Berlin will feiern: "In die Zukunft schauen"
zuletzt aktualisiert: 30.12.2004 - 16:36Berlin (rpo). Die traditionelle Silvesterparty am Brandenburger Tor wird trotz der verheerenden Flutkatastrophe in Südostasien starten. Der Veranstalter Willy Kausch teilte mit, er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Mit dem Fest auf der Partymeile in Richtung Siegessäule solle in die Zukunft geschaut werden, begründete er seinen Entschluss.
Allerdings appellieren alle Veranstalter an die rund eine Million erwarteten Besucher, das Geld für Silvesterknaller besser für die Menschen in den Katastrophengebieten zu spenden. "Helfen sie den Opfern", sagte Kausch.
Angesichts der nicht enden wollenden Schreckensnachrichten aus den von der Katastrophe heimgesuchten Regionen in Thailand und Sri Lanka wollen auch viele TV-Sender ihr Programm in der Silvesternacht ändern. Mit Spendenaufrufen werden die Sender bundesweite Hilfsaktionen unterstützen.
In Berlin gibt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit um 19.00 Uhr den Startschuss zur größten Open-Air-Party rund um das Brandenburger Tor und die Siegessäule. Auf Videoschirmen wird um Spenden für das UN-Kinderhilfswerk Unicef gebeten. "Die Kinder leiden am meisten unter der Katastrophe", sagte der Schauspieler André Eisermann, einer der Unterstützer des Kinderhilfswerkes. Mit einer SMS-Aktion soll Geld für obdachlose Kinder in den Flutgebieten gesammelt werden. Jede verschickte Kurznachricht kostet 2,99 Euro. Davon gehen 2,65 Euro direkt an das Kinderhilfswerk. "Eine gute Tat ist besser als tausend gute Vorsätze", appellierte Eisermann an die Spendenbereitschaft der Gäste.
Auch die Unicef-Schirmherrin in Deutschland, Eva Luise Köhler, gehört zu den Unterstützern des Silvester-Aufrufs unter dem Motto "Helft den Kindern in Asien". Der Manager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, erinnerte sich an den Aufenthalt des DFB-Teams vor kurzem in Asien und an die dort erlebte Gastfreundschaft. "Jetzt stehen hunderttausende Menschen in Sri Lanka und anderen Katastrophengebieten vor dem Nichts - sie brauchen unsere Unterstützung", sagte er. Mindestens jedes dritte Opfer der Flutkatastrophe ist nach Unicef-Schätzungen ein Kind, und ihre Zahl droht weiter zu steigen.
Bayern spendet gespartes Geld aus Neujahrsempfang
Auch in vielen anderen deutschen Städten wird Silvester und Neujahr ruhiger und besinnlicher begangen als in den Jahren zuvor. So sagte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber den traditionellen Neujahrsempfang der Landesregierung ab. Die eingesparten Kosten von rund 60.000 Euro werden an die Opfer der Katastrophe gehen. Ein Teil davon solle in finanzielle Hilfen für Opfer aus Bayern fließen, ein anderer Teil geht in Projekte vor Ort, hieß es. "In diesen Tagen der Not hat die praktische Solidarität mit den Betroffenen Vorrang vor allem anderen", sagte Stoiber. Ähnlich wie in München wollen auch andere Städte in Deutschland verfahren und das gesparte Geld Hilfsorganisationen zukommen lassen.
Die Produzenten des Rock-Musicals "We will rock you" der Queen-Musiker Brian May und Roger Taylor wollen den Umsatz der Silvester-Show spenden. Das Erfolgsspektakel läuft gerade im Musical Dome in Köln.
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