der Höchstmenge könnten zum Beispiel zu einer kritischen Belastung von Rohmilch führen. Wenn Molkereien die Milch von verschiedenen Höfen abholen, wird sie den Angaben zufolge vermischt.

"Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand erscheint es uns als nicht sehr wahrscheinlich, dass eine Gesundheitsgefahr von dieser Überschreitung ausgeht", sagte Landwirtschafts-Staatssekretär Udo Paschedag. Die Behörden seien aber erst dabei, alle Lieferketten zu rekonstruieren und die nötigen Kontrollen anzugehen. Vieles sei ungeklärt. "Wann die letzte Fütterung war, können wir noch nicht sagen", sagte Paschedag.

Auch der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel, befürchtet keine Gesundheitsgefahren für Menschen aus dem krebserregenden Mais im Tierfutter. "Hier haben wir im Moment keine Anzeichen für eine Gesundheitsgefährdung des Verbrauchers", sagte Hensel am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Milch soll kontrolliert werden

Die 45.000 Tonnen Mais seien über den niedersächsischen Hafen Brake importiert worden. 10.000 Tonnen wurden dort, 25.000 Tonnen in einer Lagerhalle in Bremen gelagert. Diese Bestände dürfen nicht mehr ausgeliefert werden.

Die Milch aller mit dem belasteten Futter belieferten Höfe soll dem Hannoveraner Ministerium zufolge kontrolliert werden. Noch an diesem Freitag werde damit begonnen. Bislang sei nicht bekannt, ob die Milch in den Tanks der Molkereien zu hohe Giftmengen enthält. Dort werde die Milch, bevor sie zu handelsüblicher Konsummilch verarbeitet werde, gesammelt. Die Molkereien kontrollierten monatlich die sogenannten Stapeltanks.

(dpa/afp/sgo/felt)
 
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