Nach dem Tod der Säuglinge in Mainzer Klinik: Infusionen kamen verunreinigt auf Station
zuletzt aktualisiert: 26.08.2010 - 17:25Mainz (RPO). Die mit Darmbakterien verunreinigten Infusionen sind offenbar schon infiziert auf die Kinder-Intensivstation der Mainzer Uniklinik geliefert worden. Erste Untersuchungen hätten ergeben, dass die Beutel mit den Keimen infiziert waren.
Das teilte Gesundheitsstaatssekretär Michael Ebling (SPD) am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtages in Mainz mit. Daher könne davon ausgegangen werden, dass die Infusionen entweder in der Krankenhausapotheke, wo die Nährlösungen zusammengemischt werden, oder beim Hersteller der Lösungen verunreinigt wurden.
Die Leitung der Uniklinik habe von Anfang vermutet, dass die Verunreinigungen am ehesten in der Krankenhausapotheke stattgefunden hätten. Sichere Erkenntnisse darüber gebe es allerdings nach wie vor nicht. Die am Mischvorgang beteiligten Mitarbeiter der Uniklinik hätten zwar Stuhlproben abgeben, sagte der Staatssekretär. Die Keime könnten beim Abgleichen jedoch höchstwahrscheinlich nicht zu 100 Prozent einer Person zugeordnet werden.
Der klinische Vorstand der Uniklinik, Norbert Pfeiffer, erklärte, die externen Experten beobachteten die Abläufe in der Uniklinik bei der Herstellung und Verabreichung der Infusionen, um zu sehen, ob alle Hygienevorschriften eingehalten würden. Zu den Experten gehören Vertreter des Gesundheitsamtes, des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, des Wissenschaftsministeriums und Experten aus dem In- und Ausland für Krankenhaushygiene und Krankenhausapotheken.
"Wir versprechen uns dadurch, wieder Sicherheit und Vertrauen in unsere Prozesse zu gewinnen," sagte Pfeiffer. Die ermittelnde Mainzer Staatsanwaltschaft habe zudem eigene Sachverständige einbestellt.
Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) betonte erneut, dass die Vorgänge nichts mit der neuen geplanten Landeshygieneverordnung für Krankenhäuser zu tun hätten. Diese diene unter anderem dazu, dem Gesundheitsamt Routinekontrollen in Krankenhäusern zu erleichtern. Sie sei nach wie vor der Ansicht, dass die Hygienevorschriften, wie sie bisher in Krankenhäusern existierten, ausreichend seien.
Es müsse vielmehr an ihrer Umsetzung vor Ort gearbeitet werden. In anderen Bundesländern, die bereits eine Landeshygieneverordnung für Krankenhäuser eingeführt hätten, unterscheide sich die Qualität der Hygiene von anderen Bundesländern kaum. Dennoch seien sich die Bundesländer einig, dass sie ihre Vorschriften angleichen sollten.
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