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Augenzeugen wollen Bären gesehen haben: Ist der Problembär ein Wildschwein?

zuletzt aktualisiert: 21.07.2008 - 17:56

Frankfurt/Dillenburg (RPO). Um den im Hessen angeblich gesichteten Braunbären herrscht Verwirrung. Während immer mehr Augenzeugen berichten, einen Bären gesehen zu haben, behaupten Experten, die Spuren im Wald stammen von einem Wildschwein. Und der Kot soll nach einschätzung eines Försters keinem heimischen Tier zuzuordnen sein. Ein Labor in Gießen soll nun für Klarheit sorgen.

Lungert in Hessen nun ein Wildschwein oder ein Braunbär herum? Experten suchen nach Spuren.  Foto: ddp/Evers
Lungert in Hessen nun ein Wildschwein oder ein Braunbär herum? Experten suchen nach Spuren. Foto: ddp/Evers

Das Rätseln über einen mutmaßlichen Braunbären im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis geht weiter. Zwar haben zwei Experten am Montag Spuren auf einer Streuobstwiese in Dillenburg-Nanzenbach einem Wildschwein zugeordnet, aber es bleibt eine "Restunsicherheit", wie Polizeisprecher Seimen Coppola der AP sagte. Denn der letzte Augenzeuge, ein Jogger, habe durchaus glaubwürdig erklärt, er habe den Bären in 20 Meter Entfernung gesehen und wisse genau, dass es kein Wildschwein gewesen sei.

Das war am Sonntag gegen 17.50 Uhr. Der Bär habe einen kurzen Grunz-Ton von sich gegeben und sei dann im hohen Gras Richtung Wald weggelaufen, berichtete der Jogger. Laut Polizei waren an der beschriebenen Stelle Abdrücke von Tierfüßen und Kotspuren. Das Gras war niedergedrückt, abgebrochene oder abgerissene Äste von Apfelbäumen lagen herum. Die von der Polizei zurate gezogenen Experten - der Betreiber des Bärenparks Leinefelde-Wobis in Thüringen und der Leiter des Wildparks Dillenburg-Donsbach - kamen vor Ort übereinstimmend zur Ansicht, dass die Spuren von einem Wildschwein stammen.

Der Kot sei nach Einschätzung eines Försters keinem heimischen Tier zuzuordnen, erklärte die Polizei. Er sollte in einem Labor in Gießen untersucht werden, was aber nun wieder infrage gestellt ist. Man werde weiter abwarten, sagte Coppoa.

Spuren eines Paarhufers

Inzwischen wollen mehrere Frauen und Männer den Bären gesehen haben, wobei die Polizei bisher nur von einem "bärenartigen Tier" spricht. Während der Suchaktion der Polizei am Sonntagabend meldete sich gegen 21.30 Uhr eine Frau ebenfalls aus Dillenburg-Nanzenbach. Sie sagte, sie habe auf freiem Feld in etwa 120 Meter Entfernung ein Tier gesehen, das der gesuchte Bär sein könnte. Die Polizei fuhr mit einem Geländewagen Waldwege ab und setzte auch einen Hubschrauber ein. Gegen 23.00 Uhr wurde die Suche ergebnislos abgebrochen.

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Eine Frau will bereits am 19. Juni auf Feldern zwischen Ehringshausen und Kölschhausen sogar zwei mutmaßliche Bären gesehen haben. Am Sonntag, 6. Juli, meldete eine andere Spaziergängerin, sie habe in Eschenburg-Wissenbach einen Bären gesehen. Spuren stammten jedoch von einem Paarhufer - möglicherweise von einem Wildschwein oder auch einem Lama aus jenem Zirkus, der gerade in Wissenbach gastierte. Zwei Tage später berichtete eine Anruferin der Polizei, sie habe zur fraglichen Zeit an der beschriebenen Stelle einen Mann mit einem Rottweiler und einem kleineren braunen Hund gesehen.

Eine andere Frau meldete der Polizei am 8. Juli, sie habe in Dillenburg-Nanzenbach in der Nähe des Friedhofs einen Bären gesehen. Er sei etwa so groß wie ein Schäferhund und habe an der Brust einen auffälligen weißen Streifen. Der Thüringer Bärenexperte winkte ab: Es gebe keine Braunbären mit einem weißen Streifen auf der Brust.

"Problembär"

Am frühen Morgen des 11. Juli erhielt die Polizei einen Anruf von einem 73-jährigen Mann, der in Dillenburg-Nanzenbach das Brummen eines Bären gehört haben wollte. Gegen 3.45 Uhr sei er am Ende der Goldbachstraße zu Fuß unterwegs gewesen und habe in 20 Meter Entfernung das Geräusch wahrgenommen. Das Tier habe zunächst "bärig geknurrt" und dann gefaucht. Die von einer weiteren Anruferin gemeldeten Kratzspuren an einer Fichte in Dietzhölztal-Mandeln stammten laut Polizei zweifelsfrei von Borkenkäfern.

Der Sprecher des hessischen Umweltministeriums, Torsten Volkert, sagte, es sei "extremst unwahrscheinlich", dass ein Bär es unbemerkt bis nach Hessen vordringen würde. "Ein wilder Bär muss ja mal was reißen." Ein "Bärenmanagement" gebe es nur in Bayern. Denn: "Ein Wildbär muss über die Alpen kommen."

Im Mai 2006 war von dort "Bruno" eingewandert, der mehrere Schafe riss und deswegen amtlich als "Problembär" und "Schadbär" eingestuft und am Morgen des 26. Juni 2006 von einem Jäger in staatlichem Auftrag erschossen wurde.

Quelle: ap

 
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