Todesschütze im Fall Ohnesorg: "IM Bohl" muss um Polizei-Pension bangen
zuletzt aktualisiert: 23.05.2009 - 20:49Berlin (RPO). Karl-Heinz Kurras, Todesschütze im Fall Ohensorg und mutmaßlicher Stasi-Spion, lebt von seinen Pensionsbezügen als Kriminalobermeister in Berlin. Nun fordert der ehemalige Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Schütz, Kurras' Beamtenrechte zu überprüfen.
"Ich halte es für einen Skandal, dass jemand wie Kurras offenbar seine Pensionsbezüge ohne eine Dienstaufsichtsbeschwerde weiter bezieht", sagte Schütz der "Welt am Sonntag". Er gehe davon aus, dass der Berliner Polizeipräsident die Frage prüfen werde.
Am Donnerstag war bekannt geworden, dass der Todesschütze, der inzwischen pensionierte Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras, seit 1955 für die Stasi spionierte. Schütz war im Oktober 1967 zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt worden, nachdem sein Vorgänger, Heinrich Albertz, wegen des Todes von Benno Ohnesorg zurückgetreten war.
Kurras, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, soll nach einem "Spiegel"-Bericht die DDR-Staatssicherheit über Jahre mit Interna der West-Berliner Polizei versorgt haben. Wie das Nachrichtenmagazin am Samstag vorab berichtete, lieferte Kurras als IM "Otto Bohl" vor dem tödlichen Schuss auf Ohnesorg Informationen über Mitarbeiter, Personalveränderungen und die Arbeitsweise verschiedener Polizeidienststellen. Zusätzlich habe er Personendaten von DDR-Flüchtlingen gesammelt, geplante Durchsuchungen bei Spionage-Verdächtigen verraten und die Stasi über Fluchthelfer, mögliche Fluchttunnel und unterirdische Schießanlagen der Alliierten informiert.
Seine Führungsoffiziere statteten Kurras laut Stasi-Akten mit einem Satz Abhör-Mikrofonen aus, die er im Dienstzimmer des Leiters der Berliner Kriminalinspektion Tiergarten installieren sollte. In den Akten finden sich laut "Spiegel" auch Protokolle von Kurztreffs, bei denen Kurras Büchsen mit Filmen oder Nachschlüssel für Panzerschränke und Diensträume der Polizei übergab. Für konspirative Kontaktaufnahmen mit dem Agenten, der als Waffennarr galt, sei die Losung "Guten Tag, Herr Kurras, ich komme wegen der Schießabteilung" vereinbart worden.
Im Jahr 1965 habe Kurras seinem Führungsoffizier berichtet, dass er in eine Sonderermittlungsgruppe des West-Berliner Staatsschutzes aufgenommen worden sei, die sich mit dem Aufspüren von Verrätern in den eigenen Reihen beschäftige. Die Stasi versuchte Kurras laut "Spiegel" auch für sogenannte Romeo-Aufträge zu gewinnen und setzte ihn auf die Mitarbeiterin eines Polizei-Abteilungsleiters an. Nach dem gescheiterten Annäherungsversuch habe sich der Agent erbeten, derartige Aufträge nur "bei absoluter Notwendigkeit" erteilt zu bekommen.
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