Lage in Sachsen und Brandenburg entspannt sich: Hochwasser erreicht am Mittwoch Berlin
zuletzt aktualisiert: 11.08.2010 - 06:13Berlin (RPO). In den Hochwassergebieten in Sachsen und Brandenburg hat sich die Lage entspannt. In Sachsen ist der Katastrophenalarm in allen Gebieten wieder aufgehoben worden, die Pegelstände sinken. Allerdings wird bald wieder neuer Regen erwartet.
Die Pegelstände von Neiße und Spree seien spürbar zurückgegangen, sagte ein Sprecher des Krisenstabes der Kreisverwaltung Spree-Neiße am Mittwochmorgen. In der Stadt Guben gebe es zwar noch immer undichte Sickerstellen an einigen Deichen, die würden aber von der Feuerwehr kontrolliert und gegebenenfalls ausgebessert.
Aus der Talsperre bei Spremberg wird seit dem Abend kontrolliert Wasser abgelassen. Dadurch stiegen die Pegel in Cottbus und Neuhausen leicht an.
"Im Augenblick ist die Situation entspannt", sagte auch Umweltminister Frank Kupfer (CDU). Für die kommenden Tage werden jedoch neue Niederschläge erwartet. In Brandenburg erreichte der Flutscheitel der Neiße die Stadt Guben. Südlich davon bei Forst und Klein Bademeusel gingen die Wasserstände wieder zurück.
In Berlin wird die Hochwasserwelle am Mittwoch erwartet. Allerdings wird sie sich nach Einschätzung der Experten so weit abgeschwächt haben, dass die Hauptstadt kaum betroffen sein dürfte. Es sei nicht zu erwarten, dass die Spree so stark wie 1981 ansteigen werde, hieß es. Damals kam es zu lokalen Überschwemmungen.
Die Einwohner des evakuierten brandenburgischen Neiße-Ortes Klein Bademeusel konnten am Dienstag wieder in ihre Häuser zurückkehren. Angesichts der Flutwelle mit einem Höchstwasserstand von 5,28 Metern waren am Montagabend 77 Bürger des Ortes vorsorglich in Sicherheit gebracht worden. Bis Dienstagmittag sank der Pegel dort nach Angaben des Hochwassermeldezentrums Cottbus wieder auf 4,29 Meter und damit deutlich unter den Richtwert für die Alarmstufe 4.
In Guben wurde die höchste Alarmstufe 4 mit 6,27 Metern am Dienstagmittag knapp verfehlt. Der Neißedeich war dort zuvor mit Sandsäcken verstärkt worden.
Auf der Spree wurde nach Öffnung der Talsperre Spremberg zunächst mit einem Abfluss von 30 Kubikmetern pro Sekunde begonnen, wie der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, sagte. Die Abflussmenge sollte später auf 70 Kubikmeter gesteigert werden. Freude rechnete nicht mit größeren Überflutungen im Stadt- und Randgebiet von Cottbus. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte, bisher seien die durch das Hochwasser der Spree verursachten Schäden in Südbrandenburg überschaubar.
Sachsen rechnet mit Schaden in dreistelliger Millionenhöhe
Die sächsische Staatsregierung geht nach einer groben Schätzung derzeit von einer Schadenssumme in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages aus. Allein an den öffentlichen Gebäuden im Landkreis Görlitz entstand ein Schaden von 52 Millionen Euro.
In dem Landkreis war der Katastrophenalarm am Dienstagmittag der Katastrophenalarm aufgehoben worden. In Görlitz galt bei einem Wasserstand von 4,48 Metern noch die Alarmstufe zwei. Die Tendenz war aber nach Angaben des Landeshochwasserzentrums weiter fallend. Am Wochenende hatte die Neiße in Görlitz einen Pegelstand von mehr als sieben Metern erreicht.
Das Kabinett in Sachsen hat als Soforthilfe ein Hilfsprogramm beschlossen. Auch der Bund will sich an den Hilfen beteiligen.
Am Unesco-Welterbe Fürst-Pückler-Park gab es nach den Worten des Bürgermeisters von Bad Muskau, Andreas Bänder (CDU), keine größeren Schäden. Ins Schloss sei lediglich "ein bisschen Grundwasser" eingedrungen. Auch das in weiten Teilen überflutete Parkgelände wurde weniger zerstört als befürchtet. Bis zum Wochenende seien die Aufräumarbeiten wahrscheinlich abgeschlossen und der Park wieder für Besucher zugänglich.
In den Oberläufen der Neiße muss allerdings aufgrund neuer Niederschläge in den kommenden Tagen wieder mit Hochwasser gerechnet werden. Das Landeshochwasserzentrum wird daher laut einer Sprecherin vorerst keine Entwarnung geben und den Hochwassernachrichtendienst mindestens bis zum Wochenende für alle Flussgebiete in Sachsen aufrecht erhalten.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Sachsen kritisierte die Hochwasserschutzpolitik der Staatsregierung. Statt den Flüssen mehr Raum für den Notfall zu geben, werde weiterhin versucht, durch Deichbauten und Hochwassermauern "die Fluten zu zähmen", sagte der BUND-Landesvorsitzende Hans-Udo Weiland.
Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft nach dem Hochwasserunglück in Neukirchen bei Chemnitz mit drei Toten. Um den Sachverhalt und die genauen Todesumstände zu klären, sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte der Chemnitzer Oberstaatsanwalt Bernd Vogel. Dabei handele es sich um eine Routinemaßnahme. Feuerwehrleute hatten am Samstag beim Auspumpen eines Kellers die Leichen einer 72-jährigen Frau, von deren 74-jährigem Ehemann und eines 63-jährigen Mannes entdeckt.
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