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Interview
"Die Irish Travellers sind nicht gefährlicher als du und ich"

Irish Travellers verlassen Kevelaer
Düsseldorf. Müll, Kriminalität, Ruhestörung – das wird den Irish Travellers nachgesagt. Viele Kommunen wollen sie deshalb nicht beherbergen. Wir haben mit einem Mann gesprochen, dem sie willkommen sind. Seit fast 50 Jahren wohnen sie regelmäßig auf seinem Campingplatz in Hessen. Von Helene Pawlitzki

Als Jörg Steimer ans Telefon geht, hat er gerade im Restaurant gegessen. Immer wieder begrüßt er während des Interviews Gäste seines Campingplatzes. 1968 bauten seine Eltern das Taunuscamp, einen Campingplatz im Main-Taunus-Kreis etwa 30 Kilometer vor Frankfurt am Main. "Seitdem kommen die Travellers jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst", sagt er.

Herr Steimer, sind Irish Travellers gefährlich?

Jörg Steimer Nein, definitiv nicht. Das sind Menschen wie du und ich, genauso anständig, fair und korrekt – bis eben auf die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Und was heißt das konkret?

Steimer Wie bei den meisten anderen Gästen machen die Travellers zu 90 Prozent keinerlei Probleme. Für die zehn Prozent, die mal über die Stränge schlagen, habe ich eine simple Strategie: Wenn jemand Scheiße baut, gibt es die gelbe Karte. Beim zweiten Verstoß gibt es die rote Karte.

Und dann?

Steimer Dann darf derjenige den Campingplatz durch das Loch verlassen, das der Zimmermann gelassen hat – die Ausfahrt.

Viele Menschen glauben ja, dass die Travellers alle kriminell sind.

Steimer Ich habe auch schon die Polizei gefragt, warum da jetzt so ein Hype gemacht wird. Bei mir lief das bisher problemlos. Ich habe den Travellers die klare Ansage gemacht: Wenn es kriminelle Handlungen gibt, wird die Reißleine gezogen.

Irish Travellers ziehen im Sommer 2017 durch die Region FOTO: gerhard berger

Und was ist mit Müll?

Steimer Tja, die werfen schon viel in die Hecken. Was mir aufgefallen ist: Die Wohnwagen der Iren sind sauber und ordentlich, penibel geputzt. Auch die Autos sind extrem gepflegt. Aber sobald sie sich außerhalb ihres kleinen Reiches aufhalten, schnippen sie die Zigarette einfach in den Schotter oder ins Grüne.

Wie gehen Sie damit um?

Steimer Wir sind das gewohnt, es gehört zum Geschäft. Wir haben einen Radlader mit einer Schaufel. Da schmeißen wir den Müll drauf und der wird dann entsorgt. Lässt sich nicht ändern.

Ein anderes Thema sind Ruhestörungen und übermäßiger Alkoholkonsum.

Steimer Habe ich von den Travellers nicht mehr erlebt als von anderen Gästen auch. Wir sind halt kein Friedhof, sondern ein Campingplatz. Es wird auch mal gefeiert, Geburtstag oder Hochzeiten. Aber es gibt eben auch Ruhezeiten. Wenn das nicht funktioniert, schreite ich ein. Dann mache ich einfach den Strom aus. Ich muss ja auch mal schlafen.

Die Irish Travellers am Neusser Kirmesplatz FOTO: Lothar Berns

Können Sie verstehen, dass die Travellers anderswo nicht willkommen sind?

Steimer Ich sehe das so: Diese Menschen werden in ihren Lebensstil hineingeboren. Schulbildung spielt da oft nicht so eine große Rolle, umso mehr verstehen sie vom Handel und vom Geldverdienen. Vor ein paar Jahren hatten sie beispielsweise mal Sofas aus Tschechien dabei. Einsitzer, Zweisitzer, Dreisitzer, in schwarz und weiß. Die haben sie alle innerhalb einer Woche an der Haustür verkauft. Ich würde nie auf die Idee kommen, ein Sofa an der Haustür zu kaufen! Aber das können die. Und irgendwo müssen diese Menschen eben übernachten. Wenn Düsseldorf sie vertreibt, kommen sie halt zu mir in den Taunus.

 
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