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Frauentag
Frauen von A bis Z

Internationaler Frauentag 2016: Frauen von A bis Z
FOTO: Fotos: dpa, Imago, Thinkstock; Grafik: Radowski
Düsseldorf. Wer meint, Frauen hätten in Deutschland die Gleichstellung schon komplett erreicht, der sollte sofort bei C wie Chefin, E wie Einkommen oder P wie Powerfrau weiterlesen. 118 Jahre wird es vermutlich noch dauern, bis die Lücke zwischen den Geschlechtern geschlossen ist.

AfD: Bei einer Umfrage im Januar förderte das Meinungsforschungsinstitut Emnid zutage, dass 17 Prozent der Männer, aber nur zwei Prozent der Frauen die AfD wählen würden. Obwohl die Rechtspopulisten von einer Frau angeführt werden, handelt es sich doch um eine stark von Männern dominierte Partei. Lästermäuler sagen, dass sich dort die "grumpy old men" – die schlecht gelaunten alten Männer – versammeln.
 
Beredt: Frauen sprechen fast dreimal so viel wie Männer, hieß es lange Zeit. 20.000 Worte am Tag seien für Frauen Standard – Männer hingegen kämen nur auf 7000. Als sich Forscher der Universität von Arizona die Mühe machten, das statistisch zu untersuchen, kam heraus, dass Frauen zu Unrecht als das plappernde Geschlecht bezeichnet wurden. Sie kamen im Durchschnitt auf 16.215 Wörter, die Männer auf 15.669. Dagegen sind die Unterschiede innerhalb der Geschlechter prägnanter: Der gesprächigste Mann brachte es auf 47.000 Wörter (elf Stunden), der schweigsamste auf 700 (20 Minuten). Außerdem lügen Männer angeblich sechs Mal pro Tag, doppelt so häufig wie Frauen. Ein statistischer Gegenbeweis ist in diesem Fall noch nicht erbracht.
 
Chefin: Frauen sind selten, aber erfolgreich – zumindest in den Chefetagen. Betriebe, in denen eine Frau Geschäft oder Finanzen führt, machen mehr Gewinn – zu dem Ergebnis kommt das Peterson Institute of International Economics, das 21.980 Unternehmen in 91 Ländern untersucht hat. Umso erstaunlicher, dass viele Firmen auf Männer setzen. Weniger als fünf Prozent haben einen weiblichen Chief Executice Officer. Kein Dax-Konzern wird von einer Frau geführt. Henkel hat immerhin eine weibliche Aufsichtsrats-Chefin.
 
Demokratie In den Parlamenten und Regierungen sind Frauen unterrepräsentiert. Weltweit ist nur ein Fünftel aller Parlamentssitze von Frauen besetzt. 2014 gab es weltweit nur 19 weibliche Staatsoberhäupter, 1995 waren es zwölf. Laut Angaben der Vereinten Nation ist weltweit nur jedes fünfte Kabinettsmitglied eine Frau. Immerhin besteht Hoffnung auf Besserung: Allein zwischen 1994 und 2014 hat sich die Zahl der Ministerinnen verdreifacht. Laut dem Weltwirtschaftsforum wird es noch 118 Jahre dauern, bis die Lücke zwischen den Geschlechtern in allen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bereichen geschlossen ist.
 
Einkommen: Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt laut Bundesarbeitsministerium fast 22 Prozent. Rechnet man heraus, dass Frauen in Berufen mit geringeren Gehältern, oft Teilzeit, in geringeren Positionen und wegen der Erziehungszeiten mit weniger Berufserfahrung arbeiten, bleibt immer noch eine Lohnlücke von sieben Prozent.
 
Fahrrad: 43.000 Kilometer auf dem Fahrrad – drei Jahre war die Kaarsterin Swinde Wiederhold allein unterwegs, um den amerikanischen Kontinent von der Südspitze Argentiniens bis nach Alaska mit Rucksack, Kamera und auf zwei Rädern zu bereisen. Ihr Antrieb ist die Neugierde auf Menschen, Kulturen und Landschaften. Ihre jüngste Reise nimmt sich da fast bescheiden aus: Sechs Wochen ist die 26-Jährige durch Iran gereist.
 
Gewalt: Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache von Verletzungen bei Frauen – häufiger als Verkehrsunfälle und Krebs zusammen genommen. Jede vierte Frau in Deutschland hat schon Gewalt durch ihren Partner erlebt. Im Jahr 2013 sind in Deutschland laut Polizeistatistik 162 Frauen innerhalb von Partnerschaften getötet worden. Frauenrechtlerinnen sprechen deshalb vom "Femizid". Für Frauen ist das Risiko, durch einen Beziehungspartner Gewalt zu erfahren, weitaus höher als von einem Fremden tätlich angegriffen zu werden.
 
Hillary: Wenn die Amerikaner nicht von allen guten Geistern verlassen sind, dann wird sie den im Herbst die US-Wahl gegen Donald Trump gewinnen. Sie war First Lady von Arkansas und First Lady der USA. Sie musste wegen der Untreue ihres Mannes tiefe öffentliche Demütigungen hinnehmen. Nun könnte sie die deutsche Kanzlerin als mächtigste Frau der Welt ablösen.
 
Investition: Finanzplanung ist Männersache? Von wegen! Laut Auswertung von 600.000 Wertpapierdepots der Direktbank ING Diba sind Frauen die besseren Anleger. Demnach erzielten weibliche Anleger 2015 eine durchschnittliche Rendite von 5,8 Prozent, männliche nur 4,1 Prozent. Der Grund: Während Männer risikobereiter anlegen, mehr Geld in Einzelaktien stecken und ihr Depot häufiger umschichten, wägen Frauen mehr ab, streuen ihre Geldanlage breiter und investieren langfristiger.
 
Justizvollzuganstalt: Frauen sind die friedlicheren Menschen, jedenfalls was Delikte angeht, die zu Haftstrafen führen. Von den 16.480 Gefangenen, die aktuell in den 36 Justizvollzugsanstalten in NRW einsitzen, sind laut NRW-Justizminister nur 6,3 Prozent Frauen – und das, obwohl sie mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellen.
 
Kinder: Kinder sind großes Glück, aber sie bedeuten auch viel Arbeit. Obwohl die neuen Väter weder Windeln noch Elternzeit scheuen, ist die Kinderbetreuung zum großen Teil Frauensache. 40 Prozent der Mütter, die minderjährige Kinder haben, sind nicht erwerbstätig. Von den westdeutschen Müttern, die arbeiten, sind 70 Prozent in Teilzeit tätig, bei den Männern sind es nur fünf Prozent.
 
Lebenserwartung: In diesem Punkt haben Frauen die Männer weit abgehängt. War die Lebenserwartung der Geschlechter im 19. Jahrhundert noch etwa gleich, tun sich inzwischen große Unterschiede auf. Mädchen, die heute geboren werden, erreichen ein Alter von 83,5 Jahren. Neugeborene Jungen dürfen damit rechnen, 79 Jahre alt zu werden. Rauchen ist Forschern zufolge für 30 Prozent des Unterschieds verantwortlich. Auch bei Herzerkrankungen und Schlaganfällen sind Männer deutlich anfälliger.
 
Merkel: Viele Männer in der CDU hielten die Wahl von Angela Merkel zur Parteichefin für eine Art Unfall. Die so dachten, machen heute nicht mehr aktiv Politik. Merkel hingegen ist immer noch da und legt in der Flüchtlingskrise eine Standfestigkeit an den Tag, die der einstigen Meisterin politischer Volten kaum einer zugetraut hatte.
 
Nobelpreis: Malala Yousafzai ist die jüngste Preisträgerin. Die pakistanische Kinderrechtsaktivistin wurde vor zwei Jahren mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Damals war sie 16 Jahre alt. Seit ihrem elften Lebensjahr berichtete sie in einem Blog-Tagebuch über Gewalttaten der Taliban. Die Terrororganisation verbot Mädchen unter anderem den Schulbesuch. 2012 wurde Malala Opfer eines Attentats, zu dem sich die Taliban bekannten.
 
Orientierung: Ein Klischee, das zutrifft: Der Orientierungssinn von Männern ist tendenziell besser als von Frauen. Forscherinnen der Royal Society zeigen mit langen Testreihen, dass Männer und Frauen sich unterschiedlich orientieren. Er achtet auf Himmelsrichtungen und Entfernungen (räumliche Orientierung), sie merkt sich markante Punkte in der Landschaft oder Stadt (visuelle Orientierung). Die Crux: Während Männer beide Systeme gleich gut beherrschen, schnitten die Frauen bei der räumlichen Orientierung schlechter ab.
 
Powerfrau: Wenn Frauen Glück haben, werden sie in den Medien als "Powerfrau" bezeichnet. Wenn sie Pech haben, werden sie als "Femme fatale" oder "Listige Witwe" tituliert. Das haben Forscher der FU Berlin und Universität Lüneburg im Auftrag des Bundesbildungsministeriums herausgefunden, die Medien auf die Darstellung von Frauen in Politik und Wirtschaft untersucht haben. Männer haben es leichter: Sie wurden als "Alphatier", "Leitwolf" und "Managerdenkmal" bezeichnet. Frauen kommen ohnehin seltener vor, nicht einmal jede fünfte genannte Person ist weiblich.
 
Queen: Königin Elizabeth II. ist die am längsten regierende Monarchin in der Geschichte Großbritanniens. Im September 2015 überholte sie ihre Ur-Ur-Großmutter Victoria (63 Jahre, 216 Tage). In der Reihe der weltweiten Rekordhalter allerdings landet die 89-Jährige "nur" auf Platz 45. Angeführt wird die Statistik von König Sobhuza II. von Swaziland mit 82 Jahren und 253 Tagen. Was Frauen auf dem Thron angeht, steht sie jedoch an zweiter Stelle. Nur Eleonore von Aquitanien herrschte länger (66 Jahre, 358 Tage). Elizabeth II., die für ihre robuste Gesundheit bekannt ist, könnte diesen Rekord aber noch durchaus knacken: Im April wird sie 90, und Abdanken ist für sie kein Thema.
 
Rente: Frauen erzielen niedrigere Renten als Männer – so viel ist bekannt. Dass aber die durchschnittliche Altersrente einer Frau bei 566 Euro liegt und damit nur in halb so hoch ist wie die eines Mannes (1020 Euro), ist schon erstaunlich. Hauptursache ist, dass Frauen wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen im Beruf pausieren oder kürzertreten. Altersarmut trifft hauptsächlich Frauen. Immerhin schließt sich langsam die Lücke, weil Frauen heute länger berufstätig sind.
 
Strafen: Aus der Reihe kuriose Strafen in den USA: Eine Geld- oder Gefängnisstrafe droht ledigen, geschiedenen und verwitweten Frauen in Florida, wenn sie sonntags Fallschirm springen. In Kentucky dürfen Frauen nicht im Badeanzug auf die Straße. Es sei denn, sie wiegen weniger als 42 oder mehr als 92 Kilo. Oder sie sind bewaffnet.
 
Tasche: Für mache Frauen sind Taschen eine Sucht – erst recht, wenn sie ein Designer-Logo wie Chanel, Louis Vuitton oder Gucci ziert. Für die richtige Tasche üben sich Frauen auch mal in Geduld: Für die legendäre Birkin-Bag von Hermès soll die Wartezeit bei knapp sechs Jahren liegen. Der Hang zu immer größeren Taschen wird mancher allerdings auch zum Verhängnis: 76 Tage ihres Lebens verbringen Frauen damit, in ihren Handtaschen zu kramen. Dafür fördern sie in Notsituationen aber auch alles zutage: von Feuchttüchern, Notverpflegung, über Pflaster bis hin zu gut sortiertem Make-up.
 
Unbezahlt: Laut einer neuen Erhebung arbeiten Frauen in Deutschland zwar etwas mehr als Männer – allerdings viel häufiger unbezahlt. "Frauen leisten zwei Drittel ihrer Arbeit unbezahlt, Männer weniger als die Hälfte", erklärt das Statistische Bundesamt. Frauen leisten in der Woche 29,5 unbezahlte Arbeitsstunden, Männer nur 19,5.
 
Verkehrsunfälle: Von wegen Frauen fahren schlechter Auto. Mehr als zwei Drittel aller Autounfälle werden von Männer verursacht. Sie haben auch in Flensburg mehr Punkte auf dem Konto als Frauen. Einige Versicherungsunternehmen haben auf diese schon einige Jahre bekannten Statistiken schon reagiert und bieten für Frauen günstigerer Tarife bei der Autohaftpflicht an.
 
Wagemut: Die Erziehung und der soziale Umgang mit Gleichaltrigen tragen maßgeblich dazu bei, dass Frauen Risiken und Wettstreitereien eher scheuen als Männer. In einem Experiment haben Wissenschaftler der Universität Essex herausgefunden, dass Schülerinnen von reinen Mädchenschulen fernab der Eltern im Durchschnitt ebenso wagemutig und risikobereit sind wie Jungen.
 
X-Chromosom: Frauen ertragen nicht nur Schmerzen viel besser als Männer – sie sind auch schlauer. Grund dafür ist laut Genforschern das X-Chromosom, von dem Frauen zwei haben und Männer nur eins. Auf dem X-Chromosom liegen besonders viele Erbanlagen, die die Intelligenzentwicklung beeinflussen. Zwar sind unter den intelligentesten zwei Prozent der Bevölkerung doppelt so viele Männer wie Frauen, aber auch in der Gruppe der geringer Intelligenten sind viel mehr Männer als Frauen.
 
Yacht: Auf der Yacht Guppy segelte Laura Dekker mit 14 Jahren allein um den Globus. Die Niederländerin war damit die jüngste Einhand-Weltumseglerin - und Anlass für hitzige Debatten. Waren ihre Eltern verantwortungslos? Muss der Staat die Schulpflicht durchsetzen? In jedem Fall hat Dekker, deren Tour 2010 in Gibraltar begann und 2012 auf der Karibikinsel St. Maarten endete, mit ihrem Solotrip einen Seemanns-Mythos entzaubert.
 
Zicke: Noch immer wird dieses Wort verwendet, wenn Frauen nicht miteinander, mit sich selbst oder ihrer Umwelt können - und das Gefühl ungefiltert nach außen tragen. Despektierlich? Nicht unbedingt. Denn in vielen Fällen trifft das Wort genau. Gezicke gibt es bei Männer übrigens genauso. Nur heißt es dann Hahnenkampf, Silberrücken-Gehabe oder Mein-Förmchen-istgrößer-als-deins-Spiel. Also: Mehr Gelassenheit wagen!

( anh, beaw, dr, esc, hbm, kib, leb, mso, qua, tak)
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