Polizeiliche Kriminalstatistik veröffentlicht: Immer mehr Gewalt unter Jugendlichen
zuletzt aktualisiert: 22.05.2008 - 14:06Berlin (RPO). Laut der polizeilichen Kriminalstatistik greifen immer mehr Jugendliche zur Gewalt. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Gewaltkriminalität unter Jugendlichen im Jahr 2007 um 4,9 Prozent zu. Entgegen landläufigen Klischees ist dabei der Anteil der jugendlichen Tatverdächtigen unter Deutschen höher als bei Ausländern.
Auffällig sei der Anstieg der Kriminalität bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren besonders bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen, teilte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstag in Berlin mit.
Insgesamt verzeichnete die Kriminalstatistik im vergangenen Jahr 277.447 jugendliche Tatverdächtige, 0,4 Prozent weniger als 2006. Die 14- bis 18-Jährigen machten damit 12,1 Prozent aller Tatverdächtigen aus. Bei den ausländischen Tatverdächtigen hatten die Jugendlichen einen Anteil von 9,4 Prozent.
Bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung verzeichneten die Statistiker einen Anstieg bei Jugendlichen von 6,3 Prozent. Auch bei Mädchen habe die Gewaltbereitschaft deutlich zugenommen. Die Hemmschwelle sei insgesamt gesunken, und das Vorgehen werde brutaler. Oft sei Alkohol im Spiel.
"Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass es eine wachsende Neigung zur Gewalt gibt", sagte Schäuble vor Journalisten. Gefordert sei nicht nur die Polizei, sondern auch Eltern, Schulen und die Gesellschaft insgesamt. Dabei gehe es weniger um die Frage, ob die Täter ausländische oder deutsche Jugendliche seien, sondern um Sozialisierungs- und Integrationsdefizite. "Wichtig ist, dass der Staat auf Rechtsverstöße konsequent und vor allem auch schnell reagiert."
Auch die Grünen plädierten für verbesserte Verfahrensabläufe. "Gerade die Länder, die am lautesten nach Gesetzesverschärfungen rufen, haben hier die meisten Hausaufgaben zu machen", erklärte Grünen-Jugendexperte Kai Gehring.
Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten ging 2007 um 0,3 Prozent weiter zurück. Die Aufklärungsquote lag bei 55 Prozent. Die Zahl der Tatverdächtigen stieg leicht um 0,5 Prozent. Die Gewaltkriminalität nahm insgesamt um 1,1 Prozent zu. Bei den Kindesmisshandlungen wurde eine Zunahme von 7,7 Prozent auf 3373 Fälle verzeichnet.
Einen deutlichen Rückgang gab es durch die Schengen-Erweiterung bei den Verstößen gegen die Ausländergesetze. Der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen ging um 2,5 Prozent zurück, während bei den Deutschen eine Zunahme von 1,4 Prozent verzeichnet wurde. Insgesamt rückläufig war die Alltagskriminalität, vom Taschendiebstahl bis zum Autoklau. Deutschland sei "wieder ein Stück sicherer für unsere Bürger geworden", sagte der brandenburgische Innenminister und amtierende Vorsitzende der Länder-Innenministerkonferenz, Jörg Schönbohm (CDU).
Weniger positiv fiel die Einschätzung auf Gewerkschaftsseite aus. Deutschland sei brutaler und unsicherer geworden, erklärte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). Statt Gesetze zu verschärfen, müsse der Personalabbau bei der Polizei gestoppt werden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, forderte mehr Schutz der Bürger vor tätlichen Angriffen auf Straßen, Plätzen und im öffentlichen Nahverkehr.
Als alarmierend bezeichnete Schönbohm die Zunahme der Computerkriminalität um acht Prozent. "Internet und Computer werden immer häufiger zu Orten von Straftaten", sagte er. Die Täter seien professioneller geworden. Besonders häufig waren die Fälschung von Scheckkarten und Urheberrechtsverstöße. Weit weniger Fälle als früher gab es beim Einsatz gestohlener Scheck- und Kreditkarten, weil fast alle inzwischen mit PIN-Nummern arbeiten.
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