kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

BND-Untersuchungsausschuss: Immer mehr Kritik an Ermittlungsverfahren

zuletzt aktualisiert: 03.08.2007 - 21:56

Berlin (RPO). Das Ermittlungsverfahren gegen Journalisten wegen des Vorwurfs des Geheimnisverrats stößt auf immer mehr Kritik. Opposition und Teile der SPD gingen bereits auf Distanz, Deutschlands führende Zeitungen und Zeitschriften wollen gemeinsam gegen die Vorwürfe der Berichterstattung aus geheimen Akten des BND-Untersuchungsausschusses vorgehen.

Norbert Lammert spricht sich gegen Luxus-Büromaterial für Abgeordnete aus.  Foto: AFP
Norbert Lammert spricht sich gegen Luxus-Büromaterial für Abgeordnete aus. Foto: AFP

In ihren nächsten Ausgaben veröffentlichen der "Spiegel", der "Tagesspiegel", die "Berliner Zeitung", die "Zeit", die "Frankfurter Rundschau", die "Welt am Sonntag", die "Welt" sowie die "tageszeitung" eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Ermittlungen als "ebenso überzogenen wie untauglichen Versuch, die Freiheit der Berichterstattung einzuschränken" verurteilen.

Die Unterzeichnenden mahnten zugleich: "Die Berichterstattung über den Parlamentarischen BND-Untersuchungsausschuss wird mit unveränderter Akribie fortgesetzt."

Unterzeichnet ist die Erklärung von Stefan Aust ("Spiegel"), Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt ("Tagesspiegel"), Josef Depenbrock ("Berliner Zeitung"), Giovanni di Lorenzo ("Die Zeit"), Stephan Hebel ("Frankfurter Rundschau"), Christoph Keese ("Welt am Sonntag"), Thomas Schmid ("Die Welt") und Bascha Mika ("die tageszeitung"). Insgesamt sind zehn Medien und über ein Dutzend Journalisten von den neuen Untersuchungen betroffen.

Unterstützung fanden die Journalisten zumindest bei Teilen der SPD. Der Obmann der Sozialdemokraten im BND-Untersuchungsausschuss, Thomas Oppermann, bezeichnete die Ermittlungen in "Spiegel Online" als "verfehlt". Oppermann war bei der Abstimmung im Ausschuss nicht zugegen, die SPD hatte jedoch für die Ermittlungen wegen Geheimnisverrats gestimmt.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, wertete die Ermittlungen gegen Journalisten als "hoch problematisch" und einen "mindestens grenzwertigen Vorgang". Der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) sagte Wiefelspütz: "Das Geheimnis haben nicht die Journalisten verraten. Die Ermittlungen müssten sich auf den staatlichen Bereich konzentrieren."

Auch Abgeordnete müssen sich verantworten 

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sich auch Abgeordnete in der Sache äußern müssen. "Es wird auch in Richtung des jeweiligen Geheimnisträgers ermittelt", erklärte Oberstaatsanwältin Simone Herbeth am Freitag in Berlin. Einen konkreten Verdacht gebe es noch nicht.

"Abgeordnete kommen auch in Betracht", sagte Herbeth. Sie bestätigte, dass die förmlichen Ermittlungsverfahren bereits Mitte Juni eingeleitet worden waren. Zuvor habe Bundestagspräsident Norbert Lammert Anzeige erstattet.

Die Pressestelle des Bundestages erklärte, bei dem Schreiben Lammerts vom 18. April handele es sich nicht um eine Anzeige, sondern um eine Ermächtigung der Staatsanwaltschaft zur "Verfolgung etwaiger Straftaten, die sich aus den Veröffentlichungen ergeben könnten".

Lammert sei durch den Vorsitzenden des BND-Untersuchungsausschusses, Siegfried Kauder (CDU), dazu aufgefordert worden. Diese Aufforderung sei von den Fraktionen im Ausschuss mehrheitlich beschlossen worden.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) erklärte, dass die Journalisten mit Zitaten aus vertraulichen und geheimen Akten des BND-Untersuchungsausschusses Beihilfe zum Geheimnisverrat geleistet hätten, sei purer Vorwand. Der Vorwurf diene vermutlich nur zur Rechtfertigung von Durchsuchungs- und Beschlagnahmeaktionen.

Empörung bei den Journalistenverbänden

Wie der BDZV verwies auch die Bundespressekonferenz (BPK) auf das "Cicero"-Urteil. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar entschieden, dass eine Durchsuchungsaktion in den Redaktionsräumen des Politmagazins "Cicero" im Jahr 2005 verfassungswidrig war.

Angesichts dieses Urteils seien die Ermittlungen gegen die Kollegen durch nichts zu rechtfertigen, kritisierte der BPK-Vorstand. Die Anzeige des Bundestagspräsidenten sei ein unzulässiger "Eingriff in die Arbeit der Parlamentskorrespondenten".

Auch die Journalistenvereinigung "netzwerk recherche" (nr) sah in den Ermittlungen einen Widerspruch zu den Grundsätzen des "Cicero"-Urteils. "Manche Politiker und Ministerialbürokraten wollen vermeintliche Geheimnisse durch ihre Geheimherrschaft schützen und schießen deshalb mit Kanonen auf Spatzen", sagte der nr-Vorsitzende Thomas Leif.

Die Deutsche Journalisten-Union nannte den Vorgang ungeheuerlich. Das Bundesverfassungsgericht habe in seinem Urteil deutlich gemacht, dass die bloße Veröffentlichung geheimen Materials nicht ausreiche, um eine Beihilfe zum Geheimnisverrat zu begründen. Journalisten müssten deshalb generell vom Paragrafen 353b des Strafgesetzbuches (Beihilfe zum Geheimnisverrat) ausgenommen werden.

Der SPD-Obmann im Untersuchungsausschuss, Thomas Oppermann, distanzierte sich von den Ermittlungen. Er halte sie für verfehlt, sagte er dem "Handelsblatt" laut Vorabbericht. Sein Parteikollege Dieter Wiefelspütz nannte die Ermittlungen einem Vorabbericht der "Mitteldeutschen Zeitung" zufolge "hoch problematisch" und grenzwertig.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erklärte, die "Pressefreiheit in Deutschland ist in ihrer Existenz bedroht. 150 Ermittlungsverfahren gegen Journalisten und Verleger in den letzten Jahren beweisen das".

Quelle: ap

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Vier Menschen verbrennen bei Flugzeugabsturz

Rheinstetten

Vier Tote bei Flugzeugabsturz

Beim Absturz eines Kleinflugzeugs am Flugplatz Rheinstetten nahe Karlsruhe sind am Mittwoch ... mehr 

28-Jähriger sprang in den Rhein

Vermisster Rheinschwimmer in Köln geborgen

Ein 28 Jahre alter Mann ist bei einem Strandfest in der Nähe von Bonn in den Rhein gesprungen und ertrunken. Erst vier Tage später wurde sei ... mehr 

mehr Panorama
Aus der Region

28-Jähriger sprang in den Rhein

Vermisster Rheinschwimmer in Köln geborgen

Nach Amokalarm in Memmingen

Polizei findet 37 Waffen im Elternhaus

Sommerwetter hat ein Ende

Es wird deutlich kühler

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Mehr Panorama Deutschland

Rheinstetten

Vier Menschen verbrennen bei Flugzeugabsturz

Beim Absturz eines Kleinflugzeugs am Flugplatz Rheinstetten nahe Karlsruhe sind am Mittwoch vier Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei handelte es sich dabei um den 73-jährigen Piloten aus Rheinstetten sowie einen 47-jährigen ... mehr

 

28-Jähriger sprang in den Rhein

Vermisster Rheinschwimmer in Köln geborgen

 

Nach Amokalarm in Memmingen

Polizei findet 37 Waffen im Haus des Täters

 

Sommerwetter hat ein Ende

Es wird deutlich kühler

 

Mordfall Lena in Emden

Zwei Wochen Arrest wegen Lynchaufrufs

 

Prozess in Münster geplatzt

Tödlicher Streit um Frauenarztbesuch

Top-Services
 
Mehr Panorama
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Bei einem heftigen Erdbeben in Norditalien sind .. mehr 
 
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Bei einem heftigen Erdbeben in Norditalien sind ..
mehr 
Süßes Elefantenmädchen spielt Fußball wie ein Profi
Süßes Elefantenmädchen spielt Fußball wie ein Profi
Wer braucht schon Robben, Beckham, Ballack und ..
mehr 
Bilder des Tages
Bilder des Tages
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Hier ..
mehr 
Groß-Razzia gegen Hells Angels in Norddeutschland
Groß-Razzia gegen Hells Angels in Norddeutschland
Mit einem Großaufgebot sind Staatsanwaltschaft ..
mehr 
Gasexplosion zerstört Haus in Bremerhaven
Gasexplosion zerstört Haus in Bremerhaven
Bei einer Gasexplosion in Bremerhaven ist ein ..
mehr 
Red Bull Flugtag: Tollkühne Piloten in fliegenden Kisten
Red Bull Flugtag: Tollkühne Piloten in fliegenden Kisten
Hobby-Piloten werfen sich am Pfingstmontag mit ..
mehr 
Deutsches Mädchen in Bosnien als Sklavin gehalten
Deutsches Mädchen in Bosnien als Sklavin gehalten
In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre ..
mehr 
Die schönsten Balkone unserer Leser
Die schönsten Balkone unserer Leser
Wir hatten unsere Leser gebeten, uns Bilder ..
mehr