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Studie zum Thema Missbrauch
In jeder zweiten Schule ein Verdachtsfall

Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird?
Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird? FOTO: AP
Berlin (RPO). In 80 Prozent der deutschen Kinder- und Jugendheime sowie in 50 Prozent der Schulen hat es in den vergangenen Jahren Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs gegeben. In den meisten Fällen bedrängten Schüler Gleichaltrige. Dies geht aus einer am Mittwoch vorgestellten Studie des Deutschen Jugendinstituts hervor.

Als Verdächtige galten demnach in einem erheblichen Teil der Fälle Mitarbeiter der jeweiligen Einrichtung. Noch häufiger aber bedrängten Mitschüler oder Mitbewohner Gleichaltrige mit sexueller Gewalt, wie aus der Studie hervorgeht.

Anlass der Studie war der Missbrauchsskandal in diversen kirchlichen und weltlichen Institutionen im vergangenen Jahr, bei der teils jahrzehntealte Fälle ans Licht kamen. Doch seien Übergriffe auch heute weiter Realität für viele Jugendliche in Schulen, Internaten, Heimen und anderen Institutionen, sagte DJI-Direktor Thomas Rauschenbach.

So berichteten 50 Prozent der von dem Institut befragten Schulleiter und Lehrer, dass sie in den vergangenen Jahren mit mindestens einem Verdachtsfall zu tun hatten. Von den Verantwortlichen in Internaten sagten dies knapp 70 Prozent, von jenen in Heimen 80 Prozent. Es handelt sich um eine sogenannte Hellfeldstudie - es geht also nur um Vorfälle, die tatsächlich gemeldet wurden.

In den Schulen war in rund vier Prozent der Fälle Personal in Verdacht, in Heimen immerhin in zehn Prozent der Fälle. Das seien "immer noch beachtliche Zahlen", sagte Mitautorin Alexandra Langmeyer. Gleichwohl spielte sexuelle Gewalt von Jugendlichen gegen Gleichaltrige eine noch größere Rolle: Sie waren an Schulen in 16 bis 17 Prozent der Fälle in Verdacht, bei Übergriffen an Heimen waren es sogar 38,9 Prozent.

Jugendliche Täter werden therapiert

Der größte Teil der Tatverdächtigen kam jedoch gar nicht aus der Institution, sondern aus dem privaten Umfeld. In bis zu 32 Prozent der Fälle, auf die Schulen aufmerksam wurden, galten Verwandte oder Bekannte als Tatverdächtige, bei Heimen lag die Quote bei 48,5 Prozent. Die Täter waren weit überwiegend männlich, die Opfer in den meisten Fällen Mädchen, wie Langmeyer weiter berichtete. Die Übergriffe reichten von Berührungen an den Geschlechtsteilen bis hin zu versuchter oder vollzogener Penetration.

Richtete sich der Verdacht gegen Betreuer oder Lehrer an Schulen, folgten letztlich in 20 Prozent der Fälle arbeits- oder strafrechtliche Konsequenzen, wie es in der Studie weiter heißt. In Heimen und Internaten lag die Quote solcher Konsequenzen bei jeweils 33 Prozent. Waren die Tatverdächtigen Jugendliche, bekamen sie dagegen in mehr als zwei Drittel der Fälle Strafen, meist in Form von Therapieauflagen.

(apd/csi)
 
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