Nach Messerattacke auf einen Rabbiner: Islam-Prediger sollen Mitschuld tragen
zuletzt aktualisiert: 09.09.2007 - 16:39Frankfurt/Main (RPO). Nach der Messerattacke auf einen Frankfurter Rabbiner vermutet die Polizei eine politisch motivierte Straftat. Ein Phantombild des Täters wurde veröffentlicht. Der Zentralrat der Juden macht einen islamischen Hass-Prediger mitverantwortlich für die Tat.
In Frankfurt am Main war am Freitagabend ein Rabbiner auf offener Straße in den Bauch gestochen worden. Laut Zeugen handelte es sich bei dem Täter um einen Südländer, womöglich um einen Menschen arabischer Herkunft. Die Polizei hat ein Phantombild des Täters veröffentlicht. Für Hinweise zur Ermittlung des Messerstechers ist eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro ausgesetzt.
"Die Saat für solche Motive wird von Hasspredigern auch in islamischen Gemeinden in Deutschland gelegt", erklärte Dieter Graumann, der zweite Vizepräsident des Zentralrats am Wochenende. Führende Vertreter muslimischer Verbände müssten sich nun fragen lassen, "was sie konkret gegen Hassprediger und die wachsende Radikalisierung unter jungen Muslimen unternehmen."
Der Vizepräsident des Zentralrats und Vorsitzende der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, Salomon Korn, geht derweil von einer "spontanen und zufälligen Tat" aus. Er warnte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen vor voreiligen Schlüssen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) äußerte sein Entsetzen über die Messerattacke und sprach von einer "perfiden Tat."
Das Opfer war nach Polizeiangaben am Abend mit einer jüdischen Kopfbedeckung in der Stadt unterwegs. Er habe sich in Begleitung von einem Mann und einer Frau befunden, bei denen es sich laut Polizei um Freunde des Rabbiners handelte.
Die beiden Begleiter hätten den Täter, der wiederum in Begleitung von zwei Frauen unterwegs war, als "Südländer", "möglicherweise Araber", beschrieben. Er habe den Rabbiner demnach in "arabisch klingenden Worten" angesprochen. Als das Opfer, das die Worte nicht verstand, nachfragte, habe der Täter auf Deutsch "Ich bring dich um" gesagt und mit einem Messer einmal auf ihn eingestochen.
Danach flüchtete der Täter gemeinsam mit seinen zwei weiblichen Begleiterinnen. Die Polizei geht von einem zufälligen Treffen zwischen Täter und Opfer aus, nicht von einer geplanten Tat.
Der 42-jährige Rabbiner musste operiert werden, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Der Zentralrat der Juden zeigte sich bestürzt über den Angriff auf ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, warnte aber zugleich vor voreiligen Schlussfolgerungen.
Angesichts der sich häufenden Gewaltakte gegen Minderheiten müsse man sich fragen, ob die Diskussion um "No-Go-Areas" nicht nur im Osten, sondern auch in anderen Teilen der Bundesrepublik geführt werden müsse, sagte die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch.
Der Rabbiner muss noch einige Tage in der Klinik bleiben. Die Frankfurter Mordkommission nahm die Ermittlungen auf. Sie wertet die Tat als versuchtes Tötungsdelikt, da der Angreifer sinngemäß geäußert habe: "Ich bringe Dich um". Von Täter und Tatwaffe fehlte auch am Sonntag noch jede Spur.
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