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Nach Übertritt zum Islam
Peggys Mutter erhielt vor 15 Jahren rechten Hass-Brief

Der Fall Peggy - eine Chronologie
Der Fall Peggy - eine Chronologie
Bayreuth. Eine frühere Spur erhärtet den Verdacht rechtsextremer Verstrickungen im Fall Peggy: Einem Medienbericht zufolge erhielt die Mutter des Mädchens, das vor 15 Jahren verschwand, damals einen rechten Hass-Brief, der auf ihren Übertritt zum Islam anspielte.

Das Schreiben sei Teil der Ermittlungsakten, schreibt die "Bild"-Zeitung. Ihre Anwältin Ramona Hoyer ging am Montag davon aus, dass Peggys Mutter zu dem Brief und zum rechtsextremen NSU nun nochmals befragt werde.

Wenige Tage nach dem Verschwinden des Mädchens im Mai 2001 habe die Mutter ein anonymes Schreiben erhalten, das laut einem Aktenvermerk der damaligen Soko Peggy beleidigend und "offensichtlich von einem äußerst rechts orientierten Menschen" verfasst wurde, wie die "Bild" berichtete.

Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Bayreuth bestätigte die Existenz eines solchen Briefes unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. Es werde nach wie vor in alle Richtungen ermittelt.

Keine Bestätigung von der Staatsanwaltschaft

Der Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Extremisten Uwe Böhnhardt nahe der Leiche der vor 15 Jahren in Bayern verschwundenen Peggy hatte vergangene Woche für Schlagzeilen gesorgt. Böhnhardts DNA war an einem Stoffstück nachgewiesen worden. Wie die Spuren dorthin kamen, ist noch völlig unklar.

Peggys Mutter hatte sich ihrer Anwältin zufolge dem Islam zugewandt, weil ihr damaliger Lebensgefährte türkischstämmig gewesen sei. Sie erhofft sich nun nach dem Fund von Peggys Leiche und der DNA-Spur Böhnhardts, dass vielleicht doch noch geklärt werden kann, was Peggy damals geschah.

Peggy war 2001 verschwunden, der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. Der rechtsextreme Nationalsozialistische Untergrund (NSU) um Böhnhardt und die mutmaßlichen weiteren Mitglieder Uwe Mundlos sowie Beate Zschäpe wird für eine Mordserie verantwortlich gemacht, bei der bundesweit neun Migranten und eine Polizistin starben.

Böhnhardt und Mundlos erschossen sich 2011 im thüringischen Eisenach, als ihnen die Polizei auf der Spur war. Nur Zschäpe wurde gefasst. Sie steht derzeit in München vor Gericht.

Als Konsequenz aus dem Fund der DNA-Spur von Böhnhardt nahm am Montag eine Sonderkommission der Thüringer Polizei ihre Arbeit auf. Die in Jena angesiedelte Soko soll in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Gera die Fälle ungeklärter Kindstötungen in Thüringen seit 1990 neu untersuchen.

jo/cha/gw

AFP

(felt/AFP)
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