| 11.40 Uhr

Vier Schwerverletzte bei Würzburg
IS beansprucht Axt-Attacke in Regionalzug für sich

Mann greift Reisende in Regionalzug an
Mann greift Reisende in Regionalzug an FOTO: ap, fpt
Würzburg . Nach der Axt-Attacke in einem Regionalzug in Unterfranken verdichten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Beim Täter wurde eine handgemalte IS-Flagge gefunden. Eine IS-nahe Nachrichtenagentur behauptet, dass die Terrormiliz hinter der Tat steckt.

Die Attacke auf Passagiere in einem Zug bei Würzburg sei von einem ihrer "Kämpfer" ausgeführt worden, verkündete der IS über seine Agentur Amaq. Demnach war der Angreifer - ein 17-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan - IS-Mitglied. Er habe auf Aufrufe reagiert, die Länder der internationalen Koalition anzugreifen, die den IS bekämpfen.

Die Echtheit der Erklärung ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. In ähnlicher Form hatte der IS zuvor die Verantwortung für das Attentat von Nizza übernommen. Eine Erklärung direkt von der Terrormiliz wurde danach bislang nicht veröffentlicht. Unklar ist in beiden Fällen, ob der IS dabei nur als Trittbrettfahrer auftritt.

IS-Flagge im Zimmer

Wie der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im ZDF-Morgenmagazin sagte, wurde im Zimmer des 17-jährigen Afghanen eine handgemalte IS-Flagge gefunden. Schon unmittelbar nach der Tat hatte es Spekulationen über einen islamistischen Hintergrund gegeben. "Es gibt eine Aussage, dass er, kurz bevor er von der Polizei erschossen wurde, einen islamischen Ausruf gemacht haben soll", sagte Herrmann der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei aber noch keineswegs erwiesen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Angreifer ein Einzeltäter war. "Er war (...) allein in dem Zug. Er hat allein die Taten begangen", sagte Herrmann im ZDF. Bei dem 17-Jährigen handelt es sich um einen Flüchtling aus Afghanistan, der ohne Eltern nach Deutschland gekommen war. Der junge Mann war am Montagabend mit Axt und Messer auf Fahrgäste in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld losgegangen.

Am Tag nach dem Attentat sucht die Polizei noch nach Spuren FOTO: dpa, fpt fdt

Zwei Opfer in Lebensgefahr

Zu den genauen Motiven und Hintergründen wollte sich Herrmann zunächst nicht äußern. "Im Moment werde ich mich nicht an irgendwelchen Spekulationen beteiligen", sagte er. Es müsse jetzt erst "sorgfältig ermittelt" werden. Das gelte auch für die Frage, ob es einen islamistischen Hintergrund gebe oder sich der Täter "in allerletzter Zeit" selbst radikalisiert haben könnte. Während seines Aufenthalts in Deutschland sei er nicht auffällig geworden. Es gebe "keine besonderen Erkenntnisse" über ihn, sagte Herrmann.

Vier Menschen wurden durch die Attacke schwer verletzt, ein weiterer leicht, wie das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Würzburg mitteilten. Innenminister Herrmann zufolge schweben mindestens zwei Opfer in Lebensgefahr. 14 Menschen erlitten einen Schock. Der Angreifer wurde von der Polizei auf der Flucht erschossen.

Opfer kamen aus Hongkong

Die vier Verletzten stammen aus Hongkong. Das bestätigte der Hongkonger Regierungschef Leung Chun-Ying am Dienstag. Er verurteilte den Angriff und sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. 

Es handele sich um eine Familie und einen Freund, berichtete die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" unter Hinweis auf die Behörden in der asiatischen Wirtschaftsmetropole. Die vier Verletzten seien der Vater (62) und die Mutter (58) einer Tochter (27) und deren Freund (31) gewesen. Ob es Touristen waren oder warum sie in Bayern reisten, ist noch unklar.

SEK zufällig in der Nähe

Nach Angaben der Bundespolizei hatten etwa 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg gesessen. Er war kurz vor dem Ziel, als der Angreifer losschlug. Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug und flüchtete.

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen sei, habe die Verfolgung aufgenommen, berichtete Herrmann. Als der Jugendliche dann auch auf die Einsatzkräfte losgegangen sei, hätten diese das Feuer eröffnet. Der Angreifer wurde mit mehreren Schüssen getötet.

"Wie in einem Schlachthof" habe es in dem Zug ausgesehen, berichtete ein Augenzeuge, der nebenan wohnt. Erste Bilder aus dem Inneren des Waggons belegen dies. Auf dem Boden des Abteils ist Blut zu sehen, daneben liegen zerknüllt eine Rettungsdecke und Verbandsmaterial. Der Zeuge berichteet, wie mehrere Passagiere nach der Bluttat aus dem Zug kletterten und ihn nach einem Verbandskasten fragten. Drinnen hätten noch Verletzte gelegen, so der Mann.

(crwo/dpa/afp)
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