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Neue Studie
Eltern geben inklusiven Schulen bessere Noten als Regelschulen

Inklusion: Eltern geben inklusiven Schulen bessere Noten
Im Schuljahr 2013/2014 haben rund 30 Prozent der Förderschüler an einer Regelschule gelernt. FOTO: dpa
Gütersloh. Immer mehr behinderte Kinder lernen gemeinsam mit nicht behinderten. Aber welche Erfahrungen haben Eltern mit inklusiven Schulen gemacht? Das zeigt nun eine neue Studie. Und dabei bekommen solche Einrichtungen durchweg bessere Noten als die Regelschulen. Von Dana Schülbe

Es war im Jahr 2009, als sich Deutschland zur Ratifizierung einer UN-Konvention verpflichtet hatte, Schüler mit und ohne Behinderungen gemeinsam zu unterrichten. Seither ist das Thema Inklusion auch in NRW nicht mehr wegzudenken. So haben im Schuljahr 2013/2014 rund 30 Prozent der knapp 500.000 Förderschüler an einer Regelschule gelernt, vor sieben Jahren lag der Inklusionsanteil noch bei unter 20 Prozent.

Zeit genug für die Bertelsmann Stiftung, einmal die Eltern zu fragen, welche Erfahrung sie mit inklusiven Schulen gemacht haben. Und die sind durchaus positiv: In allen Punkten schneiden diese Schulen in der Wahrnehmung der Eltern besser ab als die Regelschulen. Das sei, so betont die Bertelsmann Stiftung, unabhängig davon, ob das eigene Kind Förderbedarf hat oder nicht. 4300 Eltern hat die Stiftung für ihre Studie befragt, mehr als ein Drittel gaben an, ihr Kind besuche eine inklusive Schule.

Von diesen sind 68 Prozent zufrieden mit der individuellen Förderung ihrer Kinder, bei den Eltern an den Regelschulen sagten dies 58 Prozent. Dass Kinder in ihrem eigenen Tempo lernen können, schätzen 66 Prozent der Eltern mit Kindern an einer inklusiven Schule – gegenüber 58 Prozent an einer nicht-inklusiven Schule. 

Auch die Lehrer an den Schulen, wo behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen lernen, bekommen durchweg bessere Bewertungen als an den Regelschulen. Demnach gelten sie als kompetent (89 Prozent zu 82 Prozent), engagiert (80 zu 75 Prozent), können gut erklären (86 zu 77 Prozent), fördern die Stärken der Schüler (72 zu 60 Prozent), arbeiten an Schwächen (69 zu 53 Prozent) und ermutigen kindliche Interessen (72 zu 60 Prozent).

Die Studie unterscheidet nach konkreten Erfahrungen von Eltern mit inklusiven Schulen und nach allgemeinen Einstellungen. Die wichtigste Erkenntnis: "Konkrete Erfahrung überzeugt Eltern von Inklusion", so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. "Ein schrittweiser Ausbau von inklusiven Schulen ist deswegen sinnvoll." Das heißt: Je mehr Berührungspunkte die Eltern mit inklusiven Schulen hätten, um so offener sind die auch dafür. 

Das zeigt sich etwa daran, dass 58 Prozent der befragten Eltern ohne Inklusionserfahrung sagten, Inklusion gehe grundsätzlich auf Kosten des fachlichen Lernens, bei den Eltern mit Inklusionserfahrung stimmten dem nur 44 Prozent zu. 

Die allgemeinen Einstellungen die Inklusion betreffend halten sieben von zehn Befragten dies für gesellschaftlich wichtig. Allerdings glauben auch sechs von zehn Befragten, dass Kinder mit Behinderung an Förderschulen besser gefördert würden – eine ganz andere Sichtweise im Vergleich zu den Erfahrungswerten der Eltern. 51 Prozent der Befragten glauben zudem, dass Kinder ohne Förderbedarf auf inklusiven Schulen fachlich gebremst werden.

 

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